Frauen unerwünscht? Diese Toggenburger gründeten ihren eigenen Jodelchor
Am 23. November 1984 versammelte sich auf Initiative von Fritz Forrer aus Unterwasser eine Schar Gleichgesinnter im Rösslisaal in Alt St.Johann, um über die Gründung eines Jodelchörlis zu beraten. Obwohl mit dem Jodelclub «Säntisgruess» bereits ein etablierter Chor bestand, wollten die 13 Anwesenden etwas Eigenes aufbauen.
Weil Frauen nicht mitmachen durften
Damals konnten dem «Säntisgruess» nur Männer aus dem Bauernstand beitreten. Die Interessierten im Rösslisaal hingegen waren Gewerbetreibende und Frauen. Was sie verband, war die Freude am Singen und vor allem am Johlen. Noch am selben Abend wurde ein erstes Jodellied geprobt. Stille Zuhörer bestätigten später, es habe bereits «wahnsinnig schön getönt». Von da an traf man sich regelmässig am Freitagabend im Rössli zum Proben.
Die Gründungsversammlung fand Ende Mai 1985 im Gade in Unterwasser statt. Unter der Leitung von Victor Widmer, Gründungsmitglied aus Unterwasser, hatten die 13 Mitglieder bereits ein halbes Jahr fleissig geprobt und konnten mehrere Jodellieder vortragen. Fritz Forrer wurde zum ersten Präsidenten gewählt, Franz Bollhalder aus Alt St.Johann zum Aktuar, Heiri Lieberherr zum Kassier und Oswald Huber, beide aus Unterwasser, zum Beisitzer.
Nun galt es, einen passenden Namen zu finden. Auch ein einheitliches Tenue sollte her: Die Männer trugen braune Hosen, Gurt und Edelweisshemd, während die beiden Frauen, Ursula Forrer und Emmy Widmer aus Unterwasser, in der Toggenburger Werktagstracht auftraten.
Weitere Gründungsmitglieder waren Christian Amman, Werner Forrer, Bruno Oehler, Abraham Pappa, Peter Steiner und Peter Tischhauser, alle aus Unterwasser. Die Vielfalt der vertretenen Berufsgruppen ist bis heute ein Markenzeichen des Churfirstenchörlis. 1986 stiess die Jodlerin Annelies Huser-Amman dazu, die später die Chorleitung übernahm.
Vom Toggenburg bis nach Amerika
In den ersten zehn Jahren trat das Chörli regelmässig am Älplerfest am Jakobisonntag auf der Sellamatt sowie bei Familien- und Geburtstagsfeiern, Einweihungen und Folkloreanlässen auf. Ein Höhepunkt war 1993 der Fernsehauftritt in der Sendung «Bsuech in…». Unvergessen blieb auch die Familienreise 1995 nach New Glarus im US-Bundesstaat Wisconsin, wo die Gruppe den ausgewanderten «Unterwässler» Hans Lenzlinger von der Alpina besuchte.

Zum 20-Jahr-Jubiläum verfasste Aktuar Franz Bollhalder, wie bereits zum Zehnjährigen, eine Jubiläumsschrift. Sie dokumentiert die zahlreichen Wechsel bei den Sängerinnen und insbesondere den Sängern während der ersten 20 Jahre – eine Herausforderung, die auch die Chorleitung immer wieder forderte.
Ein eigener Klang und ein gelber «Zwilchtschoppe»
Musikalisch pflegt das Churfirstenchörli das Jodellied und den Naturjodel. Komponist Peter Roth schrieb eigens zum 20-Jahr-Jubiläum die «Churfirstenmesse», die seither einen festen Platz im Repertoire einnimmt. Auch die Tracht veränderte sich: Statt des anfänglich getragenen Edelweiss- oder «Büschelihemds» entschied sich das Chörli für den gelben «Zwilchtschoppe». Für das Jubiläum wurden neue «Fuetterschlotte» angeschafft.
Die Jubiläumsschrift zum 30-jährigen Bestehen stand unter dem Motto «Im Wandel der Zeit». Waren in der Gründungszeit Kompositionen von Adolf Stähli aktuell, kamen später vermehrt Toggenburger Jodellieder von Jakob Düsel, Hans Müller-Luchsinger, Mathias Zogg und weiteren Komponisten hinzu. Unter der Leitung von Annelies Huser-Ammann entdeckte das Churfirstenchörli seine besondere Vorliebe für den Naturjodel. Die Dirigentin bereicherte den Gesang mit eigenen Kompositionen. Auch Peter Roth blieb dem Chor freundschaftlich verbunden und überraschte ihn im dritten Jahrzehnt neben der «Churfirstenmesse» mit dem «Bergjodel».

Schöne Stimmen, Freude am Singen und Kameradschaft sind die Grundlagen des Erfolgs. Die Suche nach neuen Mitgliedern bleibt eine Daueraufgabe. Umso mehr freut sich das Churfirstenchörli, immer wieder Jodelbegeisterte aufnehmen zu dürfen. Annelies Huser-Ammann wurde 2014 nach 13 Jahren als Dirigentin verabschiedet; Katja Bürgler übernahm die Chorleitung. Das 30-Jahr-Jubiläum wurde mit einem unvergesslichen Jodelkonzert unter der Leitung der Dirigentin Katja Bürgler und mit Peter Roth gefeiert.
40 Jahre später schliesst sich im Klanghaus ein Kreis
Es sind nunmehr 40 Jahre vergangen, seit sich der Verein 1986 dem eidgenössischen Jodlerverband anschloss. Neben den Einschränkungen durch Corona prägten in den vergangenen zehn Jahren zahlreiche positive Auftritte das Vereinsleben. Im Mai 2025 durfte das Churfirstenchörli gemeinsam mit anderen Formationen das Klanghaus eröffnen.
Zum Repertoire gehören heute Jodellieder und Naturjodel zeitgenössischer Komponisten. Am 18. Oktober feiert das Churfirstenchörli sein 40-Jahr-Jubiläum im Klanghaus. Das Datum erinnert an einen besonderen Auftritt: Just an diesem Tag vor 40 Jahren sang das Chörli an einer Versammlung.
Am 18. Oktober, 14 Uhr, findet das Jubiläumskonzert im Klanghaus Toggenburg statt. Nach dem Konzert sind alle Konzertbesucher zum Apéro eingeladen. Am 17. November sowie am 28. und 29. Dezember wird zu weiteren Konzerten in Alt St.Johann eingeladen.
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