Den griechischen Ferieninseln geht das Wasser aus – was bedeutet das für Touristen?
In Griechenland geht der Reiseboom weiter. In den ersten fünf Monaten stieg die Zahl der ausländischen Besucher gegenüber dem Vorjahr um 21 Prozent.
Aber es gibt eine Schattenseite. Vielerorts hält die Infrastruktur mit diesem Wachstum nicht Schritt. Besonders auf den Inseln wird das Wasser knapp. Der Verbrauch steigt mit jeder Urlaubssaison, gleichzeitig fallen die Niederschläge seit etwa zehn Jahren meist deutlich geringer aus als im Jahrhundertdurchschnitt. Um die Versorgung zu sichern, wurden vielerorts immer tiefere Brunnen gebohrt. Dadurch sinkt der Grundwasserspiegel, Meerwasser dringt ein und macht zahlreiche Brunnen unbrauchbar.
Dass jetzt sieben Inselgemeinden – Tinos, Alonissos, Astypalea, Karpathos, Leros, Patmos und Symi – den Notstand ausgerufen haben, klingt allerdings dramatischer, als es ist. Wasser wird bisher nirgends rationiert. Die Pools sind gefüllt, Duschen und Toiletten funktionieren wie gewohnt. Die Ausrufung des Notstands ist eine Verwaltungsmassnahme. Sie vereinfacht Ausschreibungen und beschleunigt Genehmigungsverfahren für Meerwasserentsalzungsanlagen, neue Leitungsnetze und andere Infrastrukturprojekte. Ziel ist es, schnell zu handeln, um einen drohenden Versorgungsengpass zu verhindern.
Bis zu 50 Prozent des Trinkwassers geht verloren
Wie stark der Tourismus den Wasserverbrauch in die Höhe treibt, zeigt das Beispiel Mykonos. Die rund 11'000 ständigen Einwohnerinnen und Einwohner benötigen im Winter täglich etwa 1'600 Kubikmeter Wasser pro Tag. Im Sommer steigt der Bedarf auf bis zu 14'000 Kubikmeter. Auf Santorini erhöht sich der Verbrauch in den Sommermonaten um rund 500 Prozent.

Nicht jeder Tourist verbraucht gleich viel. Wissenschafter der Universität Thrakien haben errechnet, dass Gäste einfacher Pensionen durchschnittlich rund 450 Liter Wasser pro Tag benötigen. In Luxushotels mit vielen Pools und grossen Gärten können es bis zu 1000 Liter pro Gast und Tag sein.
Nicht nur Hotelanlagen, sondern auch immer mehr Ferienhäuser verschärfen die Lage. «Der Bau vieler neuer Ferienvillen mit eigenen Pools belastet das wertvolle Grundwasser massiv», sagt Panagiotis Krontiras, Bürgermeister der Kykladeninsel Tinos. «Wasser war jahrzehntelang sehr günstig und wurde deshalb oft sorglos verbraucht», so der Bürgermeister.
Erschwerend kommt der schlechte Zustand vieler Leitungsnetze hinzu. Sie stammen vielerorts noch aus den 1950er und 1960er Jahren, als es keinen Massentourismus gab. Experten schätzen, dass auf vielen Inseln 30 bis 50 Prozent des Trinkwassers durch undichte Leitungen verloren gehen.
Neue Entsalzungsanlagen im Bau
Die Regierung hat deshalb ein Investitionsprogramm gestartet. Auf neun Inseln entstehen für mehr als 15 Millionen Euro neue Leitungsnetze und Meerwasserentsalzungsanlagen. Umweltminister Stavros Papastavrou sagt: «Für Griechenland ist Wasser nichts Theoretisches – es geht um Sicherheit, wirtschaftliches Wachstum und den Schutz der lokalen Gemeinschaften.»
Der Ausbau läuft bereits. Gab es 2009 landesweit erst 80 Entsalzungsanlagen, sind es heute mehr als 150. Auf Amorgos wurde vergangene Woche eine neue Anlage eingeweiht, die täglich 1050 Kubikmeter Trinkwasser liefert. Auch Astypalea investiert. Die Insel hat rund 1400 Einwohner und etwa 5000 Gästebetten. Eine bestehende Entsalzungsanlage reicht inzwischen nicht mehr aus. Deshalb wurde im Juli eine mobile Anlage mit einer Tagesleistung von 600 Kubikmetern in Betrieb genommen.
Auch Urlauber können dazu beitragen, dass aus dem ausgerufenen Notstand kein echter wird. Hotels und Tourismusverbände empfehlen, kürzer zu duschen, Handtücher nicht täglich wechseln zu lassen und Wasser insgesamt sparsamer zu nutzen. Schon kleine Verhaltensänderungen können auf Inseln mit knappen Wasserreserven einen spürbaren Unterschied machen.
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