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St.Galler Katholiken schreiben rote Null – weniger Kirchenaustritte als erwartet

Die Kirchenaustritte gehen zurück, die Mitgliederzahlen schrumpfen aber weiter. Auch finanziell bleibt die katholische Kirche im Kanton St. Gallen unter Druck.
Die Mitgleiderzahlen der katholischen Kirche im Kanton St.Gallen sinken weiterhin. (Bild: Roger Fuchs)

Die Zahl der Kirchenaustritte im Kanton St.Gallen ist 2025 deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig bleibt die finanzielle Lage angespannt. Das geht aus einer aktuellen Medienmitteilung des Katholischen Konfessionsteils des Kanton St.Gallen hervor.

Im vergangenen Jahr traten 2980 Menschen im Kanton St.Gallen aus der katholischen Kirche aus. Das sind so wenige wie seit 2018 nicht mehr. Erstmals seit sechs Jahren liegt die Zahl wieder unter der Marke von 3000. Nach dem starken Anstieg im Zusammenhang mit der im September 2023 veröffentlichten Missbrauchsstudie geht die Zahl der Austritte damit wieder zurück.

Auch bei den Kircheneintritten zeigt sich eine leichte Gegenbewegung: 87 Personen haben sich 2025 für einen Eintritt entschieden. Das sind mehr als in den vergangenen zehn Jahren. «Auch wenn die Eintritte auf einem tiefen Niveau bleiben, ist es erfreulich, dass sich Menschen bewusst für eine Zugehörigkeit zur katholischen Kirche entscheiden», wird Verwaltungsdirektor Thomas Franck in der Mitteilung zitiert.

Mitgliederzahlen sinken weiter

Trotz dieser Entwicklung sinkt die Mitgliederzahl weiter. Ende Dezember 2025 gehörten noch rund 194’400 Personen der katholischen Kirche im Kanton St.Gallen an – ein Rückgang von gut zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die sinkende Mitgliederzahl wirkt sich auch auf die Finanzen aus.

Bereits für das aktuelle Budget wurden Sparmassnahmen beschlossen. «Weitere Massnahmen werden in den kommenden Jahren nötig sein, um ein strukturelles Defizit zu vermeiden», so Franck. Konkrete Schritte sollen im Herbst vorgestellt werden.

Rechnung besser als erwartet

Nach dem letztjährigen Millionendefizit fällt die Jahresrechnung 2025 besser aus als erwartet. Statt eines budgetierten Minus von rund einer Million Franken resultierte ein Defizit von 24'000 Franken bei einem Aufwand von knapp 85 Millionen. «Die Rechnung kann als ausgeglichen bezeichnet werden», so Franck.

Das Ergebnis ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen, heisst es in der Mitteilung. So fiel der Schulbetrieb der flade günstiger aus als geplant, unter anderem wegen weniger Klassen. Zudem verzeichnete die Stiftsbibliothek rund 16’000 zusätzliche Besucherinnen und Besucher. Ausserdem wurden nicht alle budgetierten Mittel ausgeschöpft, und der Personal- sowie Sachaufwand lag unter Budget.

Die wichtigste Einnahmequelle, die Zentralsteuer, hat sich nach einem Einbruch im Vorjahr stabilisiert und leicht erhöht. Der Anstieg ist jedoch vor allem auf Nachzahlungen zurückzuführen. Der Beitrag des Kantons an den Finanzausgleich fiel mit 21 Millionen Franken zwar hoch aus, lag aber 2,7 Millionen Franken unter den Erwartungen.

Trotz der verbesserten Rechnung hält der Administrationsrat am Sparkurs fest. Für das Budget 2027 ist ein weiteres Sparprogramm vorgesehen. Ziel ist ein ausgeglichenes Budget ab 2027 sowie ein stabiler Finanzplan bis 2033.

Um die künftige Entwicklung besser abschätzen zu können, hat die katholische Kirche gemeinsam mit der evangelisch-reformierten Kirche eine Studie zur Mitglieder- und Finanzentwicklung in Auftrag gegeben. Ergebnisse werden im Herbst erwartet. (cak)

 
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