Reena Krishnaraja und Marta Ulreich: Ferien ohne Planung bitte
Achhhh die «Ferienplanung». Die erste Hälfte des Wortes ist wie der erste Schluck eines kühlen Biers – geil. Die zweite Hälfte ist dann aber eher wie der letzte lauwarme Schluck, bei dem man bemerkt, dass da jemand seine Zigarette reingebröselt hat…
Wenn du das liest und denkst «Ah jo dFerieplanig, da hani scho im Februar erledigt und ha mittlerwili au scho Kontakt ufbaut zu de Iheimische döt», dann ist diese Kolumne nichts für dich und du solltest dir ein paar Hobbys zulegen. Wirklich.
Auf AirBnB schrumpft die Auswahl an fancy Unterkünften im Stundentakt und auf Booking.com steht bei jedem zweiten Hotel schon «NUR NOCH 1 ZIMMER FREI!». Die Frage wann und mit wem haben wir mittlerweile endlich beantwortet, aber die wichtigste Frage bleibt noch offen: Wo geht es überhaupt hin?
Einfach nach Lust und Laune irgendwas buchen? Schön wärs… In der aktuellen Zeit ist das Budget fast unser kleinstes Problem – und das kommt von zwei Studentinnen. Klimaerwärmung, geopolitische Weltlage und ethische Bedenken müssen sorgfältig abgewogen werden. Dazu kommen noch all unsere Extrawünsche.
Balkonien war nur zu Corona-Zeiten akzeptabel. Warum wir nicht nach Dubai und Umgebung wollen, müssen wir nicht ausführen. Die USA, welche aktuell mit einem richtig billigen Horrorhaus auf einer Chilbi vergleichbar sind, kommen ebenfalls nicht in Frage. Denn stell dir vor, du schlenderst durch irgendeine Strasse dort, aus dem nichts springt dich jemand mit einer verknitterten Trump-Maske an und du erschrickst gleich doppelt, weil es gar keine Maske ist.
Fliegen ist grundsätzlich eher kritisch zu betrachten. Im Süden ist es im Sommer viel zu heiss und voll, in der Schweiz zu bleiben aber zu teuer, in den Norden geht es aber ewig ohne zu fliegen und die Mücken sind sowieso unaushaltbar.
Und es geht noch weiter: Wollen wir ans Meer oder doch lieber an einen See? Aber eine Stadt in der Nähe zu haben, wäre schon auch praktisch, um ein bisschen zu shoppen oder in eine Bar zu gehen. Velofahren wollen wir auch, aber bitte nur, wenn es so schön flach ist wie in den Niederlanden.
Ein ganz anderes Land mit einer anderen Kultur und Sprache wäre natürlich mega spannend, aber was, wenn die Sprache Französisch ist? Das Trauma der Kanti sitzt bei Reena nämlich immer noch sehr tief. Nie wird sie den Moment vergessen, als sie im Französischunterricht ein Bild (von Tieren auf einer Wiese) beschreiben musste und selbstbewusst in den Raum rief: «Il y a une viande». Das korrekte Wort wäre jedoch «vache» gewesen und zu Reenas Leid klingen Fleisch und Kuh leider viel zu ähnlich.
Konkret suchen wir also: Einen möglichst klimaneutral erreichbaren, konfliktfreien Ort mit Minderheitenschutz, Meerlage, leichten Hügeln für Wanderungen, aber auch flachen Strassen, Veloverleih, kein Französisch, stabil tiefen Preisen, aber auch fairen Arbeitsbedingungen für die Locals und ganz wichtig: ohne Asi-Bahnhof.
Wir wurden tatsächlich fündig, es ist ein kleiner Ort im Norden Deutschlands:
Sessigrev
Noch nie davon gehört?
Doch Doch!
Lies es einfach Rückwärts!
Reena Krishnaraja ist Stand-up-Comedian aus Grub und studiert Sozialwissenschaften in Bern. Gemeinsam mit ihrer WG-Kollegin Marta Ulreich schreibt sie diese Kolumne wöchentlich im Turnus mit Paul Rechsteiner, Carla Maurer, Toni Brunner und Jérôme Müggler.
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