­
­
­
­

Sterben verboten?

Zum Leserbrief von Carmen Sprenger-Lampert, welche nach der Zivilstandstatistik 2020 und den Coronatoten fragt und vermutet, man werde diese aus Datenschutzgründen vielleicht nie erfahren. Aber die Sache, Frau Sprenger, ist ganz einfach.
Autor
Jo Schädler, Bendern

Nehmen sie die Todesanzeigen von, sagen wir, dem letzten halben Jahr und errechnen sie das Alter der Verstorbenen. Wenn sie dann noch Todesursachen wie Krebs oder Unfälle, welche man nun einfach nicht mit Corona in Verbindung bringen konnte, herausrechnen, kommen sie auf ein Durchschnittsalter von etwa 89 Jahren. Also ein Alter, in welchem man doch noch wird sterben dürfen, oder? Es erstaunt schon, wenn am Wochenanfang in der Zeitung von drei Coronaopfern berichtet wird und man kannte zufällig alle drei. Die drei, zwischen 87 und 96 Jahre alt, waren zum Teil seit Langem dement oder bettlägerig. Da fragt man sich dann schon, wie konnte noch ein paar Stunden vor dem Tod noch schnell das Coronavirus am Strebebett unter die Decke kriechen? Neben der Hilflosigkeit der Regierung in dieser Angelegenheit und in der Ohnmacht, Fehler nicht einzugestehen und, um das Gesicht nicht zu verlieren, sich in immer neue Ungereimtheiten zu versteigen, zeigt das Virus uns aber etwas ganz anderes auf. Nämlich: Jetzt hatten wir es doch so wunderbar. Alle haben alles, der Wohlstand ist fast unerträglich, für jeden auch noch so kleinen Schmerz, für jede Falte, die sich vermeintlich zu früh ins Gesicht geschlichen hat, ist ein spezieller Arzt, oft sogar eine internationale Koryphäe im Lande, um dem Älterwerden und dem Sterben den Garaus zu machen. Das ewige, das unendliche Leben scheint in greifbare Nähe zu rücken. Einfach so, ohne Gott, ohne Hölle, ohne Busse tun, ohne Fegefeuer. Himmelsglück schon auf Erden. Und dann kommt so ein kleines Virus daher und droht unseren Turmbau vom ewigen Leben einzureissen und zeigt uns auf, dass wir doch alle, und zwar samt und sonders alle, sterben müssen. Verdammte Schei … e. Muss das sein? Das war ja gar nicht geplant. 

Lädt

Schlagwort zu Meine Themen

Zum Hinzufügen bitte einloggen:

Anmelden

Schlagwort zu Meine Themen

Hinzufügen

Sie haben bereits 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

Entfernen

Um «Meine Themen» nutzen zu können, stimmen Sie der Datenspeicherung hierfür zu.

Ähnliche Artikel

Eine schwere Leberverletzung führte zum Tod von Bjorg Lambrecht
Abo
Zwei Tage nach dem tragischen Unfall des belgischen Radprofis Bjorg Lambrecht in der Polen-Rundfahrt gibt dessen Teamarzt Maarten Meirhaeghe die ...
07.08.2019
Der langjährige SBB-Chef Werner Latscha (rechts) ist 94-jährig verstorben. Latscha, hier im Bild mit mit dem ehemaligen Luzerner Regierungsrat Heinrich Zemp (links), war nach seiner Pensionierung Präsident des Verkehrshaus der Schweiz in Luzern. (Archivbild)
Abo
Der langjährige SBB-Chef Werner Latscha ist gestorben. Latscha war von 1974 bis 1990 Mitglied der Generaldirektion der SBB und von 1984 bis 1990 ...
07.12.2019
AboTrend zu frühzeitiger Grabauflösung
Weil die Urnennischen nur noch für ca. 3 Jahre ausreichen und sich ein Trend zu pflegelosen Grabstätten zeigt, hat Balzers nun gehandelt.
26.02.2021
­
­