Mit Vollgas rannten sie von Unterwasser auf den Chäserrugg
Bei schönstem Herbstwetter starteten die Läuferinnen und Läufer am Sonntagmorgen um 9.30 Uhr in Unterwasser. OK-Präsident Alex Singerberger sagte, dass es die erste Austragung in den geraden Jahren ist, bei der kein Schnee liegt. «Bis jetzt lag 2020, 2022 und 2024 Schnee ab dem Stöfeli.»
Die Sportlerinnen und Sportler sah man deshalb nur mit kurzen Hosen und Shirts ausgerüstet am Start. Auch mussten sie weder Essen noch Trinken mit sich tragen. Unterwegs gab es drei Verpflegungsstationen. Der Start in Unterwasser befindet sich auf 910 Metern über dem Meer und das Ziel auf dem Chäserrugg auf 2262 Metern. Die Strecke mit 8.1 Kilometern Länge und 1352 Höhenmetern ist jedoch kurz und knackig.
Auch der Streckenrekordhalter tritt an
Zum sechsten Mal dabei war auch der 50-jährige Streckenrekordhalter Arno Aemisegger aus Triesenberg. Der Liechtensteiner stellte den Streckenrekord 2023 auf: 56 Minuten und 52 Sekunden – bis heute unangefochten. Aemisegger ist vor allem Bergläufer, gelegentlich startet er auch bei flachen 10-Kilometer-Läufen bis hin zu Halbmarathons. «Am liebsten bin ich vom Start bis ins Ziel mit Vollgas unterwegs», sagt er kurz nach dem Zieleinlauf auf dem Chäserrugg.

Dass Aemisegger dieses Jahr überhaupt am Chäserrugg Berglauf dabei sein würde, hätte er selbst kaum erwartet. Im April erlitt er eine Hirnblutung. Die Ärzte konnten nicht versprechen, ob er wieder laufen und insbesondere Wettkämpfe bestreiten könne. «Ab Mitte Juli konnte ich mit dem Lauftraining beginnen.» Heute fühlt er sich wieder gut. «Es geht wieder aufwärts», sagt er – im doppelten Sinn. Der Chäserrugg Berglauf war am Sonntag sein dritter Wettkampf. Diesen gewann er in 58 Minuten und 14 Sekunden, mehr als drei Minuten vor dem Zweitplatzierten. «Für mich fühlt es sich wie ein zweites Leben an», sagte er auf dem Chäserrugg sichtlich berührt.
Pascale Rebsamen stellt Streckenrekord ein
Bei den Frauen gewann die 33-jährige Pascale Rebsamen aus Wallisellen in neuer Streckenrekordzeit von 1:05:03. Den zweiten Platz Overall belegte Nicole Klingler aus Ruggell in 1:13:16. Ihre Kategorie entschied sie für sich. Die 46-Jährige war bereits zum siebten Mal dabei. «Es ist immer wieder streng hier hinauf auf den Chäserrugg», sagte sie im Ziel. Mit einer Schiene am Fuss war die ehemalige Liechtensteiner Triathletin an den Start gegangen: «Ich habe mir letzthin die Bänder am Fuss verletzt.»
Einer, der ebenfalls bereits zum siebten Mal am Start war, ist Fredi Näf aus Unterwasser. «Ich habe immer gesagt, wenn es einmal einen Berglauf auf der Strecke von Unterwasser auf den Chäserrugg gibt, nehme ich teil.» Der 69-Jährige begann erst 2020 mit dem Lauftraining. Bis zu diesem Zeitpunkt war er viel und schnell den Berg hochgelaufen. Vor einem Monat nahm Näf auch am Churfirsten TrailRun teil und absolvierte die 43 Kilometer lange Marathonstrecke. Für ihn sind die beiden Läufe zwei verschiedene Disziplinen. «Beim Berglauf geht’s immer hinauf, du kannst nie ausruhen.» Beim TrailRun müsse man sich dagegen einteilen, «denn es geht auch immer wieder talwärts.» Seine Kategorie beendete Näf als Viertplatzierter, Overall auf Rang 43, in einer Zeit von 1:23:11.

Nicht nur ambitionierte Läuferinnen und Läufer standen am Sonntag am Start, sondern auch Nachwuchsskifahrer des Ostschweizer Skiverbandes. Bevor es für die Jugendlichen am Sonntagnachmittag ins Pitztal ins Skitraining ging, stellten sie sich dem Berglauf auf den Chäserrugg. Sie, die es gewohnt sind, möglichst schnell vom Berg hinunter ins Tal zu gelangen, wagten für einmal die Gegenrichtung.
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