Im Toggenburg fehlt ein Patentrezept gegen Leerstände
Das Thema berührt Politiker, Raumplanerinnen und Gewerbetreibende: 50 Personen drängten sich am Donnerstagabend im Lichtensteiger Macherzentrum, wohin zum «Leerstands»-Talk mit dem Schweizer Raumplanungsverband Espace Suisse eingeladen worden war.
Kein klassisches «Lädeli»-Sterben
Das Kaufverhalten habe sich in den letzten 20 Jahren gewandelt, so Paul Dominik Hasler, der bei Espace Suisse das «Netzwerk Altstadt» leitet. Zuvor lautete die Formel in Altstadtbauten: «Unten wird der Umsatz gemacht, oben billig gewohnt», ergänzt Hasler. Dies habe sich durch das Aufkommen des Internethandels und der dezentralen Einkaufszentren – gekehrt. Heute seien unten billige Läden, während oben teuer gewohnt wird.
War früher die Stadt das Zentrum, das man aufsuchen musste, um alle Dinge des täglichen Bedarfs einkaufen zu können, so erledigt man heute die Einkäufe bequem per Mausklick. Wer in die Stadt gehe, tue das primär, um andere zu treffen, nicht um einzukaufen. Dabei handle es sich nicht um ein klassisches «Lädeli»-Sterben. «Es ist nicht der Wolle-Laden, der schliesst, sondern auch die Grossverteiler sind immer weniger in der Innenstadt – auch in Lichtensteig nicht», sagt Paul Dominik Hasler.
Lichtensteig zeigt Gestaltungswillen
Dennoch habe sich Lichtensteig eine «typische städtische Kultur» bewahrt, da hier die öffentliche Verwaltung in Zeiten des Niedergangs gestalten wollte und will. Der Lichtensteiger Stadtpräsident Mathias Müller bestätigte, dass man in der Krisenzeit einfach einmal etwas proaktiv ausprobiert habe. Im Wissen, dass man scheitern könne, aber nichts zu verlieren habe.
Als Beispiel taugt das Macherzentrum mit seinem Co-Working-Space. Auf ein solches habe niemand gewartet – bis einige die Initiative ergriffen. «Als wir hier im Toggenburg anfingen, von Co-Working zu reden, fragten manche: Was ist Cow-Working?“, blickte Mathias Müller zurück.
Frühzeitig miteinander reden
Albert Schweizer, Standortförderer in Wil und Schlieren, erachtet es als wichtig, dass eine Gemeinde mit den einheimischen Liegenschaftsbesitzern frühzeitig das Gespräch sucht, wenn in einer Altstadt Änderungen wie Geschäftsaufgaben, auslaufende Mietverträge oder Verkaufsabsichten publik würden. Denn Einheimische würden für den Ort, in dem sie leben, oft Sorge tragen.
Gelange hingegen ein Altstadtbau ins Portfolio eines grossen Immobilienkonzerns, der weit weg vom Ort agiere, so sei die Kommunikation und die Zusammenarbeit zwischen Gewerbe, Vermieter und Gemeinde danach oft beschwerlich. Auch das Mitmachen im Gewerbeverein sei ein gutes Instrument, um ein lebendiges Geschäftsleben im Ort zu erhalten. Denn im persönlichen Gespräch könnten viele gute Ideen verfolgt und Lösungen für Probleme gefunden werden.
Dies wünschte sich auch Selina Annen, die in Lichtensteig nicht nur ein Weingeschäft betreibt, sondern auch als Standortförderin aktiv ist. Sie sagt: «Das Schöne an Lichtensteig ist, dass man hier schnell mit vielen zusammenarbeiten kann. Es hat hier immer jemand, der etwas machen möchte und auch das persönliche Gespräch mit einem sucht.»
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