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Probleme, die eigentlich gar keine sind

Speerspitz/Seitenblick: In unserer Wohlstandsgesellschaft haben wir es zur Angewohnheit gemacht, uns über jede Kleinigkeit zu ärgern. Es braucht aber manchmal nur wenig, um zu sehen, dass die wirklichen Probleme gar nicht so weit weg sind.
Der Rasen vor unserem Haus hat schon bessere Zeiten durchgemacht. Hinten die erwähnte Baustelle. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Zurzeit sehe ich mich mit ein paar ärgerlichen Problemen konfrontiert. In der Nachbarschaft wird gebaut und der Lärm schon frühmorgens reisst mich regelmässig aus dem Schlaf.

Wenn ich dann aus dem Fenster schaue, um nachzusehen, wer mich nicht länger schlafen lässt, schweift mein Blick unweigerlich auf unseren gelb-braunen Rasen. Sein Aussehen rührt mich fast zu Tränen. Er hat sich trotz zuletzt einiger Regenfälle noch nicht wirklich erholt. Die Trockenheit der vergangenen Wochen hat sichtbare Spuren interlassen.

Es kommt noch dicker. Im Büro angekommen spüre ich, dass die Wärme des Hitzesommers auch jetzt kaum aus den Räumen herauszubekommen ist. Fenster und Türen öffnen und später die Klimaanlage einschalten, verschafft nur kurzfristig Linderung. Im Gegenteil, die Hitze kehrt nachmittags regelmässig ins Büro zurück. Die Schweisstropfen bilden sich auf meiner Stirn auch ohne Bewegung.

Wieder zu Hause wird es nicht besser, denn auch nachts lassen sich die Räume unseres Hauses nur mit allergrösster Mühe auf Schlaftemperaturen herunterkühlen. Vergesse ich dann beim Lichtanmachen, die Fenster zu schliessen, verirren sich ganz bestimmt eine oder, noch schlimmer, mehrere Mücken ins Schlafzimmer. Mit meinen weiteren Problemen möchte ich die Leserinnen und Leser gar nicht weiter konfrontieren – sie dürften ähnliche haben und mir beim Lesen dieser Zeilen vielleicht anerkennend zunicken.

Ach ja, kürzlich war ich zu Besuch in einer Rehaklinik und habe gesehen, was es heisst, mit echten Schwierigkeiten zu kämpfen. Dort wurde mir vor Augen geführt, über welche Probleme ich mir Gedanken mache, die gar keine sind.

Was kümmert mich also der Baulärm? Er ersetzt mir das Stellen des Weckers. Der Rasen erholt sich irgendwann wieder und wechselt ins gewohnte Grün und auch im Büro gibt es bald wieder die gewohnten Temperaturen. Mit Sicherheit dann, wenn wir uns wieder darüber beschweren, dass es draussen viel zu kalt ist. Also mal kurz durchschnaufen und darüber nachdenken, wie schön das Leben ist. Die grossen und kleinen Probleme, über die wir uns unnötig nerven, sind doch zweitrangig.

 
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