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Paul Rechsteiner: Trump, Putin und Co. – der Film macht Hoffnung

Die geopolitischen Entwicklungen der letzten Jahre stimmen pessimistisch. Erstaunliches und Erfreuliches tut sich in der Welt des Films, wie Kolumnist Paul Rechsteiner schreibt.
Paul Rechsteiner, Tagblatt-Kolumnist und ehemaliger SP-Ständerat. (Bild: Niklas Thalmann)

Stellen wir uns vor: Hundertschaften maskierter Sicherheitskräfte führen in unseren Städten Razzien durch, zerren mit maximaler Brutalität Menschen von der Strasse, wenn sie sich nicht sofort ausweisen können. Und manchmal auch, obwohl sie Ausweise haben. Menschen, die sich gegen diese Praktiken empören, riskieren, erschossen zu werden. Unvorstellbar, dass das in einem Land wie der Schweiz, in unseren Städten, passieren könnte. Oder sonstwo in Europa.

Genau das ist aber heute in Trumps USA, einst der Leuchtturm der Freiheit, der Fall. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist, dass diese Brutalität gestoppt und die ICE zum Rückzug gezwungen werden kann. Von Zehntausenden mutigen und protestierenden Menschen, die mit ihren Handys alles gefilmt und die Staatslügen entlarvt haben.

Für die Oscars sind Filme wie «One Battle After Another» nominiert. Ein schräger, selbstironischer, ausgezeichnet unterhaltender Film, der hart und unmissverständlich gegen die Jagd auf Migrantinnen und Migranten Stellung bezieht, und gegen die rassistischen amerikanischen Eliten.

Nominiert für einen Oscar ist auch der jüngste Film des Iraners Jafar Panahi, «It Was Just An Accident». Die Situation im Iran ist noch viel schlimmer als in den USA, und das seit Jahrzehnten. Das iranische Filmschaffen ist Weltklasse. Es wird genährt von einer Realität, die härter nicht sein könnte. Mohammad Rasoulof und Jafar Panahi drehen ihre Filme unter Bedingungen, die hierzulande kaum vorstellbar sind. Rasoulofs «Die Saat des heiligen Feigenbaums» war der Film des Jahres 2024. Nach Verhaftungen musste er das Land auf heimlichen Pfaden verlassen. Panahi dreht trotz Verboten weiter. Einfallsreich umgeht er die Zensur. Ständig droht ihm die erneute Verhaftung. Das Thema seines aktuellen Films ist die Zwiespältigkeit der Rache nach dem Fall des Regimes. Eine kühne Idee nach all dem, was sich im Iran in den letzten Monaten abgespielt hat. Der Film blickt weit über die aktuelle, kaum zu Optimismus Anlass gebende Lage hinaus.

Und selbst im hermetisch kontrollierten Russland entsteht Erstaunliches. Im dokumentarischen «Mr. Nobody Against Putin» filmt ein Lehrer, der zugleich der offizielle Filmer der Schule ist, in einer tristen Minenstadt hinter dem Ural die verlogene Indoktrination der Jugend durch die seit dem Überfall auf die Ukraine allgegenwärtige patriotische Erziehung. Die Realität übersteigt das Vorstellungsvermögen einmal mehr.

Die geopolitischen Entwicklungen der letzten Jahre stimmen pessimistisch. Aber der Film lebt. Er entlarvt Lügen. Er wirft Schlaglichter auf Formen des Widerstands. Und macht deutlich, dass eine Zeit nach den Autokraten kommen wird, in der sich neue Fragen stellen.

Mit dem Kinok in der Lokremise verfügt St.Gallen über ein schweizweit führendes Programmkino, das auf die ganze Ostschweiz ausstrahlt. Der Film bringt die Menschen einander näher. Er zeigt Fragestellungen und Lebensverhältnisse, die sonst fremd blieben. Und öffnet dadurch Vorstellungsräume, die gerade heute unverzichtbar sind. Für die aktuellen Spardebatten gilt deshalb: In unserer lebendigen Demokratie wäre es das Dümmste, ausgerechnet bei der Kultur und der Bildung zu sparen.

Paul Rechsteiner stammt aus St.Gallen und ist ehemaliger SP-Ständerat. Er schreibt diese Kolumne wöchentlich im Turnus mit Toni Brunner, Carla Maurer und Jérôme Müggler, sowie Reena Krishnaraja und Marta Ulreich, die ihre Kolumnen gemeinsam verfassen.

 
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