Die Alltagsheldin auf vier Pfoten
Wenn morgens die ersten Kinder ins Klassenzimmer kommen, wartet dort eine ganz besondere Begrüssung auf sie: Loni. Die Gordon-Setter-Dame heisst fast jedes Kind persönlich willkommen und freut sich dabei mindestens genauso sehr wie die Kinder.
Seit Februar 2024 begleitet Loni Lehrerin Eva-Maria Schieffer in die Schule. Die beiden haben dafür gemeinsam eine Ausbildung zum Schulbegleithunde-Team absolviert. Eva-Maria Schieffer selbst ist seit knapp zehn Jahren Klassenlehrerin und unterrichtet derzeit im Jobsharing eine erste Klasse. Besonders wichtig ist ihr, Vertrauen zu den Kindern aufzubauen, sie gut kennenzulernen und ihnen Sicherheit zu geben. «Ich möchte sie auf ihrem Weg begleiten – nicht nur beim Lernen, sondern auch im sozialen und persönlichen Bereich.»
Eine Zuhörerin, die nie bewertet
Loni ist nämlich nicht einfach nur da zum Kuscheln. Sie würfelt Zahlen für Rechenaufgaben, verteilt High Fives und hört beim Vorlesen geduldig zu. Ob dabei einmal ein Wort falsch gelesen wird? Loni ist das ziemlich egal. «Sie interessiert es nicht, ob ein Kind gut liest, schnell rechnet oder einen Fehler macht», sagt Eva-Maria Schieffer. Dadurch trauen sich manche Kinder plötzlich Dinge zu, bei denen sie vorher noch unsicher waren.
Wie viel ein Hund bewirken kann, erlebte die Lehrerin mit einem Mädchen, das grosse Angst vor Loni hatte. Anfangs stellte es sich hinter sein Pult, sobald die Hündin ins Zimmer kam. Niemand drängte es. Wochenlang beobachtete das Mädchen Loni aus sicherer Entfernung und wagte sich langsam näher.
Irgendwann streichelte es sie zum ersten Mal. Heute kommt das Mädchen sogar noch in die Klasse, um Loni Hallo zu sagen. Die Angst? Verschwunden. Für Eva-Maria Schieffer «eines der allerschönsten und herzerwärmendsten Erfolgserlebnisse» als Lehrerin.
Ein Nickerchen gehört dazu
Natürlich hat auch eine Schulhündin ihre eigenen Regeln. An einer rosa Schleife erkennen die Kinder, dass Loni gestreichelt werden darf. Trägt sie Rot, möchte sie ihre Ruhe. Ihr Körbchen ist sowieso tabu – dort darf sie sich jederzeit zurückziehen. Denn Loni entscheidet selbst, wann sie mitmachen möchte. Manchmal verbringt sie auch einfach einen ganzen Vormittag auf dem Rücken in ihrem Körbchen.
Einmal schien sie aus dem abgeschlossenen Klassenzimmer ganz verschwunden zu sein. Nach kurzer Suche entdeckten die Kinder die Ausreisserin: tiefenentspannt im Sessel der Leseecke.
Warum Loni eine Alltagsheldin ist? Für Eva-Maria Schieffer ist die Antwort einfach:
Weil sie einfach da ist – auch dann, wenn Worte gerade nicht helfen.
Und vielleicht kann man von Loni sogar etwas fürs Leben lernen: Manchmal hilft es, die Augen zu schliessen, die Pfoten auszustrecken und erst einmal eine Runde zu schlafen.
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