Täter werden über Social Media angeworben: Kantonspolizei St.Gallen setzt auf gezielte Prävention
Das Vorgehen der Täter ist immer dasselbe: Sie suchen gezielt Automobil- oder Garagenbetriebe auf, brechen dort ein und entwenden mit den vorgefundenen Fahrzeugschlüsseln Autos des oberen Preissegments. Erst am Dienstag wurde der letzte Einbruch dieser Art gemeldet. In Uznach verschaffte sich ein 18-jähriger Franzose Zugang zu einer Autogarage, wurde jedoch von der Polizei in flagranti erwischt. Auch am vergangenen Freitag scheiterte ein Autoklau, diesmal in Bad Ragaz. Obwohl die Täter es schafften zu fliehen, gingen die drei Franzosen der Polizei später am Bahnhof ins Netz.
Wie die Kantonspolizei in einer Medienmitteilung von Mittwoch schreibt, reisen die Täter gemäss den aktuellen Erkenntnissen jeweils aus Frankreich in die Schweiz ein und flüchten nach den Delikten mit den gestohlenen Autos wieder dorthin zurück. So geschehen Anfang März in Ebnat-Kappel, wo eine unbekannte Täterschaft in einen Garagenbetrieb eingebrochen ist, Fahrzeugschlüssel und einen schwarzen Porsche GT3 stahl und mit diesem nach Frankreich flüchtete.
Bei den festgestellten Tatverdächtigen handelt es sich laut Kantonspolizei mehrheitlich um junge Männer, die auf Social Media angeworben werden. Die Deliktsumme beläuft sich in der ganzen Schweiz auf mehrere Millionen Franken – im Kanton St.Gallen sind es allein in diesem Jahr schon etwas unter einer Million Franken. Seit Jahresbeginn ereigneten sich im Kanton St.Gallen im Zusammenhang mit diesem Deliktphänomen 36 Einbruchdiebstähle. Dabei kam es bislang zu 28 Festnahmen, wovon die meisten durch die Kantonspolizei St.Gallen direkt nach der Tat erfolgten.
Laut Communiqué konnten in einigen Fällen Tatverdächtige dank der Unterstützung benachbarter Polizeikorps oder in Zusammenarbeit mit ausländischen Behörden festgenommen werden. «Sind die Diebe erfolgreich, geht es zügig», sagt Milo Frey, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen. «Die Täter fahren dann schnell mit den Autos in angrenzenden Kantonen oder gar schon ins Ausland.» In solchen Fällen übernehmen andere Corps die Verhaftung und übergeben die Personen dann der Kantonspolizei St.Gallen. «Die Täter werden schliesslich an die Staatsanwaltschaft, in vielen Fällen auch an die Jugendstaatsanwaltschaft, weitergeleitet», sagt Frey. «Diese entscheiden dann zusammen mit dem Amt für Migration, wie es weitergeht.»
Die Festnahmen sind unter anderem auf Fahndungs- und Patrouillentätigkeit, verstärkte Ermittlungsarbeit sowie Hinweise aus der Bevölkerung zurückzuführen. Dennoch bleibt die Zahl der Delikte hoch. Deshalb verstärkt die Kantonspolizei St.Gallen ihre Massnahmen und startet eine gezielte Prävention.
Polizei will mit Plakaten Täter abschrecken
Die Kantonspolizei St.Gallen setzt auf eine einfache und rasch umsetzbare Präventionsoffensive, um Autodiebstähle nachhaltig zu senken. Im Zentrum steht eine simple, aber entscheidende Botschaft: Nur wenn Fahrzeugschlüssel und Wertsachen konsequent gesichert aufbewahrt werden, kann das Risiko erfolgreicher Fahrzeugdiebstähle wirksam reduziert werden. Um diese Nachricht zu platzieren, steht die Kantonspolizei St.Gallen mit mehreren hundert Garagen im direkten Kontakt und sensibilisiert die Mitarbeitenden für konkrete Schutzmassnahmen.
Die Kampagne richtet sich auch an die potenziellen Täter. Mit gezielt an den Garagenbetrieben angebrachten Plakaten wird ihnen mitgeteilt, dass sich ein Einbruch nicht lohnt, weil weder Fahrzeugschlüssel noch Wertsachen zugänglich aufbewahrt werden. Stellt die Täterschaft wiederholt fest, dass trotz attraktiver Fahrzeuge keine Schlüssel auffindbar sind, sinkt der Anreiz für weitere Einbrüche, heisst es weiter in der Medienmitteilung. Damit sollen nicht nur die Autodiebstähle verhindert, sondern auch die Einbrüche in die Garagenbetriebe sowie damit verbundene Sachschäden und Aufwände für die Garagisten reduziert werden.
Zuerst müssen die Schlüssel weg
Zentral ist die Mitwirkung der Automobil- und Garagenbetriebe: Nur wenn die Autoschlüssel, Wertsachen und Fahrzeugpapiere tatsächlich sicher aufbewahrt sind, sollen die Plakate angebracht werden. Laut Communiqué der Kantonspolizei St.Gallen sollen die Schlüssel auch ausserhalb der Öffnungszeiten zu keiner Zeit in der Garage sein – auch nicht in Kleintresoren oder Schlüsselkästen, welche aufgebrochen werden können.

Die Plakate sind bewusst ähnlich wie die Anwerbungen in den Sozialen Medien gestaltet. «Diese werden auf öffentlichen Profilen geteilt», sagt Milo Frey. «Die Hintermänner werben mit dem Versprechen von schnellem Geld bei einem Einsatz in der Schweiz.» Bei der Gestaltung benutzten sie auch bewusst Emojis, wie bei den ursprünglichen Posts der Anwerber. «Die Täter sollen so auf den ersten Blick erkennen, dass es keine Jobausschreibung oder sonst etwas ist.»
Die Plakate sollen den potenziellen Einbrechern direkt ins Auge fallen, wenn sie vor einer Garage stehen. Sie sprechen die Täter in französischer Sprache an und setzen der Botschaft der Hintermänner gezielt eine Botschaft der Kantonspolizei St.Gallen entgegen: Es hat zwar schöne Autos im Betrieb, aber keine Autoschlüssel und keine Wertsachen. Ein Einbruch lohnt sich nicht.
Parallel dazu führt die Kantonspolizei St.Gallen die umfangreichen Ermittlungen zu diesem Deliktphänomen sowie die gezielte nächtliche Präsenz und Patrouillentätigkeit im Umfeld von Garagenbetrieben konsequent fort. (kapo/vat)
Der Flyer für die Garagenbetriebe kann unter https://kaposg.link/flyer-garagen heruntergeladen werden und das Plakat unter https://kaposg.link/plakat-garagen.
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