Vom Iran-Krieg und der digitalen Brief-Revolution: Kommandant Willy Brülisauer und Nicole Burth von der Post in Wattwil
«Am Samstagmorgen wurde ich um 20 nach 6 von einem Anruf geweckt», erzählt Willy Brülisauer vor gut 300 Anwesenden am diesjährigen Wirtschaftsforum Toggenburg in der Markthalle Wattwil. Der 59-jährige Nesslauer, höchster Ostschweizer Offizier bei der Armee, sei kontaktiert worden, um sich über den soeben ausgebrochenen Iran-Krieg und die Schweizer zu beraten, die sich im Krisengebiet in Israel, Iran oder den Vereinigten Arabischen Emiraten befinden. «Der Anruf hat mich nicht überrascht, aber etwas gereut, weil ich eigentlich Skifahren gehen wollte», fügt Brülisauer an und lacht.
Brülisauer ist seit Juli 2018 Kommandant der Territorialdivision 4, welche die Kantone Zürich, Glarus, Schaffhausen, Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden, St.Gallen und Thurgau umfasst. «Eigentlich wollte ich Skifahrer werden», sagt Brülisauer und zeigt das Foto eines jungen Mannes in Wintersportmontur, aufgenommen 1988 in der Lenzerheide.
Ein Jahr später landete er aber bei der Armee und trat 1990 als Berufssoldat in das Instruktionskorps der Panzertruppen ein. «Damals hatte die Schweizer Armee noch 825'000 Angehörige und 1280 Artillerien», berichtet Brülisauer. Heute ist die Armee auf 140'000 Angehörige und 96 Artillerien geschrumpft.
Nebst dem Nahostkrieg berichtet Brülisauer vom Ukrainekrieg, der ihn im beruflichen Alltag ebenfalls begleitete. Es sei bereits der 1470. Tag seit dem Ausbruch des Kriegs, im Schnitt gebe es täglich über 1250 Tote an der russischen Front. Er sagt: «Da können Sie selbst hochrechnen, wie viele Tote es bisher gab und wie viele Kinder zu Waisen geworden sind.»

Auch Todesfälle gehören zu seinem Alltag
Dann erzählt Brülisauer eine emotionale Anekdote, als vor einigen Jahren ein Soldat nach dem Wochenende nicht in den Dienst zurückgekehrt war. Sofort seien die Polizei eingeschaltet und Helikopter losgeschickt worden. Schliesslich sei der Soldat am Walensee gefunden worden. Brülisauer und dem Kompaniekommandanten sei die Aufgabe zuteil geworden, den Eltern, einer Bergbauernfamilie aus Amden, die Nachricht zu überbringen.
Brülisauer erinnert sich, dass er sich gefragt habe, weshalb die Eltern so zurückhaltend seien, als es um die Beerdigung ihres Sohnes gegangen sei. «Dann fragte mich die Mutter, ob ich einen Kaffee wolle und holte Milch aus dem Kühlschrank», sagt Brülisauer. Der Kühlschrank sei kaum gefüllt gewesen – einen Liter Milch, zwei Eier, etwas Käse. «Da wusste ich, diese Familie hat Geldsorgen. Ich habe sofort angeboten, dass sie alle Rechnungen für die Beerdigung an mich schicken sollen.» Dank des ersten Schritts des Führungsbehelfs der Schweizer Armee, der Problemerfassung, habe er innert Sekunden gewusst, was los sei.
Zwischen den Referaten am Wirtschaftsforum, dieses Jahr unter dem Motto «Mut. Machen. Möglichkeiten», holt Moderatorin Sabine Bianchi auch drei Toggenburger aus dem Publikum auf die Bühne, die sich zum Thema Mut äussern sollen. Darunter Patrick Alpiger, der das Hotel Hirschen in Wildhaus betreibt. Er sagt: «Mutig ist für mich jeder Unternehmer, der etwas riskiert und den Weg in die Selbstständigkeit gewagt hat. Ihr seid Vorbilder.»
«Es haben alle eine Meinung zur Post»

Als zweiter Gast referiert Nicole Burth, die seit 2021 Mitglied der Konzernleitung der Schweizerischen Post ist und den Bereich Digital Services leitet. Die gebürtige Lichtensteigerin erzählt, dass sie sich bei ihrem Berufswechsel daran habe gewöhnen müssen, dass beim gelben Riesen alles, was man mache, von der Presse und in der Bevölkerung kommentiert werde. Fast jeder kenne jemanden, der bei der Post arbeite. Von fast 550'000 Einwohnerinnen und Einwohnern im Kanton St.Gallen gebe es immerhin 2150 Beschäftigte bei der Post. «Es haben alle eine Meinung, weil die Post ja auch ein bisschen allen gehört», sagt Burth.
Sie spielt damit wohl auch auf die fast 30 Firmen an, welche die Post in den letzten Jahren für insgesamt 324 Millionen Franken akquiriert hat. Käufe, die teils für Kritik sorgten. Burth sagt: «Es braucht Mut, Entscheidungen zu treffen, die nicht immer populär sind.»
Eine der Herausforderungen der Post sei, das einbrechende Geschäft mit Briefen aufzufangen und Lösungen zu finden. «Während die Paketlieferanten kaum mehr nachkamen, wussten jene aus dem Bereich Briefe, dass ihr Team am Ende des Jahres wieder kleiner werde, und das nicht nur wegen Pensionierungen», sagt Burth. Der Entscheid, die Bereiche Brief und Paket organisatorisch zusammenzulegen, habe sich bewährt.
Und auch Innovationen wie SecureMail, eine sichere, endverschlüsselte E-Mail, oder der digitale Brief, der die Papierbriefe nach und nach ablösen soll, würden die digitale Revolution bei der Post vorantreiben. Burth sagt: «Wir tun alles, dass auch in weiteren 177 Jahren noch jedes Kind weiss: Wenn das Horn ertönt, ist das die Post.»
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