Über 100 Betriebe werben um Toggenburger Nachwuchs
Die Vielfalt, der im Toggenburg ansässigen Unternehmen entdecken, Informationen sammeln, Erfahrungen austauschen und erste Kontakte knüpfen: Vertreterinnen und Vertreter von über hundert Betrieben unterschiedlichster Branchen präsentierten sich am vergangenen Samstag am 11. Lehrstellenforum. In der Wattwiler Markthalle beantworteten sie den Jugendlichen der Oberstufe alle Fragen rund ums Thema Lehrstelle.
Getragen wird der Anlass durch die Regionsorganisation Region Toggenburg, den Arbeitgeber- und Gewerbevereinigungen der Region Toggenburg, der Berufs- und Laufbahnberatung Toggenburg, dem BWZ Toggenburg sowie den Oberstufen im Toggenburg.
Regionale Unternehmen profitieren
«Für uns ist das Lehrstellenforum ein wichtiger Anlass», sagte Martin Gämperle, Inhaber und Geschäftsführer der Wasserfluhgarage AG in Lichtensteig. «In dieser zwanglosen Atmosphäre können wir den Jugendlichen niederschwellig unser Schnupper- und Lehrstellenangebot näherbringen. Auf der anderen Seite wissen die Jungen genau, was von ihnen erwartet wird, wenn sie sich bei einer Firma bewerben.»

Bereits kurz nach der Türöffnung um 8 Uhr war ein Durchkommen zwischen den Ständen schon schwierig. Zahlreiche Jugendliche schlenderten mit ihren Eltern durch die Gänge, blieben stehen und schauten näher hin. Bei vielen Schülerinnen und Schülern fiel die Hemmschwelle schnell und schon bald waren sie mit Ausbildungsverantwortlichen, Lernenden oder gar den Firmenchefs selbst in angeregte Gespräche vertieft.
Viele Fragen rund ums Bewerben
Die Reihen der Besuchenden in der Halle lichteten sich nur, wenn im Zelt vor der Markthalle Podien zu bewerbungsrelevanten Themen durchgeführt wurden. Die Zuhörenden bekamen dort Antworten auf Fragen wie «Was wird von Jugendlichen beim Schnuppern erwartet?», «Worauf achten Betriebe bei den Bewerbungsunterlagen?» oder «Wie werden künftige Bewerbende ausgewählt?».

Aus den Beiträgen der Podiumsteilnehmenden war klar ersichtlich, dass neben guten Zeugnisnoten in allen Betrieben auch viel Wert auf klassische Tugenden wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Motivation gelegt wird.
Unterschiedliche Präferenzen haben die Unternehmen jedoch bei der Kontaktaufnahme, wenn sich eine Schülerin oder ein Schüler für einen Schnuppertag oder eine -woche bewerben will. Während bei den einen Firmen die Hürden tief liegen und ein simples E-Mail genügt, bestehen andere auf einer telefonischen Kontaktaufnahme und zusätzlich auf die Beantwortung eines Fragebogens, bevor ein Schnuppern möglich ist. «Damit wollen wir sicherstellen, dass sich nur Jugendliche bei uns melden, die wirklich Interesse an unserer Arbeit haben und nicht einfach zu uns kommen wollen, weil sie noch eine Lücke im Kalender füllen müssen», begründete der Geschäftsführer dieser Firma.
Speziell für Eltern der ersten Oberstufe wurde ein Elternpodium durchgeführt, das die Rolle der Eltern bei der Berufswahl thematisierte. An diesem Podium wurde klar unterstrichen, dass die Eltern bei der Wahl des künftigen Lehrberufs zwar eine wichtige, jedoch nur unterstützende Funktion haben sollten. «Ihre Kinder müssen sich in ihrem neuen Job wohl fühlen und Freude an ihrer Arbeit haben. Es liegt nicht an den Jugendlichen, die Berufswünsche der Eltern zu erfüllen», lautete ein Fazit dieser Gesprächsrunde.
Traditionelle Rollenbilder dominieren noch immer
Derweil herrschte auch in der Markthalle noch reges Treiben. So durfte Martin Gämperle, Garagist und Vorstand des Kantonalen Gewerbeverbands, zahllose Interessierte an seinem Stand begrüssen. «Die Jugendlichen sind gut vorbereitet und stellen gezielte Fragen zu unserem Betrieb und den Lehrstellen, die wir anbieten», sagte er.
Spannend fand er, dass offenbar noch immer die klassischen Rollenbilder vorherrschten. «Die Jungs interessieren sich hauptsächlich für die Motoren, während die Mädchen sich eher fürs Lackieren begeistern», stellte er fest. Ausserdem freue er sich ganz allgemein über das Interesse der Jugendlichen an einem handwerklichen Beruf – unabhängig davon, ob es nun bei ihm als Automobilmechatroniker oder bei einem seiner Kolleginnen oder Kollegen als Schreiner oder Strassenbauer sei.
Mit einem Wettbewerb versucht die Firma Fenster Keller AG aus Bütschwil die Jugendlichen an den Stand zu locken. «In anderen Jahren merkten wir, dass die Schülerinnen und Schüler nur zögerlich auf uns zukamen.» Mit dem Wettbewerb wollen wir die Hemmschwelle senken. Es hat sich bereits gezeigt, dass der direkte Kontakt auf diese spielerische Art und Weise viel schneller und einfacher zustande kommt», sagte Roger Ebneter, Leiter Produktion und in administrativen Belangen verantwortlich für die Lernenden der Fenster Keller AG.

Ihnen sei wichtig, den Jugendlichen aufzuzeigen, dass Fensterbau ein sehr abwechslungsreicher und technisch herausfordernder Beruf sei, in dem nicht nur die vielfältige Formengebung von Holz eine Rolle spiele.
«Um unsere Berufe und die Firma besser kennenzulernen, bieten wir frei zugängliche Schnuppernachmittage an. Denn wir legen sehr viel darauf, dass sich die Jugendlichen bei ihrer Berufswahl intensiv mit ihren Möglichkeiten auseinandersetzen und sich bewusst für einen Beruf entscheiden», sagt Roger Ebneter. Es sei schliesslich eine Entscheidung, die während der Ausbildung das Leben während drei oder vier Jahren bestimme.
Wie wichtig das Thema Berufsfindung ist, zeigte sich auch in der Anwesenheit eines Teams des Schweizer Fernsehens. Dieses begleitet im Auftrag der Sendung «10 vor 10» zwei Jugendliche aus der Region auf ihrem Weg in die Arbeitswelt. Eine Station in diesem Findungsprozess war der Besuch des Lehrstellenforums Toggenburg, der nun für die Ausstrahlung, die für September 2026 geplant ist, mit Kameras und Mikrofon eingefangen wurde.
Gewinner auf beiden Seiten
Daniel Blatter, Geschäftsführer der Regionsorganisation Region Toggenburg und damit Mitglied der Trägerschaft des Lehrstellenforums ist sich der Bedeutung des Anlasses für die Jugendlichen und die Unternehmen bewusst. «Dass sich jedes Jahr immer mehr Unternehmen für das Lehrstellenforum anmelden und es Firmen gibt, die seit den Anfängen vor 11 Jahren immer wieder dabei sind, beweist, dass das Bedürfnis nach einer solchen Plattform gross ist.»
Am Ende gebe es aus Blatters Sicht nur Gewinner: «Die Jugendlichen finden eine Lehrstelle, die zu ihnen passt. Und die Unternehmen bekommen motivierte junge Leute, denen sie ihr Wissen weitergeben können.» (pd)
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