Gänsegeiern und Drohnen zum Trotz: Bartgeier brüten erfolgreich im St.Galler Calfeisental
Noel-Leya ist zum zweiten Mal Vater geworden. Dies vermeldet der Kanton St.Gallen in einer Medienmitteilung. Denn Noel-Leya ist nicht irgendwer, sondern der erste Bartgeier, der seit über hundert Jahren im Kanton St.Gallen Nachwuchs zeugt. Nach der ersten erfolgreichen Brut im vergangenen Jahr ist im Calfeisental in der Sardona-Region nun zum zweiten Mal ein Jungtier geboren. Der Jungvogel sei inzwischen flügge geworden und habe den Horst verlassen, schreibt der Kanton.
Zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurde der Bartgeier in den Alpen aktiv ausgerottet, weil die Bevölkerung in ihm einen Nutztierjäger sah. Tatsächlich ernährt sich der Bartgeier als Aasfresser fast ausschliesslich von den Knochen abgestürzter oder sonst verendeter Tiere. Die neuerliche Brut ist ein Erfolg der jahrzehntelangen Bemühungen zur Wiederansiedlung, die 1986 begannen und seither im ganzen Alpenraum laufen. Heute gibt es schätzungsweise wieder 350 Bartgeier in den Alpen.
Im Kanton St.Gallen wurden unter der Leitung der Stiftung Pro Bartgeier von 2010 bis 2014 zwölf junge Bartgeier freigelassen, die in Gefangenschaft geboren wurden. Zu ihnen gehörte Noel-Leya, der im letzten Jahr zum ersten Mal mit seiner Partnerin im Calfeisental brütete. Der Kanton schreibt, es sei davon auszugehen, dass dasselbe Brutpaar wieder erfolgreich gebrütet habe.
Noel-Leya hat schon einiges erlebt: Nach seiner Auswilderung 2014 verliess er den Kanton und lebte in den französischen Alpen, kehrte aber 2017 zurück. Die folgenden Jahre flog er mit einem Bartgeier namens Sardona durch das Calfeisental. Das Paar blieb bis zum Tod von Sardona 2023 kinderlos – Sardona war ebenfalls ein Männchen. Seine derzeitige Partnerin ist dem Vogelschutz unbekannt.
Bartgeier verscheuchen Gänsegeier
Offenbar nehmen Noel-Leya und seine Partnerin ihre Elternpflichten wahr: Während der Brutzeit haben die Bartgeier mehrfach Gänsegeier vertrieben. Das zeige, dass das Paar seinen Brutplatz konsequent verteidige, schreibt der Kanton. Die Begegnungen seien nicht mehr aussergewöhnlich. Gänsegeier brüten zwar nicht in der Schweiz, wandern aber im Sommer auf Nahrungssuche in die Schweizer Alpen.
Andere Störungen können die Bartgeier hingegen an einer erfolgreichen Brut hindern. Insbesondere Helikopter- und Drohnenflüge, aber auch die Annäherung durch Wildtierfotografinnen und Wildtierfotografen können dazu führen, dass die Altvögel den Horst vorübergehend oder dauerhaft verlassen. Deswegen werden die Brutplätze der Tiere nicht bekannt gegeben. Der Kanton bittet die Bevölkerung, Wildruhezonen und geltende Flugbeschränkungen zu beachten und Bartgeier nur aus grosser Distanz zu beobachten. (jot)
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