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«Früher habe ich versucht, anderen zu helfen, jetzt bin ich selbst auf Hilfe angewiesen» – OhO-Spenden verschaffen einer Familie eine Verschnaufpause

Habibi V. und seine Familie kämpfen sich durch eine Kette schwerer Schicksalsschläge: Herzinfarkte, Nierenprobleme und eine metastasierte Krebserkrankung. Das alles raubt der Rorschacher Familie die Kraft. Mit der Unterstützung von «Ostschweiz hilft Ostschweiz» können sie kurz durchatmen.
von Gian-Luca Fedi
Habibi V. leidet an Herzproblemen, seine Frau an Brustkrebs. (Bild: Symbolbild: Keystone)

Vor der Wohnungstür der Familie steht ein schlichtes Schuhgestell. Habibi V. (Name nach Wunsch der Person geändert) zeigt auf zwei Paar Schuhe darauf. «Die haben uns Bekannte geschenkt. Sie sind zwar gebraucht, aber das stört mich nicht», sagt er. Im Wohnzimmer der Familie fällt eine grosse Zimmerpflanze ins Auge. Sie ist ebenfalls ein Geschenk, von einem früheren Nachbarn, als dieser umzog.

Habibi V. lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Rorschach. Die Tochter besucht die zweite Klasse, der Sohn ist im Kindergarten. Früher arbeitete er in einer Ostschweizer Reinigungsfirma. Neben dem Schichtbetrieb kümmerte sich der 49-Jährige um die Kinder und unterstützte seine Frau, bei der Brustkrebs festgestellt wurde. Nachdem er selbst wegen medizinischer Probleme ausgefallen war, rutschte die Familie in eine schwierige finanzielle Lage.

Eine Reihe von Schicksalsschlägen

Vor sechs Jahren erlitt Habibi V. einen ersten Herzinfarkt, arbeitete danach aber wie gehabt weiter. Nach einem zweiten Infarkt 2021 wurden bei ihm auch noch Nierenprobleme festgestellt. «Man hat mir gesagt, die Nieren seien komplett verstopft», sagt er. Eine Operation verschaffte ihm Erleichterung. Um sich auszukurieren, fehlte ihm das Geld, also arbeitete Habibi V. weiter.

2023 erhielt die Frau von Habibi V. die Diagnose Brustkrebs im vierten Stadium. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Krankheit bereits in andere Körperregionen gestreut. «Sie fühlte sich nicht ganz wohl und entdeckte schliesslich einen Knoten in der Brust», sagt er.

Im selben Jahr erlebte Habibi V. selbst den nächsten gesundheitlichen Einbruch. «Ich sass am Steuer und habe plötzlich die Kontrolle verloren», erzählt er. Wegen akuter Herzprobleme wurde er erst zehn Tage im Kantonsspital St.Gallen und anschliessend fünf Wochen in der Rehabilitationsklinik behandelt. «Ich versuche seitdem, wieder zu arbeiten, aber ich habe keine Kraft mehr», sagt er. Kürzlich riss bei Habibi V. auch noch der Meniskus. Sobald sein Herz stabil genug ist, soll ihm ein künstliches Knie eingesetzt werden.

Früher half er, heute benötigt er selbst Unterstützung

Habibi V. stammt aus Serbien und kam mit 21 Jahren in die Schweiz. «Im Dorf, in dem ich aufwuchs, hatte niemand Geld», sagt er. Gemeinsam mit Freunden gründete er deshalb einen Verein, um für Menschen in seiner Heimat zu sammeln. «Dort gibt es echte Genies, die sich aber einfach kein Studium leisten können», sagt er. Aufgrund seiner gesundheitlichen Situation kann er sich heute nicht mehr im Verein engagieren. «Früher habe ich versucht, anderen zu helfen, jetzt bin ich selbst auf Hilfe angewiesen.»

Die schwierige Lage hat für die Familie auch finanzielle Folgen. Habibi V. erhält noch 80 Prozent seines früheren Lohns, seine Frau eine IV-Rente. «Früher fuhren wir zwei-, dreimal im Jahr in den Urlaub», sagt er. Heute achte er darauf, immer reduzierte Lebensmittel zu kaufen.

Ein Beitrag aus dem Spendentopf von «Ostschweiz hilft Ostschweiz» verschaffte der Familie etwas Luft. Davon kaufte Habibi V. Winterjacken und -schuhe für die Kinder in der Brockenstube. Auch seine Frau und er konnten sich so ein paar neue Kleidungsstücke leisten. Den Rest des Geldes nutzte die Familie für Lebensmittel. «Als mein Antrag genehmigt wurde, war ich unglaublich dankbar für die Unterstützung», sagt er. «Auch für zehn Franken wäre ich dankbar gewesen.»

Artikel: http://www.vaterland.li/regional/ostschweiz/oho-spenden-familie-erhaelt-finanzielle-unterstuetzung-art-716988

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