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Die Regierungspräsidentin und der Selfiestick der Macht

Die St.Galler Regierung hat sich zum diesjährigen Regierungsfoto im Pfalzkeller aufgestellt – in Gesellschaft und ohne Fotograf. Präsidentin Laura Bucher nimmt die Sache selbst in die Hand.
Das neue St.Galler Regierungsfoto: Präsidentin Laura Bucher greift zum Selfiestick. (Bild: zvg/St.Galler Staatskanzlei)

Das Regierungsfoto ist mehr als ein Bild. Es sagt immer auch etwas aus über die neue Präsidentin, den neuen Präsidenten. Und über den Zustand der Regierung. Wirkt die Regierung entspannt oder eher steif, eher traditionell oder experimentierfreudig? Alles Indikatoren für die Stimmung des Gremiums. Oder zumindest der neuen Chefin Laura Bucher.

Die Innenministerin ist die bisher jüngste St.Galler Regierungspräsidentin. Und sie will «Raus aus der Bubble!» So lautet ihr Motto fürs Präsidialjahr. Fast scheint es, dass sie sich davon auch beim Regierungsfoto leiten liess: Raus aus dem Gewohnten, weg vom Bisherigen. Jung, anders, modern, spontan: So soll das diesjährige Foto sein. Damit dies gelingt, wird sie gleich selbst zur Fotografin.

Die Rolle scheint ihr zu gefallen. Strahlendes Lächeln. Fokussierter Blick (auf ihr Smartphone). Roter Blazer (die Farbe ihrer Partei). Jedenfalls ein willkommener Farbtupfer in ihrer sonst blau-grau-weiss-schwarz geprägten Begleitung von Regierungskolleginnen und Regierungskollegen, Amtsleitenden und weiteren Mitarbeitenden der Verwaltung. Farbliche Akzente setzen in den magistralen Reihen sonst einzig die Bildungschefin (rotes T-Shirt) und der Gesundheitschef (grün-hellblau-gestreifte Krawatte).

Abdrücken, abdrücken, löschen, löschen

Wenn eine Gruppe von Menschen gleichzeitig in eine Kamera blickt, sehen selten alle auf Anhieb gut aus. Der Vorteil der digitalen Fotografie: abdrücken, löschen, löschen. Und so wirkt kein Regierungsmitglied griesgrämig oder gelangweilt. Einzig das Lächeln des Gesundheitschefs wirkt leicht angestrengt (ob er noch an den Ärger wegen der Impfpflicht denkt?). Der Sicherheitschef dagegen schaut fast schon spitzbübisch hinter der Präsidentin hervor (erleichtert, dass sein lange erwarteter Bericht endlich vorliegt?).

Apropos Fröhlichkeit: Ernsthaft Konkurrenz macht der Präsidentin einzig eine Person auf dem Foto, der allzeit-bereite-rund-um-die-Uhr-grinsende Volkswirtschaftsdirektor.

Er zieht die Blicke auf sich

Die grösste Aufmerksamkeit allerdings weckt keine Person. Es ist dieser Prügel, den die Regierungspräsidentin in der Hand hält. Ihr Selfiestick ist derart prominent im Bild, dass er sich nicht ignorieren lässt. Was will Laura Bucher damit ausdrücken? Der Selfiestick als Regierungspeitsche? «Wappnet euch, liebe Kolleginnen und Kollegen. Nun gebe ich die Richtung vor.» Der Selfiestick zur Selbstverteidigung? «Nehmt euch in Acht, ihr ewigen Nörgler und Kritikerinnen. Eure Anfeindungen können mir nichts anhaben.» Oder sucht sie verunsichert ob der neuen Aufgabe schlicht Halt – und sei es an einem Selfiestick? Oder ist das Smartphone-Gruppenbild eine verkappte Sparmassnahme der Regierung?

Regierungspeitsche, Schutzschild, Halt in der neuen Rolle? Vielleicht ist der Selfiestick am Ende einfach nur ein Selfiestick. Sicher ist: Die eigene Bubble hat Laura Bucher damit schon mal bestens ausgeleuchtet.

 
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