Die Seile der neuen Säntisbahn bringen 245 Tonnen auf die Waage: Produziert wurden sie beim Weltmarktführer am Bodensee
Die Trag- und Zugseile für die neue Säntis-Schwebebahn sind produziert. Gefertigt wurden sie bei der Fatzer AG in Romanshorn, die gemäss einer Mitteilung der Säntisbahn Weltmarktführer für Hochleistungsstahlseile ist. Insgesamt bringen die Seile 245 Tonnen auf die Waage. Zwischen Mai und Spätherbst fällt der Bahnbetrieb am Säntis wegen der Bauarbeiten der neuen Bahn aus. Im Spätherbst soll diese den Betrieb aufnehmen.
Kernstück ist das 4900 Meter lange Zugseil. Es handelt sich gemäss Mitteilung um ein kompaktiertes Litzenseil, dessen beide Enden mit einem Spleiss zu einer Endlos-Schleife verbunden werden. Die Kabinen werden künftig direkt mit Klemmen am umlaufenden Seil befestigt. Damit ersetzt eine Endlos-Schlaufe das bisherige System mit Zug- und Gegenseil. Endbefestigungen entfallen. Um einseitige Abnutzung zu vermeiden, werden die Fahrzeuge in regelmässigen Abständen auf dem Seil versetzt.
Enorme Zugkräfte wirken auf Bergstation
Auch die Tragseile übernehmen mehrere Funktionen. Sie tragen nicht nur das Gewicht der Kabinen, sondern enthalten im Innern 48 Glasfasern. Diese ermöglichen die Datenübertragung zwischen Berg- und Talstation. Die Produktion der Zug- und Tragseile dauerte laut Hersteller über 500 Arbeitsstunden.
In der Bergstation werden die Tragseile auf einem Betonpoller fixiert. Da sie alle zwölf Jahre verschoben werden müssen, ist dort ein Seilhaspel installiert, der die nötige Reserve aufnimmt. Die integrierten Glasfasern werden über eine Spleissmuffe an die Gebäudetechnik angeschlossen.

Pro Fahrbahn wirken Zugkräfte von rund 2518 Kilonewton – das entspricht etwa 250 Tonnen – auf die Gebäudestruktur. Diese Kräfte sind rund doppelt so hoch wie bei der bestehenden Bahn. Entsprechend werden sie über spezielle Verankerungen in den Fels abgeleitet.
Nach der Befestigung auf dem Gipfel werden die Seile über die Stütze geführt und im Tal gespannt. Anders als bei der 1974 eröffneten Bahn werden die Tragseile auch im Tal fix auf einem Poller gewickelt und nicht mehr mit Gewichten abgespannt. Der Transport der neuen Seile zur Schwägalp ist für diesen Frühling geplant.
Bereits 1935 wurden Seile für die erste Bahn aufwendig auf der Schwägalp angeliefert: Damals dauerte der Transport von Herisau über die Alpstrasse via Riglen und Siebenhütten 43 Tage. Die vier Tragseile waren je 2300 Meter lang und wogen 35 Tonnen.
Vor dem Einzug der neuen Seile werden die bestehenden Anlagen demontiert. Für den Seilzug werden zwei alte Seile provisorisch verbunden, um die neuen Seile auf den Berg zu ziehen. Die dafür nötigen Zug- und Bremsmaschinen stehen aus logistischen Gründen im Tal. (pd)
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