«Möchte kein fremdes Geld auf meinem Konto»: Neue Kinderkleiderbörse setzt auf Nachhaltigkeit
Alle Kleider sind sortiert, der Boden ist gefegt – die Kundschaft kann kommen. Dalia Güner eröffnet am Samstag ihre Kinderkleiderbörse «Von Klein zu Klein» mitten in Lichtensteig. So möchte die 38-Jährige dem Konsumkreislauf entgegenwirken: «Mich stimmt es nachdenklich, wenn neuwertige Kleidung weggeworfen wird.» Dabei sieht Güner nicht nur umweltbedingte Hintergründe. Es gebe viele Familien, die mit wenig Geld auskommen müssen. Sie selbst wisse aus eigener Erfahrung, wie das sei. Deswegen setzt sich die dreifache Mutter mit der Börse zum Ziel, qualitative Kleidung zu günstigen Preisen anzubieten.
«Eigentlich hatte ich die Idee schon vor zehn Jahren, als mein Sohn einjährig war, habe den Gedanken dann aber wieder verworfen.» Als ein enger Freund von ihr sie Ende Dezember darauf ansprach, sei die Idee wieder zum Leben erwacht. Von da an sei alles zügig gegangen. In Lichtensteig fand die 38-Jährige nach nur einer Woche Lokal-Suche in der Hauptgasse einen passenden Standort und hielt am 1. April die Schlüssel in der Hand.

Unverkaufte Kleider gehen an Brockenstuben
Mit dem Einrichten hat die gelernte Detailhandelsfachfrau aber erst vor einer Woche begonnen. Hilfe bekam sie von zwei guten Freunden. Noch ist nicht alles parat, gewisse Kleinigkeiten für Deko und Mobiliar seien bis dato nicht eingetroffen. Doch Güner ist auch so startklar: Allerhand Kinderkleider, von gebraucht bis neu, Grösse 50 bis 176 und Marke Aldi bis Ralph Lauren, reihen sich aneinander. Im Angebot stehen auch Schuhe, Spielzeug, Zubehör sowie einige Kleidungsstücke für Schwangere. Dabei variieren die Preise je nach Material und Marke. «Es spricht sich herum, wenn etwas teuer ist», sagt Güner. Auch aus diesem Grund möchte sie die Ware vergleichsweise günstig verkaufen.
Und gleichwohl hat sie Ansprüche an die Spenderinnen und Spender: «Angenommen werden nur Stücke, die ohne Flecken und Löcher sind. Auch verwaschene und zu stark abgenutzte Kleider lehne ich ab», sagt sie. Spenderinnen und Spender gibt es viele. Güner sagt: «Ich konnte zu Beginn nicht einschätzen, wie viele Familien Kleider vorbeibringen würden und rechnete mit deutlich weniger Spenden.» Sie hat im Untergeschoss nun ein Lager eingerichtet. Insgesamt seien es über 2000 Einzelstücke.
Bei «Von Klein zu Klein» erhalten alle Spenderinnen und Spender die Hälfte des Ertrages ihrer gespendeten Kleidung zurück: «Ich möchte kein fremdes Geld auf meinem Konto. Deswegen überweise ich jeweils am 25. des Monats die Beträge.» Einige Spenderinnen und Spender verzichten jedoch darauf. Diese Summen möchte Güner vollumfänglich an wohltätige Organisationen spenden. Auch Waren, die über ein Jahr nicht verkauft werden, plant Güner nicht etwa wegzuwerfen, sondern wird sie an Blaukreuz-Brockis übergeben.

Börse ist jede Woche geöffnet
Eine junge Frau mit drei prall gefüllten Bananenboxen betritt das Geschäft. Sie sagt: «Es ist grossartig, Kleider ganzjährig abgeben zu können. Oftmals gibt es nur Frühlings- oder Herbstbörsen mit bestimmten Abgabeterminen». Die Börse hat wöchentlich jeden Dienstag, Donnerstag und Freitag und jeweils jeden ersten Samstag im Monat für Spender und Kundschaft geöffnet. Die Öffnungszeiten hat Güner per Instagram mit ihren Followern bestimmt: «Ich habe gefragt, wann es am besten passen würde, und anhand der Rückmeldungen die Öffnungszeiten beschlossen.»
Dass es in der Region bereits einige Kleiderbörsen gibt, sieht die Gründerin nicht als Nachteil. Zwar gäbe es im Städtli Lichtensteig schon eine Mini-Boutique des Familienzentrums und in Ebnat-Kappel und Gommiswald weitere Börsen. Doch seien Mütter aus Kaltbrunn und sogar von Zürich gekommen, um Kleider abzugeben. Besonders während der Einrichtungswoche haben sich viele Vorbeigehende positiv über die Kinderkleiderbörse geäussert. Auch die Spenderin an jenem Morgen freut sich über das neue Geschäft in Lichtensteig: «Vorher war hier ein Blumenladen, nun folgt eine Kinderkleiderbörse. Es ist schön zu sehen, dass die Läden nicht aussterben. So bleibt es lebendig im Städtli.»
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