Kunst mit Grün-Weiss-Schwäche: Der Ostschweiz mangelt es an Kreativität
Wer in der Ostschweiz etwas herumkommt, wird vermutlich nicht nur einmal auf einen Aufkleber oder ein Graffito mit dem Logo des FC St.Gallen stossen. Jüngst beschwerten sich Landwirte und Unternehmerinnen über die ständigen Sprayereien an ihren Hausfassaden, die von Anhängern des FC St.Gallen stammen.
Mindestens ebenso bedauerlich wie die damit verbundenen Kosten ist allerdings die kreative Einöde der Motivauswahl. Überall dasselbe Kürzel, wenn es hochkommt, ergänzt durch ein «ACAB» oder das Gründungsjahr des Vereins. Sogar FCSG-Präsident Matthias Hüppi zeigte sich in einem Interview mit dieser Zeitung unzufrieden mit der Bandbreite der Sujets: «Ich liebe unser Kürzel FCSG sehr. Aber ich hasse es, es im privaten oder öffentlichen Raum immer und überall, egal wie kunstvoll oder nicht, angebracht zu sehen.»
Grundsätzlich ist Wiederholung in der Kunst nichts Ungewöhnliches, Andy Warhol hat damit ein Vermögen gemacht. Vielleicht würde der Region etwas mehr gestalterische Vielfalt dennoch guttun. Der FC St.Gallen bietet seinen Fans im Stadion bereits Flächen zur kreativen Entfaltung – ergänzend bräuchte es Kunstunterricht für die ambitionierten Hobbysprayer, um den eigenen Horizont etwas zu erweitern.
Schliesslich gäbe es wahrlich noch genug andere Motive mit FCSG-Bezug: Etwa ein illegaler Pyrokörper, gemalt mit schönen Neon-Sprühfarben, oder ein demolierter Extrazug in kubistischem Stil. Wer selbstironisch genug ist, könnte sich sogar an einem Cuppokal für den zweiten Platz versuchen.
Und falls die offiziellen Flächen nicht reichen, um sich künstlerisch auszuleben, könnte man die fünf-Meter-grossen Leuchtbuchstaben des ehemaligen Kybunparks als zusätzliche Leinwände nehmen – man weiss ja ohnehin nicht, was man damit anfangen soll.
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