Fünf Frauen bringen die Kugel ins Rollen: In Ebnat-Kappel soll ein Bouleplatz entstehen
Sie richten sich auf ein Ziel aus und werfen um die Wette: Boule verbindet. Studien weisen darauf hin, wie Gruppensport Drähte zueinanderlegen, Gemeinschaft schaffen und Dörfer beleben kann.
Genauso lautet das Ziel, das der neu gegründete Verein Pärkliboule für die 5000-Seelen-Gemeinde Ebnat-Kappel hegt: Im Bahnhofpärkli soll eine öffentliche Boule-Anlage entstehen, ohne Zaun oder Eintrittskosten.
Fünf Frauen brechen das Klischee
Viele mögen sich nun beim Stichwort «Boule» 700 Kilometer weiter südlich versetzt fühlen. Dort schwingen sonntags Männer gesetzteren Alters die Wurfhand, auf einem Dorfplatz an der Côte d’Azur, schmerbäuchig. Sie werfen die Silberkugeln, Zigaretten hängen in Mundwinkeln. Um sie herum stehen weitere Männer und schauen zu.

In Ebnat-Kappel zeigt sich ein anderes Bild. Dort treibt eine fünfköpfige Frauengruppe das Pärkliboule-Projekt voran. «Ich find's cool, die Kommunikation stimmt», sagt Vereinspräsidentin Brigitte Kauf. Die Pensionärin lebte 25 Jahre in Zürich. In der Grossstadt spielte sie regelmässig Boule in Parks. Zurück in Ebnat-Kappel beobachtete sie: «Hier hat es Leute, die Boule spielen – aber nur auf privaten Plätzen.»
Und dann fiel Kauf die Lücke auf: In der Toggenburger Gemeinde dominieren König Fussball und Prinz Tennis. Das «Grümpi Ebnat-Kappel» zieht jedes Jahr viele Fussballbegeisterte an. Doch wo finden Menschen ihren Platz, die sich locker bewegen wollen? Leute, die nur plaudern und dem Kugelklackern beiwohnen wollen? Die einen Grund suchen, vor die Tür zu treten?
«Ob alt oder jung, alle können Boule einfach lernen», sagt Kauf. Darunter fielen auch Seniorinnen, Kinder oder beeinträchtigte Menschen. In einem Blogeintrag schreibt sie: «Uns motiviert die Tatsache, dass man beim Boule gleichzeitig Sport treiben, diskutieren, lachen und ein Getränk in Reichweite behalten kann – eine seltene Kombi.»
Aktion muss noch wenige Hürden nehmen
Kaufs Team hat Ebnat-Kappel bereits mit den Boule-Kugeln vertraut gemacht. An einem Strassenfest lud es spontan zum Boulespielen ein, was auf riesiges Interesse stiess. In einem Blog schreiben die Frauen: «Genau dort wurde klar, wie viel Lebensfreude in diesem einfachen Spiel steckt.»
Jetzt sammelt der Pärkliboule-Verein Geld mit einer Crowdfunding-Aktion. 16'000 Franken soll das einbringen, aktuell steht Kaufs Team bei 11'200. Bis zu 70 Prozent der Spenden kommen von Privaten. «Wir bringen das Geld zusammen, da bin ich sehr zuversichtlich.» Mit übrigem Geld sollen Bäume her, die Schatten auf eine oder zwei neue Bänke werfen.
Der Verein würde den Bouleplatz aufräumen und unterhalten, die Gemeinde weiterhin den Park pflegen. Der Gemeinderat hat bereits positiv auf die Idee reagiert. Aktuell harze es aber an zwei Stellen: Eine Einsprache sei hängig, sagt Kauf. Zudem mangele es noch an Unternehmen und Läden, die das Projekt fördern.
Ein Ort, an dem sich Menschen begegnen
Oft liegt das Bahnhofpärkli still da. «Da herrscht wenig Betrieb, ausser an den Festen, an denen es für Kinder lustig zugeht», sagt Vereinspräsidentin Kauf. Und das, obwohl in der Nähe zwei Restaurants um Gäste werben, ein WC steht, und Busse sowie Bahnen warten. Einzig der Autolärm trübe das Park-Idyll, sagt Kauf.

Damit ein öffentlicher Platz lebt, braucht es Menschen, die ihn sich aneignen. Einmal die Woche eine ruhige Boule-Kugel zu schieben, reicht für keinen Dorftreffpunkt. Dafür habe man den Verein gegründet, sagt Kauf. Bald soll ein fixer Termin stehen, an dem alle Interessierten Boule spielen können. Zudem wolle man auf die bestehenden Boule-Gruppen zugehen und sie in das Bahnhofpärkli locken.
Gewinnt der Verein die letzten Zweifelnden für sich, könne Ebnat-Kappel als Ganzes gewinnen, sagt Kauf: «Mit der Boule-Anlage würden wir ein Angebot schaffen, das es nicht in jedem Toggenburger Dorf gibt.» Das Dorfleben könnte profitieren, ein neuer Zusammenhalt entstehen. In ihrem Blogbeitrag denkt Kauf gross: «Ein Bouleplatz ist vielleicht genau das, was die Welt momentan braucht: Mehr frische Luft, mehr Begegnungen, weniger Bildschirmzeit – und gelegentliches Jubeln.»
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