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«Wie viele Jahre hält der See noch durch?»: Dem Bodensee droht die Luft auszugehen

Die winterliche Durchmischung des Bodensees bleibt zunehmend aus – und damit die lebenswichtige Sauerstoffzufuhr in die Tiefe. Auch im vergangenen Winter zeigte sich: Der Klimawandel setzt dem See zu.
Das Forschungsschiff Kormoran der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg bei Messungen im Bodensee. (Bild: Quelle: LUBW)

Die winterliche Durchmischung des Bodensees ist für sein Ökosystem von zentraler Bedeutung. In den kalten Monaten sollte sich das Wasser idealerweise bis auf den Grund in 251 Metern Tiefe umwälzen. Nur so gelangt ausreichend Sauerstoff bis in die tiefen Schichten des Sees. Doch genau dieser Prozess funktioniert seit Jahren immer schlechter. Auch im Winter 2025/26 blieb die Durchmischung unzureichend. Das geht aus einer Mitteilung der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) vom April hervor.

«Auch in diesem Winter konnte der gesamte See nicht in ausreichendem Masse bis zur tiefsten Stelle zirkulieren», wird Harald Hetznauer, Leiter des Instituts für Seeforschung der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), in der Mitteilung zitiert. Das Institut überwacht gemeinsam mit Fachstellen der Anrainerländer im Auftrag des IGKB den Zustand des Sees. Regelmässig werden dabei unter anderem Temperatur, Sauerstoffgehalt und Nährstoffe gemessen.

Sauerstoff in der Tiefe ist entscheidend

Sauerstoff ist nicht nur für Fische und andere Wasserlebewesen unverzichtbar, sondern auch für Mikroorganismen. Diese bauen abgestorbene Pflanzen- und Tierreste ab – auch in grossen Tiefen. Fehlt dort Sauerstoff, kann das ökologische Gleichgewicht gestört werden.

Wie kritisch das werden kann, zeigte sich laut der Mitteilung bereits in den 1970er-Jahren. Damals führten hohe Nährstoffeinträge dazu, dass sich grosse Mengen organischen Materials am Seegrund ansammelten und der Sauerstoff knapp wurde. Inzwischen hat sich die Wasserqualität dank umfassender Schutzmassnahmen deutlich verbessert, sodass von dieser Seite keine Gefahr mehr ausgeht.

Klimawandel verkürzt das Zeitfenster

Heute ist es vor allem der Klimawandel, der dem See zu schaffen macht. Steigende Lufttemperaturen führen dazu, dass sich auch das Wasser erwärmt. Im Frühjahr geschieht dies früher, im Herbst kühlt der See später ab. Dadurch verkürzt sich das Zeitfenster, in dem sich das Wasser ausreichend durchmischen und Sauerstoff bis in die Tiefe gelangen kann. Voraussetzung dafür ist, dass der gesamte Wasserkörper ähnlich kühl ist – ein Zustand, der laut IGKB immer seltener erreicht wird.

Seit Ende der 1980er-Jahre treten Phasen mit mangelhafter Durchmischung häufiger auf. Nach 2006 gelang nur noch im Spätwinter 2017/18 vollständige Zirkulation des gesamten Sees. Auch im vergangenen Winter blieb die vollständige Durchmischung aus, obwohl die Bedingungen zu Beginn des Jahres zunächst günstig erschienen. Lediglich in den flacheren Bereichen wie der Bregenzer Bucht und dem Überlinger See wurde eine vollständige Durchmischung bis zum Grund festgestellt.

Wann geht dem See die Luft aus?

Noch ist die Sauerstoffversorgung in der Tiefe stabil. In 251 Metern Tiefe wurden Mitte Januar rund sechs Milligramm Sauerstoff pro Liter gemessen, Anfang März etwa sieben Milligramm. An der Oberfläche lag der Wert mit 11,3 Milligramm deutlich höher.

Dennoch gibt die Entwicklung Anlass zur Sorge: «Es stellt sich die Frage, wie viele Jahre mangelnder Zirkulation der See tolerieren kann, bevor ihm in der Tiefe die Luft ausgeht», wird Hetzenauer in der Mitteilung zitiert.

 
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