AMLR und der Preis des Wartens
Das AMLR-Projekt steht auf Grün. In der Besprechung geht es um eine geplante Anpassung. Noch fehlen regulatorische Details. «Hier warten wir auf Klärung», sagt jemand. Der Punkt wird vertagt, der Zeitplan bleibt unverändert. Monate später kommt die Klärung, die Umsetzung ist noch möglich, für Tests und Korrekturen wird es eng. Wann ist aus einer vernünftigen Entscheidung ein Zeitproblem geworden?
Die Sorge vor doppelter Arbeit bei der AMLR ist nachvollziehbar. Wer Formulare, Prüfanweisungen oder Systeme zu früh anpasst, muss womöglich nachbessern. Für Liechtenstein gelten die EWR-Übernahme und die damit verbundenen Regelungen. Anfang Oktober hat AMLA drei finale Entwürfe technischer Regulierungsstandards veröffentlicht. Finale Entwürfe sind noch kein verbindliches Recht. Trotzdem stellt sich die Frage, welche Arbeiten bereits sinnvoll möglich sind.

Was in der Praxis bereits möglich ist
Ein Beispiel aus der Praxis: Finanzintermediäre müssen wissen, wer tatsächlich hinter ihren Kunden steht, auch wenn das nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Nehmen wir eine Person, die bei einem Unternehmen oder einer Stiftung das Sagen hat, ohne daran beteiligt zu sein. Warum das so ist, hat die Bank sauber abgeklärt und festgehalten. Noch offen ist, wie diese Information künftig in Formularen, internen Vorgaben und IT-Systemen erfasst werden soll. Die Abklärung ist also gemacht. Unklar ist nur, wie ihr Ergebnis später weiterverwendet wird. Trotzdem lässt sich schon heute einiges tun: nachsehen, wo die Information überall gespeichert ist, welche Arbeitsschritte darauf zugreifen und mit welchen Beispielfällen man die Umsetzung später testen will. So zeigt sich rasch, was wirklich von der ausstehenden Entscheidung abhängt und was ohnehin gebraucht wird, egal wie sie ausfällt. Selten blockiert eine offene Frage gleich das ganze Projekt. Vielleicht kann eine interne Vorgabe noch nicht fertig geschrieben werden. Die betroffenen Arbeitsabläufe lassen sich trotzdem durchgehen, und die Testfälle können bereits vorbereitet werden. Der Schlüssel liegt darin, genau zu benennen, welche Arbeit auf welche Antwort wartet, und wo man vorerst mit Annahmen weiterarbeitet, hält man am besten gleich fest, was nach der Klärung noch einmal überprüft werden muss.

Nicht alle stehen dabei vor derselben Aufgabe. Banken mit stark auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Systemen müssen neue Vorgaben oft selbst einbauen. Viele Treuhänder arbeiten dagegen mit Standardsoftware, deren Anbieter die neuen Anforderungen per Update liefert. Das erspart eigene Entwicklungsarbeit, aber nicht die Arbeit rundherum. Die neuen Funktionen müssen mit den richtigen Daten gefüllt und in den eigenen Arbeitsalltag eingebunden werden. Welche Angaben das Update braucht und welche Abläufe sich dadurch ändern, lässt sich häufig schon vor der Auslieferung mit dem Anbieter klären.
Zeit für die Umsetzung
Wie lange Abwarten vertretbar ist, hängt nicht nur davon ab, wann die Antwort kommt. Es hängt auch davon ab, wie viel Arbeit danach noch ansteht. Änderungen müssen umgesetzt, getestet und oft noch korrigiert werden. Mitarbeitende benötigen Zeit, sich mit neuen Abläufen vertraut zu machen. Dieser Vorlauf gehört bereits in die Planung, solange die fachliche Frage noch offen ist. Wenn in der nächsten Besprechung der Satz fällt «Wir warten noch», lohnt sich die Rückfrage: Worauf genau – und was können wir bis dahin klären?
Hinweis
Dieser Frage widmen wir uns im Webinar «AMLR Readiness: Was jetzt schon geht» am Donnerstag, 19. November, von 11 bis 11.30 Uhr. An einem Praxisfall zeigen wir, wie aus «Wir warten noch» konkrete nächste Schritte werden.
Anmeldung: https://silverseed.li/webinar

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