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«In Wattwil renaturiert man und zerstört anderswo die Natur»: Windparkgegner bündeln Kräfte

Mit dem Verein «Pro Lebensraum Eggli-Laad» erhält die Opposition gegen die geplanten Windkraftanlagen in der Laad und im Eggli eine organisierte Stimme. Präsident Hansueli Hofer sieht Landschaft, Natur und Wasserversorgung in Gefahr – aber nicht nur.
125 Meter ragt der Windmessmast in der Laad in den Himmel, das geplante Windrad würde eine Höhe von 215 Metern erreichen. (Bild: Andrea Häusler)
Hansueli Hofer, Präsident des Vereins «Pro Lebensraum Eggli-Laad». (Bild: zvg)
Der Verein sieht den Charakter des Naherholungs- und Wandergebiets gefährdet. (Bild: Andrea Häusler)

Kurve um Kurve führt die schmale Strasse von Wattwil hinauf in die Laad. Mit den Höhenmetern weitet sich der Blick: verstreute Bauernhöfe,  Wiesen, Waldstücke und dahinter die Silhouette des Alpsteins. Die Ruhe ist allgegenwärtig. Eben diese exponierte Lage hat die Laad in den Fokus der Energiepolitik gerückt. Sechs Windkraftwerke sind hier und im benachbarten Gebiet Eggli geplant. Ob sie je gebaut werden, hängt von den Daten der Windmessungen ab, die derzeit erhoben werden.

Die Energiewende vor Ort macht Zielkonflikte sichtbar. Im nahen Krinau formierte sich die Opposition bereits vor sechs Jahren. Dort wehrt sich der Verein «Älpli Gegenwind» gegen sechs mögliche Windkraftanlagen oberhalb von Krinau und Libingen. Nun erhält die Gegnerschaft auch in der Laad und im Eggli eine organisierte Stimme – mit dem neu gegründeten Verein «Pro Lebensraum Eggli-Laad».

Vom Naherholungsgebiet zur Industriezone

Präsident des Vereins ist Hansueli Hofer. Der Wattwiler ist ebenso Präsident der SVP Wattwil, Vizepräsident der SVP Toggenburg sowie Mitglied der kommunalen Geschäftsprüfungs- und der Energiekommission. Die Gründung sei seit Längerem geplant gewesen, sagt er. Mit dem Start der 18-monatigen Windmesskampagne der Thurwerke AG und Groupe E Greenwatt SA im vergangenen Winter bestehe kein Zusammenhang.

Hansueli Hofer, Präsident des Vereins «Pro Lebensraum Eggli-Laad». (Bild: zvg)

Hofer ist überzeugt, dass viele Wattwilerinnen und Wattwiler die Folgen der geplanten Windkraftanlagen unterschätzen. «Mit einer Gesamthöhe von 215 Metern wären sie bis in die umliegenden Kantone sichtbar», sagt er. Fünf Meter breite Zufahrtsstrassen würden querbeet durch die Landschaft zu jedem Windradstandort führen: «Das Gebiet Laad-Eggli würde vom Naherholungsgebiet zur nervösen Industriezone.»

Für Hofer geht es jedoch um mehr als das Landschaftsbild. Er verweist auf die nächtlichen Warnlichter für den Flugverkehr und die damit verbundene Lichtverschmutzung, die insbesondere Vögel, Fledermäuse und Insekten beeinträchtigen könne.

Schwerer noch wiegt für ihn die Wasserversorgung. Er befürchtet Auswirkungen durch Abriebrückstände der Rotorblätter und durch die Eingriffe in den Untergrund beim Bau der jeweils rund 2500 Tonnen schweren Fundamente. «Ein bedeutender Teil des Wattwiler Trinkwassers wird aus dem Gebiet Eggli-Laad gespeist. Und auch die Reservoire der Anwohnenden befinden sich in unmittelbarer Nähe der geplanten Standorte.»

Naturschutz, Gesundheit und Haftungsfragen

Für Hofer geht die Diskussion weit über die Frage hinaus, ob Windräder ins Landschaftsbild passen oder nicht. Er vermisst Mindestabstände zu Wohngebieten und warnt vor möglichen Auswirkungen von Infraschall auf die Gesundheit der Anwohnenden. Gleichzeitig stört ihn, dass ausgerechnet in unmittelbarer Nähe des BLN-Gebiets Hörnligrat gebaut werden soll. «In Wattwil renaturiert man einerseits und zerstört anderswo die Natur», sagt er.

Kritische Fragen stellt er auch zur Rolle der Thurwerke AG. Weil das Unternehmen vollständig der Gemeinde Wattwil gehört, hätten die Steuerzahlenden ein Interesse daran, zu erfahren, welche finanziellen Folgen das Projekt haben könnte.

«Die Schweiz ist kein Windland»

Für Hofer steht nicht nur der Standort zur Debatte, sondern die Windenergie selbst. Die Euphorie der Anfangsjahre beginne zu bröckeln, sagt er. Zunehmend rückten die vergleichsweise geringe und unregelmässige Stromproduktion, der daraus resultierende Bedarf an immer grösseren und teureren Anlagen sowie offene Fragen zu Haftung, Rückbau, Recycling und Finanzierung in den Vordergrund.

Der Verein sieht den Charakter des Naherholungs- und Wandergebiets gefährdet. (Bild: Andrea Häusler)

Der Verein engagiert sich deshalb nicht nur gegen die Projekte im Eggli und in der Laad, sondern will sich schweizweit mit Organisationen vernetzen. Grundsätzlich schliesst Hofer auch eine Zusammenarbeit mit dem Krinauer Verein Älpli Gegenwind nicht aus. Die Ausgangslagen in den Gebieten Älpli-Sedelberg und Eggli-Laad seien jedoch unterschiedlich. «Wir prüfen, in welchen Bereichen eine Kooperation sinnvoll ist.»

Was an die Stelle der Windkraft treten soll

Den Vorwurf, Gegner der Windenergie böten keine Alternativen, lässt Hofer nicht gelten. Der Verein sei nicht gegen neue Energieformen, wohl aber gegen Technologien, die aus seiner Sicht in keinem vernünftigen Verhältnis zu Kosten und Eingriffen in Natur und Landschaft stünden. Als Alternative verweist er auf moderne Kernkraftwerke. Diese könnten auf kleiner Fläche grosse Strommengen produzieren und hätten sich technologisch stark weiterentwickelt. Die Windenergie hingegen leiste in der Schweiz trotz immer grösserer Anlagen nur einen bescheidenen Beitrag zur Stromversorgung.

In den nächsten Monaten will der Verein nun Überzeugungsarbeit leisten mit dem Ziel, weitere Unterstützer zu gewinnen. Die Zahl der Vereinsmitglieder legt Hofer nicht offen, sagt aber: «Sie ist steigend.»

 
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