Tod des Vaters gab den Ausschlag: «Melodie» mit Regisseurin Anka Schmid wurde in Wattwil gezeigt
Es ist ein «leiser» Film, jedoch keiner der leisen Töne. Denn sein Titel «Melodie» ist Programm. Und so wird in ihm in allen nur möglichen Tönen gesungen. Mal ausdrucksstark, mal als Solo, mal im Chor, mal als Klageweise oder als Alpruf, als jugendlicher Rap oder in einem Altersheim. Eines bringt der Film jedoch deutlich zum Ausdruck: Jedes Lebensalter ist Singalter. Oder wie es der Moderator, der Thurgauer Kantonalgesangspräsident René Aebi in der anschliessenden Gesprächsrunde mit Regisseurin Anka Schmid sagte: «Singt und geht singen, egal wie. Es muss nicht schön sein, aber es tut gut.»
Damit traf Aebi den Geschmack des Publikums. Denn viele waren nicht nur ältere Semester, sondern auch Sängerinnen und Sänger. Wer es nicht wusste, bekam es gleich zu hören. Denn einer der Protagonisten von «Melodie», der Leiter des Gossauer Chores GoAndSing, Marcello Wick, lud vor dem Film alle dazu ein, ein paar Stimmübungen zu machen und anschliessend miteinander zu singen. Improvisiert und von Herzen kommend. Eine ganze Viertelstunde.
Damit war die perfekte Einstimmung für den anschliessenden Filmgenuss gegeben. Der Dokumentarfilm «Melodie» kommt während 86 Minuten Spieldauer nur mit wenigen Worten und dafür mit sehr viel Gesang aus. Wer seine Augen schloss und zuhörte, bekam das meiste mit – was auf eine ganze eigene Art eine spezielle Kinoerfahrung darstellte.

Angehörige sangen bis zum Tod des Vaters für ihn
Im Anschluss an «Melodie» stellte sich Regisseurin Anka Schmid den Fragen des Publikums. Sie habe immer wieder versucht, die Körperlichkeit des Singens einzufangen, die Energie, die beim Singen entsteht, sichtbar zu machen, erklärte Schmid. «Tatsächlich ist Melodie eine Annäherung an die Gefühle singender Menschen.»
Doch ausschlaggebend für den Film sei der Tod des eigenen Vaters gewesen. Schmid sagte: «Der Film kam aus der Sterbensbegleitung von unserem Papa zustande. Anfangs von Covid haben wir, seine Frau, seine drei Töchter und die Enkel, für ihn gesungen und gesummt – bis zum Schluss. Das hat uns beruhigt und der Papa hat bis zum Schluss reagiert. Das war unglaublich.»
Auch die Stille hat ihren Platz im Film
Da verwundert es auf einmal nicht mehr, dass der Film einst den Arbeitstitel «Von der Wiege bis zum Grab» trug. Aufgrund dessen habe sie dann, so Anka Schmid, die passenden Menschen für den Film gesucht. Die Regisseurin sagt: «Darum gibt es auch die griechische Klagefrau, denn wir wollten nicht einfach unterschiedliche Lieder zeigen, sondern auch, wie einem das Lied durchs ganze Leben begleitet.»
Für Mirjam Hadorn, Geschäftsführerin der Stiftung Klangwelt Toggenburg, hat der Film jedoch noch eine weitere, starke Komponente: Er lässt, an gewissen Stellen, der Stille ganz bewusst ihren Raum. So beim Alpsegen der Sennerin. Oder wenn die Stimme der griechischen Klagefrau schweigt und dafür ein heftiger Wind durch den Olivenhain fegt, ein Schneesturm den Klostergarten heimsucht. Hadorn sagt: «Das ist wie die Gegend ums Klanghaus am Schwendisee. Da kann man der Stille zuhören. Und das ist ja etwas, was man so selten hat und uns im Alltag gar nicht begegnet.»

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