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Macrons Versailles-Trick: Darum hat er Trump ins Königsschloss gelockt

Zum Abschluss des G7-Gipfels ist Donald Trump auf Schloss Versailles empfangen worden. «Ganz nüchtern», versprach Gastgeber Macron ganz ernsthaft.
Die Macrons (links im Bild) empfangen Trump am Mittwochabend im Vorhof von Schloss Versailles. (Bild: Michel Euler)
Frankreichs Präsident Emmanunel Macron vor dem weltberühmten Schloss Versailles. (Bild: Keystone)

John F. Kennedy wurde schon in Versailles bewirtet, der Schah von Persien oder der Kaiser von Japan. Weniger hervorgehoben wird in Paris, dass auch schon Wladimir Putin oder Muammar al Gaddafi – er mit Pelzmütze – durch den Spiegelsaal geführt wurden.

Die Residenz der französischen Monarchen, darunter Sonnenkönig Ludwig XIV. ist heute eine der meistbesuchten Attraktionen Frankreichs. Und alle paar Jahre wird sie als Dépendance des Elysée-Palastes verwendet – wenn der französische Präsident seinen Gast speziell zu beeindrucken sucht.

Warum lädt man ausgerechnet Trump ein? Macron pikiert

Bei Donald Trump wusste Emmanuel Macron um dessen Neigung zum Prunk, Pomp und Glamour, als er ihn im Anschluss an den G7-Gipfel in Evian für Mittwochabend zu einem Abendessen in das Königsschloss westlich von Paris einlud.

Der Anlass ist der 250. Geburtstag der amerikanischen Unabhängigkeit; Frankreich hatte sie – damals aus Rivalität zu den britischen Kolonialherren – finanziell und militärisch unterstützt. Nebenbei gesagt, war auch Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der USA, von Ludwig XVI. im Jahr 1778 zu einem Galadîner nach Versailles eingeladen worden.

Warum ausgerechnet Trump?, fragt die französische Opposition entrüstet. Unterwirft sich Macron einmal mehr dem US-Präsidenten? Spielt er den Höfling des neuen Sonnenkönigs?, wollen Pariser Linke voller Sarkasmus wissen.

Macron reagierte pikiert. In einem kurzfristig anberaumten TV-Interview stellte er klar, er habe Trump keineswegs aus Gefälligkeit eingeladen. Sondern, «damit er bis zum Schluss bleibt». Macron erinnerte daran, dass Trump den letztjährigen G7-Gipfel in Kanada frühzeitig verlassen hatte. Einen solchen Affront hätte der Präsident im Elysée nicht ertragen.

Frankreichs Präsident Emmanunel Macron vor dem weltberühmten Schloss Versailles. (Bild: Keystone)

Geschickt lud er den Amerikaner deshalb auf den letzten Gipfeltag ein – im Wissen, dass Trump zwar Veranstaltungen wie den G7 verabscheut, aber um nichts auf das Rendez-vous im weltberühmten Schloss verzichtet hätte. «Versailles, das sind keine blossen Goldblätter, das ist massives Gold», freute sich der Mann aus dem Weissen – bald Goldenen? - Haus.

Was ist schon nüchtern?

Angesichts der verbreiteten Kritik an der Einladung dämpfte Macron die Erwartungen. Es handle sich nicht um ein Galadîner, sondern um ein «nüchternes» Arbeitsessen, präzisierte er – als wisse man in Versailles überhaupt, was Nüchternheit ist.

Auch das geplante Feuerwerk, das an die Usanzen der Bourbonenkönige erinnert hätte, wurde abgesagt. Wegen der Hitze und Trockenheit drohe Brandgefahr für den herrlichen Schlosspark, verlautete aus dem Elysée. Sehr überzeugend klang das nicht.

Die kleine Programmänderung zeugt vielleicht auch von Macrons mässiger Laune gegenüber seinem Amtskollegen von Übersee. Trump hatte den Franzosen vor wenigen Tagen mit einem 100-prozentigen Strafzoll auf Champagner und Wein gedroht, weil sich Macron erdreistet hatte, die US-Tech-Konzerne mit einer Digitalsteuer zu belegen. Die beiden Präsidenten kennen sich seit bald zehn Jahren, wurden doch beide 2017 ein erstes Mal gewählt. Und als guter Franzose geht Macron vor den Amerikanern weniger gern in die Knie als andere. Seine kühle Bemerkung, dass er Trump nur deshalb in Versailles empfängt, weil dieser bis am Schluss in Evian geblieben ist, war Klartext und nicht sehr diplomatisch.

Macron leistet sich gegenüber Trump wohl auch deshalb kleinere Nadelstiche, weil er in Evian aus nächster Nähe erlebt hat, wie müde der 80-jährige US-Präsident ist, wie oft seine Berater einspringen müssen, wenn ihn seine zunehmenden Gedächtnislücken plagen – und wie sehr ihn das schleppende Iran-Abkommen hernimmt.

Natürlich ist Trump globalpolitisch noch die Number One. Aber Macron machte auch klar, dass seine Einladung nach Versailles nicht von Herzen kommt, sondern eigentlich eine Belohnung für gute amerikanische Manieren am Evian-Gipfel ist. Eine andere Frage ist, ob dem Liebhaber von Käfigkämpfen und Prahlhans-Gehabe solche diplomatischen Subtilitäten überhaupt auffallen.

Als Trump gegen 22 Uhr aus Evian kommend endlich im Versailler Schlosshof eintraf, grüssten sich Trump und das Ehepaar Macron betont herzlich. Im Bewusstsein, dass es nicht der schlechteste G7-Gipfel gewesen war.

 
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