Fantasiepreise und Fanfrust: Der fragwürdige Handel mit Cupfinal-Tickets auf Ricardo
Im Tempo einer defensiven Nachspielzeit bewegte sich die Fanschlange vergangenen Samstag auf die Ticketfenster zu. An gleich 24 Kassen startete um 10 Uhr der Vorverkauf für FCSG-Fans mit Saisonabonnement. Die Menge, die sonst über jeden Abseitsentscheid reklamiert, übte sich in Geduld. Für Fans ohne Saisonabo, aber genügend prall gefülltem Geldbeutel, gibt es eine Alternative ohne mühsame Warterei.
Auf Verkaufsplattformen wie «Ricardo» oder «Tutti» bieten Wiederverkäufer Tickets für ausverkaufte Events an – zu deutlich höheren Preisen. So auch für das Cupfinale. Während die vom «Schweizer Fussballverband» festgelegten Preise bei 63 Franken anfangen, verlangen Wiederverkäufer für dieselben Sitzplätze 220 Franken. Ein Platz auf der Gegentribüne kostet auf dem Zweitmarkt teilweise 350, statt 110 Franken.
Empörung im Fanforum
Nur fünf Stunden nach dem Verkaufsstart in der Kybunpark-Arena fand sich auf der Online-Plattform «Ricardo» bereits das erste Ticketangebot. Im Fanforum des FCSG äusserten nach dieser Entdeckung viele Fans ihre Enttäuschung. Durch den überteuerten Onlineverkauf werde potenziell einem engagierten Fan die Chance auf ein Ticket genommen, heisst es. Im Zentrum der Kritik stehen vorwiegend jene, die mit den Tickets Profit machen wollen. Weniger hart urteilen viele Forumsnutzer über Käufer. Ohne Saisonkarte oder wegen fehlender Zeit seien diese auf solche Angebote angewiesen. Ein Nutzer des Forums schreibt: «Die [Verkäufer] wussten doch schon vorher, dass sie nicht ans Spiel gehen. Aber für den Profit stehen sie gerne Stunden an.»
Besonders wütende Stimmen fordern, dass der Klub die Identitäten der Wiederverkäufer herausfinden und deren Saisonkarte fürs Folgejahr künden soll. Ein Kommentar ging noch weiter und forderte dazu auf, dem Verkäufer bei der Ticketübergabe «einen Denkzettel zu verpassen». Andere beschwichtigen: «Wegen ein paar Tickets von über 20'000 so ein Theater, meine Güte.»
Weiterverkauf verboten, aber legal
Zwar steht in den allgemeinen Geschäftsbedingungen des FC St.Gallen, dass jeglicher kommerzielle Weiterverkauf – insbesondere über Internetauktionen – von erworbenen Tickets ohne Zustimmung des FCSG untersagt sei. Da der Weiterverkauf in der Schweiz grundsätzlich legal ist, kann das Verbot rechtlich aber nicht durchgesetzt werden. Der Mediensprecher des FCSG Remo Blumenthal sagt dazu: «Wir sind mit dem Schweizerischen Fussballverband und Ricardo in Kontakt und prüfen, wie solche Auktionen zu verhindern sind.»
Das Geschäft mit überteuerten Tickets löst seit Jahren in unterschiedlichen Zusammenhängen Kritik aus. Bereits 2013 sprach «Der Bund» mit dem Sprecher des Gurtenfestivals, Micha Günter, über das «leidige Thema». Zehn Jahre später bezeichneten das Comedy-Duo Divertimento und ihr Management den Wiederverkauf von Tickets im SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» als Abzockerei.
Eine Verbindung zwischen den beiden Fällen ist Marcel Infanger. 2013 äusserte er sich noch für die Firma «top-tickets.ch» gegenüber dem «Bund»: «Der Tickethandel ist für viele Schweizer fast ein Hobby.» Heute ist Infanger Geschäftsführer der Aargauer Ticketagentur «TiVeS», die auch Tickets für die Divertimento-Tournee verkaufte.
Über «TiVeS» wurden auf «Ricardo» auch Tickets für das Cupfinale angeboten – zeitweise bis zu zehn Plätze im St.Galler Sektor oder auf der Gegentribüne. Ein Sitzplatz auf der Haupttribüne im Sektor A ist bei ihnen für 749 Franken zu haben – das sind rund sechshundert Franken mehr als der Originalpreis. Laut eigenen Angaben stammen die Tickets aus «geprüften Quellen– von offiziellen Anbietern bis zu vertrauenswürdigen Verkäufern».
Weiterverkäufe verbieten will Ricardo nicht
Ricardo betont auf Anfrage, dass Ticketangebote auf der Plattform aktiv kontrolliert werden. Gegen «gewerbsmässigen Handel von Tickets zu massiv überteuerten Preisen» schreite man ein. In einer Stellungnahme schreibt Ricardo: «Wir haben Verständnis dafür, dass sich Vereine am Wiederverkauf von schwer erhältlichen Tickets stören und wir sind immer offen für einen Austausch.»
Grundsätzlich halte sich Ricardo jedoch an die Schweizer Gesetzgebung, welche den Weiterverkauf von nicht personalisierten Eventtickets erlaubt. Ein allgemeines Verbot des Ticketweiterverkaufs ergebe aus Sicht von Ricardo keinen Sinn und würde einen zentralen Nutzen des Online-Marktplatzes verhindern: Wer ein Ticket gekauft habe und kurzfristig verhindert sei, solle dieses weiterverkaufen können, damit auch andere Personen noch die Chance auf ein möglicherweise bereits ausverkauftes Ticket erhalten.
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