Open Air Bütschwil: Ein musikalisches Fest für alle Generationen und Sinne
«Willkommen am geilsten Open Air!» Nicht ein Marktschreier oder ein durchgeknallter DJ begrüsst am Freitag die kleine Gruppe, die sich am Bahnhof Bütschwil in einen kleinen, weissen Shuttlebus quetscht. Sondern der Fahrer, welcher, obwohl er, im Dauereinsatz stehend, wohl kaum etwas von der Stimmung auf dem Festivalgelände mitbekommen dürfte. Denn von dort, wo er die Musikbegeisterten auslädt, sind es noch gut fünf Minuten zu Fuss. Das tut der guten Laune des Chauffeurs jedoch keinen Abbruch. «Schnallt euch gut an – es geht jetzt los!»
Ruhe vor dem nächsten Gig
Von «los» im Sinne von «die Party ist im vollen Gange», ist man auf dem Festgelände noch weit entfernt. Das eine Konzert – jenes des Singer-Songwriters Emanuel Reiter, ist gerade verklungen, der nächste Auftritt am Freitagabend noch über eine Stunde lang nicht in Sicht. Zeit, um sich zu verpflegen oder auszuruhen. Oder zumindest die Anstalten dazu zu machen. Ein paar ältere Semester haben schon einmal für den restlichen Abend ihre Klappstühle in deutlichem Abstand zu der Bühne aufgestellt. «Sonst wird es mir schnell zu laut», gibt ein Herr ungefragt Preis.
Sowieso sind zu so früher Stunde die meisten im hinteren Bereich des Festgeländes anzutreffen. «Bier und Pizza gibt es halt nur hier», erklärt Erika aus Mosnang lachend. Ein Mann balanciert fünf grosse Kübel Bier vor sich hin, wobei er den fünften zwischen die anderen eingeklemmt hat – was nicht nur wagemutig aussieht, sondern wohl auch ist. Auf jeden Fall ist ihm, wieder bei seiner Gruppe angekommen, das bewundernde Gejohle derselben sicher.

Friedliche Tage mit 2000 Besuchenden
Wie das Organisationskomitee am Sonntag auf Anfrage mitteilt, konnten auf dem Festival-Gelände über beide Tage rund 2000 Gäste begrüsst werden. «Es waren zwei sehr friedliche Tage», sagt Martina Rütsche vom OK. Vom Aufbau über das Festival selbst sei alles reibungslos und ohne Zwischenfälle verlaufen. Sogar das Wetter habe «überraschenderweise» mitgespielt. (ser)
Alle Jahre wieder
Noch hat es vor der Tribüne viel Platz. Kinder tollen mit überdimensionierten Luftballons herum. Jeder geniesst es, hier zu sein. Die Musik aus der Konserve ist eher volks-, statt musikfestmässig. Wencke Myhre besingt ihr «knallrotes Gummiboot». Und Franz aus Wattwil findet es hier «einfach hammermässig» – und begründet es auch: «Hier sind Familien ebenso willkommen wie auch die ganz Jungen und die etwas älteren Semester. Das ist ein Open Air ganz nach meinem Geschmack.»
Tatsächlich fällt es auf, dass praktisch jede Altersgruppe sich auf dem Gelände vergnügt, was Severin aus Ganterschwil folgendermassen begründet: «Hier trifft sich halt jedes Jahr das ganze Dorf». Fast ist man versucht zu sagen: das ganze Tal, denn viele umarmen sich beim Zusammentreffen und unterhalten sich sofort angeregt. Was auch Sonja aus Mosnang bestätigt. «Es gibt viele, die ich das ganze Jahr kaum sehe, hier aber ganz sicher – auch wenn wir nicht miteinander abgemacht haben. Solche Treffen sind einfach immer mega-schön. Dazu ist einfach auch die Musik hier fantastisch».

Kaum hat sie es gesagt, tritt bereits die nächste Band die Bühne. Die junge Schwyzerin Linda Elys, die vor drei Jahren mit «House on Fire» die Schweizer Airplay-Charts stürmte, nimmt auch die Herzen der Festivalbesuchenden im Sturm. Die Nacht nähert sich schnell, nicht nur, weil Elys von «the darkest night» singt, sondern ganz real immer mehr zuvor noch sattgrün leuchtende Hügel durch die rasch sinkende Sonne wie vom Erdreich verschluckt werden. Schon wenig später ist es dunkel auf dem Gelände. Der Platz vor der Bühne ist jedoch gut gefüllt und die Open-Air-Fans «on fire». Und die Party nimmt nun richtig Fahrt auf.
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