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Sind Zölle die Hölle? Nicht für die Landwirtschaft

Zölle schützen die inländische Produktion, findet Toni Brunner. In seiner Kolumne befasst er sich mit den neuen US-Zöllen und dem Unmut, den der US-Präsident damit ausgelöst hat.
«Tagblatt»-Kolumnist Toni Brunner. (Bild: Michel Canonica)

US-Präsident Trump, Präsident der grössten Volkswirtschaft der Welt, erhebt neue Zölle auf alle importierten Waren. Betroffen sind fast alle Länder. Die einen stärker, die anderen weniger. Die Welt ist verständlicherweise in Aufruhr, die Börsen stürzen, die Ratlosigkeit und das Unverständnis sind gross. So auch in der Schweiz, denn wir werden überdurchschnittlich benachteiligt.

«Tagblatt»-Kolumnist Toni Brunner. (Bild: Michel Canonica)

Man ist rund um den Erdball in heller Aufregung, irritiert und ziemlich ratlos. Zwar gab es immer schon Zölle, aber in aller Regel waren es gewachsene Entwicklungen mit logischen Begründungen. Das eine Land schützt seine Autos, die es selbst produziert, das andere Land schützt seine Fische, weil es genug Fische hat. Eigentlich war die Entwicklung in den letzten Jahren eher eine entgegengesetzte. Zunehmend initiiert wurde der freie Handel und damit die grenzenlose Verschiebung aller Waren. Freihandelsabkommen wurden geschlossen. Dem Freihandel stehen als Gegenkonzept die Zölle gegenüber.

Zölle sind Steuern. Man liefert Güter in ein anderes Land und dieses schlägt an der Grenze einen bestimmten Betrag auf das Produkt, damit es dort verkauft werden darf. Der Zoll ist ein Instrument der Aussenhandelspolitik und dient letztlich der Innenpolitik. Zölle sind Einnahmen für die Staaten oder Herrschenden.

Die erste Form von Zöllen war der sogenannte Wegzoll. Er wurde früher erhoben, wenn mit Ross und Wagen eine Grenze oder ein Pass überschritten wurde. Dafür brauchte es Zöllner, Geldeintreiber für die Regierenden. Der Sinn von Zöllen ist einfach erklärt: Man schützt das heimische Schaffen und bestraft fremde Ware. Das gibt Einnahmen für den Zollerhebenden und damit Freiraum, das Geld im Innern anders zu verteilen.

Durch eine aktive Handelspolitik will man inländische Produzenten schützen und ausländische Produzenten benachteiligen. Willst du bei uns Ware verkaufen, so produziere vor Ort. Gar nicht so falsch. Ein Sonderfall ist die Landwirtschaft. Im Gegensatz zu fast allen anderen Branchen ist sie standortgebunden. Wollen wir vor Ort produzierte Nahrungsmittel oder ist es uns egal, woher und unter welchen Umständen Lebensmittel produziert werden? Wollen wir uns bei der Ernährung der Bevölkerung abhängig von Dritten machen?

Zölle werden heute überwiegend kritisch gesehen, da sie den internationalen Warenhandel behindern. Genau das will Trump. Seine Milchbüechlirechnung ist verblüffend. Er hat für jedes Land das Defizit im Warenhandel mit dem jeweiligen Handelspartner den US-Importen gegenübergestellt. Erzielt die USA im Warenhandel mit der Schweiz ein Defizit von 38,5 Milliarden Franken, heisst dies: Die Schweiz exportiert mehr Güter in die USA, als sie importiert. Der Güterexport der Schweiz in die USA beläuft sich auf 63,4 Milliarden Franken. Dividiert man das Defizit von 38,5 durch 63,4 Milliarden, entspricht das 60,7 Prozent – gerundet 61 Prozent. Von dieser Zahl hat die US-Regierung dann den neuen Zoll für Schweizer Exportgüter abgeleitet: Die Hälfte ergibt 31 Prozent, neu etwas willkürlich 32 Prozent Zoll.

Sind die Zölle von Trump schlecht? Nicht per se, aber sie werden dann ein Problem, wenn nicht alle anderen Länder auch Zölle erheben und so selbst beginnen, so viel wie möglich vor Ort zu produzieren. Die Linken müssten Freudensprünge machen. Fluchen tun aber die Rechten.

Toni Brunner, der ehemalige Präsident der SVP Schweiz, ist Gastwirt und Bergbauer im Toggenburg. Er schreibt diese Kolumne immer montags im Turnus mit Carla Maurer, Walter Hugentobler und Ulrike Landfester.

 

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