«Ich lasse mich nicht in eine Schublade drängen»: Warum Alex Singenberger Schulratspräsident werden will
Seit Freitag ist klar: Ramona Huser (SVP) bekommt bei der Wahl des Schulratspräsidiums von Wildhaus-Alt St. Johann Konkurrenz. Nur wenige Stunden vor Meldeschluss hatte Alex Singenberger (parteilos) seine Kandidatur eingereicht – ein Zeitpunkt, der medial sogleich in den Fokus geriet. Für Singenberger irritierend. Dennoch erklärt er sich, sagt: «Das hatte nichts mit Taktik zu tun. Und spontan war der Entscheid zur Kandidatur schon gar nicht.» Das Amt sei für ihn seit Bekanntgabe des Rücktritts von Roger Widmer ein Thema gewesen.
Reduktion des Arbeitspensums um 20 Prozent
Vorab habe er allerdings einiges klären müssen - mit der Familie, in Gesprächen mit Schulratsmitgliedern und dem amtierenden Präsidenten, aber auch mit seinem Arbeitgeber. Dies alles während der intensiven Wintersaison bei den Toggenburg Bergbahnen AG, wo er seit 2018 den Bereich Marketing und Verkauf verantwortet und seit 2020 Mitglied der Geschäftsleitung ist.
Jetzt ist alles in trockenen Tüchern - auch die Reduktion seines Arbeitspensums um 20 Prozent nach einer allfälligen Wahl. «Das Amt des Schulratspräsidenten umfasst rund 15 Prozent», sagt Singenberger. Hinzu komme ein weiteres Sieben-Prozent-Pensum als Mitglied des Gemeinderats, in den der Schulratspräsident von Amts wegen Einsitz nimmt.
Vom FIS-Rennfahrer zum Schneesport-Experten
Alex Singenberger ist kein Ur-Toggenburger, obwohl seine Mutter hier aufgewachsen ist. Vor gut zehn Jahren ist er nach Unterwasser gezogen und sagt: «Hier im Tal fühle ich mich zu Hause.»
Aufgewachsen ist er im nidwaldischen Emmetten, einem knapp 2000-Seelen-Dorf auf einer voralpinen Terrasse über dem Vierwaldstättersee. Hier ist er auch zur Schule gegangen - eine Zeit, die er mit positiven Erinnerungen verbindet. Es sei ein Umfeld gewesen, das ihn geprägt und auf die Zukunft vorbereitet habe, sagt er. Eine Zukunft, die beruflich zunächst in eine Detailhandelslehre im Sportfachbereich führte – und sportlich auf die FIS-Tour, wo er anfangs der 2000er Jahre Riesenslalom- und Slalomrennen bestritt.
Mit den Jahren verlagerte sich sein Schwerpunkt vom Wettkampf zur Ausbildung und Organisation. Singenberger ist diplomierter Schneesportlehrer und Skilehrer-Experte und gehörte von 2009 bis 2019 dem Swiss Snow Demo Team an. Seit 2015 ist er Geschäftsführer bei der Chäserrugg Sports AG, einer Tochter der Toggenburg Bergbahnen AG, die in Unterwasser eine Skischule und ein Sportgeschäft betreibt.
Daneben engagiert er sich als Präsident der Chäserrugg Race Academy für eine professionelle Skisportförderung im Toggenburg, und im Vorstand von Swiss Snow Sports, dem Dachverband der Schweizer Skischulen.
Schulwegproblematik und Klassengrössen
Singenbergers eigene Kinder besuchen die Primarschule ebenfalls in einem voralpinen Bergdorf – in Alt St. Johann. Mit drei Kindergärten und zwei Schulhäusern sei die Schule gut aufgestellt, verfüge über engagierte Lehrpersonen, biete Betreuungsmöglichkeiten vor und nach dem Unterricht sowie über Mittag und zeichne sich durch einen starken Zusammenhalt aus.
Dieses funktionierende System möchte Singenberger als Schulratspräsident weiterführen und nachhaltig verankern. Jedoch sieht er auch Herausforderungen auf die Schulen zukommen. Die Schulwegproblematik in der von Streusiedlungen geprägten Gemeinde sei eine davon. Ein weiteres Thema seien die Schülerzahlen. Singenberger sagt: «Im Gegensatz zu Nesslau ist in Wildhaus-Alt St.Johann nur wenig neuer Wohnraum entstanden.»
Sachkenntnis statt Parteibuch
Alex Singenberger kandidiert ohne politische Erfahrung und gehört auch keiner Partei an. Als Nachteil sieht er das nicht. Seine Erfahrung im (Sport-)Ausbildungsbereich – gepaart mit dem Umgang mit Eltern – sowie seine strategische und organisatorische Kompetenz in seinen Funktionen bei der Toggenburg Bergbahnen AG gewichtet er stärker als bisherige Ämter und Parteibücher. «Auf Gemeindestufe zählen primär die Sachthemen», sagt der Toggenburger mit innerschweizer Wurzeln, der seine Sommer lieber auf Skiern in Argentinien als in der Badi verbringt und über sich sagt: «Ich lasse mich nicht gern in eine Schublade drängen.»
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