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Ein Privileg, Journalist zu sein

Speerspitz/Seitenblick: Der Autor sinniert über die vielen Vorzüge des Journalismus und das Privileg, dank seines Berufs regelmässig an schönen Orten zu sein und mit spannenden Menschen und Themen in Berührung zu kommen.
Impression von der Alp Tanzboden, auf der ich kürzlich ein Interview führen durfte. (Bild: Lorena La Spada)

Kürzlich wurde mir wieder einmal bewusst, welches Privileg ich doch habe, den Beruf des Journalisten auszuüben. Ich durfte während meines Arbeitstages zwei meiner liebsten Dinge kombinieren: Ich lernte spannende Menschen kennen und durfte eine schöne Wanderung unternehmen. Und das auf Arbeitszeit!

Immer, wenn ich im Toggenburg unterwegs bin, egal ob zu Fuss oder mit dem Auto. Wenn sich vor mir die Gipfel der Churfirsten oder der Wildhauser Schofberg aufbauen. Wenn ich an schier endlosen Tannenwäldern, an die hügelige Landschaft geschmiegt, vorbeifahre. Dann wird mir bewusst, welch ein Glück ich habe.

Denn ich trete regelmässig mit spannenden Menschen in Kontakt, teils mit Koryphäen auf ihrem Gebiet, die mir von ihrer Arbeit erzählen oder mich über ein komplexes Thema aufklären. Ich darf regelmässig in der Natur unterwegs sein. Ich erhalte Einblick in spannende Unternehmen und erhalte Zugang zu Orten, die der Öffentlichkeit normalerweise verwehrt bleiben. Fast jeden Tag darf ich mich in ein neues, spannendes Thema stürzen.

Und was mir genau so viel Freude bereitet: Ich darf anschliessend über all diese spannenden Dinge und Erlebnisse schreiben.

Wer sich seines Privilegs, mit einen der schönsten Berufe ausüben zu dürfen, wieder einmal bewusst wird, der tankt neue Kraft und Ausdauer.

Die es braucht, wenn die Tage wieder kürzer werden und es vorkommen kann, dass man an stressigeren Tagen kaum Tageslicht zu Gesicht bekommt. Die es braucht, wenn einen das Gegenüber wieder einmal mitleidig anlächelt, weil die Branche ja doch nicht mehr das sei, was sie einmal gewesen sei und akut vom Aussterben bedroht sei. Die es braucht, wenn man sich anhören muss, dass die Zeitung früher dicker und besser war und man gefragt wird, wieso wir nicht mehr jede «Hundsverlochete» besuchen.

Auch wenn der Journalismus offenbar nicht mehr das ist, was er einmal war. Auch wenn einige fürchten, bald von KI-Robotern abgelöst zu werden. Auch wenn der Journalismus eigentlich schon längst totgesagt wurde. Ich bin stolz, mich Journalist nennen zu dürfen.

 
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