Dem grossen Unbekannten den Schrecken nehmen: Festival zum Tod in St.Gallen
«Nur zwei Dinge auf Erden sind uns ganz sicher: der Tod und die Steuer.» So hielt es Benjamin Franklin vor mehr als 200 Jahren fest. Beides bereitet so manchem Kopfschmerzen oder schwitzige Hände. Man spricht nicht darüber. Eines der beiden Tabus will ein Festival nun herausfordern. Am 31. Oktober findet in St.Gallen das Festival «Last Call – der Tod lädt ein» statt. Dies schreibt die Ostschweizer Fachhochschule OST in einer Medienmitteilung.
Hinter dem Festival steht die Fach- und Koordinationsstelle Palliative Care der Stadt St.Gallen. Michelle Mauchle, Geschäftsführerin und diplomierte Pflegefachfrau, ist die Initiantin hinter dem ungewöhnlichen Festival. Sie hält fest, dass der Tod und das Sterben unausweichlich seien, trotzdem falle es den meisten schwer, darüber zu sprechen. Doch genau das würde Hinterbliebenen und unheilbar kranken Menschen helfen. «Zwar wird der Tod immer etwas Dramatisches und Schweres haben, doch das grosse Unbekannte verliert ein Stück weit seinen Schrecken, wenn man darüber spricht.»

Im Rahmen einer Weiterbildung an der OST hat sie sich mit der Planung eines öffentlichen Festivals zum Thema Tod befasst. Die Veranstaltung soll den Dialog über Sterben und Tod fördern, die breite Bevölkerung sensibilisieren und mit Informationen Ängste nehmen.
Dem Tod mit Humor und Leichtigkeit begegnen
Wie der Titel vermuten lässt, setzt das Festival auch auf Humor, Leichtigkeit und Kreativität. Das Programm beinhaltet sowohl fachliche Informationen als auch Klang- und Bildinstallationen, Theatervorführungen und Lesungen. Im Stadthaus bietet das Palliativzentrum des Kantonsspitals St.Gallen einen vertieften Einblick in das Thema Tod aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht. Lieder über den Tod gibt es in der Denkbar und beim «Klanghalt» in der Kirche St.Mangen zu hören.
Eingeladen sind nicht nur Erwachsene oder Seniorinnen und Senioren, sondern auch Kinder und ihre Eltern. Das Kinok zeigt den Familienfilm «Im Himmel ist auch Platz für Mäuse», der die Geschichte von Maus Dalli und Fuchs Weissbauch zeigt, die sich nach einem tödlichen Unfall im Tierhimmel wiedertreffen.
Mauchle war es wichtig, einen einladenden Ort zu schaffen. «Die Auseinandersetzung mit dem Sterben löst verständlicherweise bei vielen Menschen eine natürliche Zurückhaltung oder sogar Abwehr aus», sagt sie. Man müsse deshalb berücksichtigen, dass es eine höhere Hemmschwelle gebe, ein solches Festival zu besuchen. «Wenn es um den Tod geht, rennt einem niemand die Tür ein.» (jen)
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