Reena Krishnaraja und Marta Ulreich: Jetzt haben wir den Salat
Wir dachten nicht, dass wir folgendes mit unseren 23 Jahren schon so früh sagen, aber ja – früher waren gewisse Dinge tatsächlich einfacher. Ein klassischer Tomaten-Mozzarella-Salat, «en Grüne» und es Rüebli (mit oder ohne «Bölle») und das wars. Solide.
Und jetzt sitzen wir da mit Shanayas fermentiertem Radieschen an Weissessig-Avocado-Sesam-Vinaigrette und fragen uns, ob wir wirklich noch mit Shanaya befreudet sein wollen.
Wie man sieht, haben wir mit dem Thema Grillen noch so gar nicht abgeschlossen. Es ist auch viel zu geil, um dem nur eine einzige Kolumne zu widmen. In unserer letzten Ausgabe haben wir den Grillmeister analysiert. Den Menschen, der mit einer 15-Franken-Grillzange aus der Landi plötzlich das Selbstbewusstsein eines Sternekochs entwickelt. Doch seien wir ehrlich: Während auf dem Grill die Chäswürstli neben dem Grillkäse und den Maiskolben neu angeordnet werden, laufen daneben die eigentlichen logistischen Meisterleistungen ab.
Denn nebenher hat jemand die Salate gemacht, Brot gekauft, die Saucen auf den Tisch gestellt, Kräuterbutter organisiert, die Getränke gekühlt, Eiswürfel gemacht und daran gedacht, dass man vielleicht auch Teller und Besteck braucht. Und nicht das billige Plastik-Zeugs, sondern das gute Bambus-Birken-Mahagoni-Holzbesteck.
Und dann, aus dem Nichts, wird die eigene fein säuberlich ausgearbeitete Planung von irgendwelchen übermotivierten Gästen über den Haufen geworfen. Statt zu gehorchen, bringt Chantal eine ihrer berühmt-berüchtigten Salat-Mutationen. Es landen auf dem Gartentisch plötzlich ein Curry-Maissalat (ausgesprochen «Göri Maissalot»), Apfel-Quinoa-Sprossen-Salat und Couscous mit Zutaten, die zuerst illegal eingeflogen werden mussten.
Und können wir bitte kurz über das Brot reden? Alle konzentrieren sich auf das Grillgut, aber am Ende ist es das richtig geile, warme Chnoblibrot, welches den Abend erinnerungswürdig macht. Entweder geht es total vergessen, oder wird sich in der ersten Stunde des Events aus den Händen gerissen, nichts dazwischen. Genauso wichtig sind die Saucen. Viel kann man da nicht falsch machen. Vom Klassiker Ketchup, über hausgemachtes Kräuter-Zeugs bis hin zu der einen würzigen, ominösen, gelb-orangen Grill-Sauce, die tatsächlich den kreativen Namen «Grill-Sauce» hat.
Eine super organisierte Familie erkennt man meist daran, dass sogar noch fein säuberlich geschnittenes Gemüse mit einem selbst gemachten Dip auf dem schön gedeckten Tisch steht und ein feines, natürlich auch selbstgemachtes Dessert im Kühlschrank (der aus irgendeinem Grund meist sehr viel Laktose hat) wartet.
Da man ja eigentlich nur bei schönem Wetter und nur draussen grillt, wird meistens dann auch draussen gegessen. Doch was uns daran so gar nicht gefällt, sind die unliebsamen Störenfriede, die Reena regelmässig zu einem kleinen Schreihals transformieren lassen. Denn fein duftendes Essen und süsser kühler Aperol Spritz sind nicht nur bei uns Menschen beliebt, sondern auch bei diesen Mistviechern von Wespen!
Wer schlussendlich die meiste Aufmerksamkeit bekommt ist ja somit klar: Nicht der Grillmeister, nicht die Salate oder die Barchefin. Sondern Reena, im Kampf mit der Wespe und Marta, welche heroisch den fermentierten Radieschen-Salat nach der Wespe wirft, um Reena zu beschützen. Wirklich nur aus diesem Grund.
Reena Krishnaraja ist Stand-up-Comedian aus Grub und studiert Sozialwissenschaften in Bern. Gemeinsam mit ihrer WG-Kollegin Marta Ulreich schreibt sie diese Kolumne wöchentlich im Turnus mit Paul Rechsteiner, Carla Maurer, Toni Brunner und Jérôme Müggler.
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