Mehr Gäste als bei der Premiere: Lichtensteig feiert farbenfrohe Pride
Ob zu Cher, Lady Gaga, ABBA oder Diana Ross: Jung und Alt tanzen und singen gemeinsam. Lichtensteig verwandelt sich in einen bunten Treffpunkt – mit Regenbogenfahnen, farbenfrohen Outfits, Lachen und Musik in den Gassen. Die Mini-Pride ist auch dieses Jahr eingebettet ins Programm des Super Saturday, der das Städtli mit offenen Türen, Ständen und kulturellen Angeboten belebt.
«Ich war schon letztes Jahr hier und es ist so herzlich», sagt die Drag-Künstlerin Sam The Witch. «Egal, ob queer oder nicht: Jeder ist mit dem Herzen dabei.» Auf den Strassen versammeln sich gespannte Gesichter, die Vorfreude auf die Parade ist spürbar.

Lichtensteig als Vorreiter
Viele Gäste kommen aus der Region. Für Anwohner wie Christian Schwyter ist Lichtensteig ein Vorreiter. «Es treffen sich unterschiedliche Menschen in einem eher konservativen Toggenburg», sagt er. «Einmal geht Lichtensteig voraus.» Die Mini-Pride setze für ihn ein klares Zeichen: «Wir haben es geschafft.»

Auch Valentino Strahlhofer kommt aus der Region und hält die Mini-Pride für besonders wichtig, «vor allem in dieser Zeit». Er erinnert sich an die Wirkung der ersten Ausgabe: «Für viele war es erstaunlich, dass Lichtensteig, in einem eher konservativen Toggenburg, eine Mini-Pride hat.» Er wünscht sich mehr solche Anlässe. Ähnlich sieht es Roger Wittmann, Präsident des Vereins Wilsch Queer Winterthur: Mehr Prides seien nötig, damit sich die Gesellschaft mehr damit beschäftige. «Das ist das Ziel», betont er.
Nicht nur Erwachsene feiern mit. Eine Gruppe von Jugendlichen ist ebenfalls dabei: geschminkt, bunt gekleidet und gut gelaunt. Sie schätzen vor allem die Freiheit, sich anziehen und schminken zu können, wie sie wollen. «Wir fühlen uns wohl. Es ist schön zu wissen, dass queeres Leben hier als normal angesehen wird», sagen sie. Auf die Parade freuen sie sich besonders: «Wir laufen mit.»
Hunderte ziehen durchs Städtli
Kurz vor 17 Uhr füllt sich die Strasse. Alle schwingen bunte Fahnen, singen mit und tanzen. Das Publikum zählt laut den Countdown und bei eins ertönt «Abracadabra» von Lady Gaga, die Strasse bebt, die Parade setzt sich in Bewegung. Hunderte ziehen durch die Gassen von Lichtensteig. Es wird gejubelt, gelacht und gesungen. Viele, die zunächst am Strassenrand stehen, laufen kurzerhand mit.

«Es ist schön zu sehen, wie viele bekannte Gesichter hier sind», sagt Thomas Künzle, Vereinsmitglied von Queer Toggenburg. «Die Mini-Pride hat die Akzeptanz gestärkt.» Viele schätzen die überschaubare Grösse des Anlasses. «Ich finde es gut, dass es etwas Kleineres ist und etwas ruhiger», betont ein Besucher.
Zweite Ausgabe ohne Zwischenfälle
«Es ist sehr friedlich und fröhlich», hält OK-Mitglied Joel Müller gegenüber dieser Zeitung fest. Kurz vor der Rede von Nationalrätin Franziska Ryser zieht er ein Zwischenfazit: «Wir sind sehr zufrieden und durften rund 1000 Gäste begrüssen. Das Wetter ist perfekt und unsere Erwartungen wurden erfüllt.» Anders als im Vorjahr, als maskierte Jugendliche mit Knallpetarden für kurze Aufregung sorgten, verlief die zweite Mini-Pride ohne Zwischenfälle.

In der Kalberhalle versammeln sich nach der Parade zahlreiche Besucherinnen und Besucher zur Rede von Franziska Ryser. «Dass ihr heute hier seid, sendet ein wichtiges Zeichen», betont die Nationalrätin. «Eine Pride ist mehr als ein Fest – sie ist ein Versprechen. Danke, dass ihr dieses Versprechen heute gebt, gemeinsam, laut und mit so viel Herz.»
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