Trump lässt Iran wieder angreifen – und die Ölpreise steigen bereits
Zu Wochenbeginn steht die Welt vor einem erneuten Aufflammen des Iran-Kriegs. Das US-Militär beteuert zwar, seine neue Angriffswelle sei eine begrenzte Aktion gewesen. Dennoch reagierte der Iran umgehend mit einem Gegenangriff.
Warum eskaliert der Iran-Krieg plötzlich wieder?
Nach rund einem Monat weitgehender Kampfpause haben die USA erstmals seit Ende Juli wieder Ziele im Iran angegriffen. US-Streitkräfte zerstörten auf der iranischen Insel Larak in der Strasse von Hormus zwei Raketenabschussrampen. Nach Angaben des US-Zentralkommandos Centcom hatten Angehörige der Revolutionsgarde dort Vorbereitungen getroffen, um mit Raketen Seeminen in die Meerenge zu bringen. Washington spricht von einer «begrenzten, präzisen Aktion». Iran dagegen bezeichnet den Angriff als Aggression und kündigte Vergeltung an.
Wie hat Iran auf den US-Angriff reagiert?
Noch in der Nacht feuerte Iran ballistische Raketen auf zwei amerikanische Stützpunkte in Jordanien. Das jordanische Militär erklärte am Montagmorgen, acht Raketen abgefangen zu haben. Schäden oder Verletzte wurden zunächst nicht gemeldet. Die Revolutionsgarde drohte mit der «Bestrafung des Aggressors». Nach iranischen Angaben wurden beim amerikanischen Angriff auf die Insel Larak mehrere Menschen getötet oder verletzt.
Droht sich der Krieg auf weitere Länder auszuweiten?
Diese Gefahr ist zumindest wieder gestiegen. Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten am Montag eine aus Richtung Iran kommende Drohne über ihren Hoheitsgewässern. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete sogar von einem Angriff mit Dutzenden Drohnen auf den Militärflugplatz Minhad südöstlich von Dubai. Die Emirate widersprachen allerdings Berichten, wonach der Stützpunkt auch mit Raketen angegriffen worden sei. Berichte über Schäden lagen zunächst nicht vor.
Trotzdem laufen jene arabischen Golfstaaten, die wichtige US-Militärstützpunkte beherbergen, Gefahr, bei iranischen Vergeltungsschlägen erneut zwischen die Fronten zu geraten. Neben den Emiraten gehören dazu Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain und Katar.
Bedeutet der US-Angriff, dass der grosse Luftkrieg wieder beginnt?
Noch nicht. Die «New York Times» wertet den Schlag als begrenzte Aktion und nicht als Wiederaufnahme der grossflächigen amerikanischen Bombardierungen. Zuletzt hatte das US-Militär am 29. Juli Dutzende Ziele im Iran angegriffen, darunter Kommandozentren sowie Raketen-, Drohnen- und Küstenüberwachungsanlagen. Danach gingen beide Seiten zu einer weitgehenden Kampfpause über.
Der neue Schlagabtausch erhöht allerdings das Risiko einer Eskalationsspirale: Washington greift iranische Kräfte an, um die Schifffahrt zu schützen; Teheran antwortet mit Angriffen auf US-Stützpunkte – worauf die USA wiederum militärisch reagieren könnten.
Warum ist die Strasse von Hormus erneut der Brennpunkt?
Durch die Meerenge führt eine der wichtigsten Öl- und Gasrouten der Welt. Iran hatte dort Minen ausgelegt, welche die US-Streitkräfte nach eigenen Angaben erst vergangene Woche aus den internationalen Schifffahrtsrouten räumten. Die US-Marine begleitet Handelsschiffe inzwischen durch den südlichen Teil der Meerenge in omanischen Gewässern.

Trotzdem bleibt die Passage gefährlich. Seit Kriegsbeginn wurden laut «New York Times» mindestens 71 Schiffe angegriffen, 19 Seeleute kamen ums Leben. Viele Reedereien meiden Hormus inzwischen. Ein im Juni geschlossenes Abkommen zwischen Washington und Teheran hatte die Meerenge kurzzeitig wieder geöffnet, brach aber nach wenigen Tagen zusammen. Es ist offensichtlich, dass das Katz-und-Maus-Spiel um die Öffnung der Seestrasse zum wichtigsten iranischen Machthebel im Konflikt mit der Trump-Administration geworden ist – und das auf unabsehbare Zeit hinaus auch bleibt.
Was ist Trumps Strategie gegenüber dem Iran?
Eigentlich wollte US-Präsident Donald Trump den militärischen Druck zuletzt reduzieren und Iran verstärkt wirtschaftlich treffen. Finanzminister Scott Bessent kündigte am Wochenende neue Sanktionen gegen eine nicht genannte Bank an, die angeblich Geschäfte mit Teheran abwickelt. Beim heutigen G20-Finanzministertreffen in North Carolina möchte Bessent andere Staaten dazu bewegen, Iran stärker zu isolieren. «Wenn es sein muss, wird das finanzielle Gewalt sein», sagte Bessent der Nachrichtenagentur AP.
Gleichzeitig hält Trump jedoch mehr als 50'000 amerikanische Soldaten im Nahen Osten in Bereitschaft. Ein grosser Teil der Kräfte ist mit der Seeblockade Irans und der Sicherung der Strasse von Hormus beschäftigt. Damit muss Washington weiterhin enorme militärische Ressourcen für einen Krieg aufwenden, den Trump eigentlich durch wirtschaftlichen Druck beenden will.
Doch solange Teheran die Strasse von Hormus bedroht, ist für Trump der Rückgriff auf militärische Schläge die jeweils einfache und schnelle Lösung, um Initiative und Entschlossenheit zu markieren, folgert sinngemäss der angesehene Nahost-Experte Hamidreza Azizi.
Wie beurteilt Teheran die Lage?
Gesicherte unabhängige Informationen über die iranische Führungsebene sind kaum erhältlich. Es ist nicht einmal klar, ob der oberste Führer Mojtaba Khamenei noch am Leben ist. CNN schreibt in einer aktuellen Analyse, der Machtkampf zwischen den gemässigten Kreisen und den Hardlinern der Revolutionsgarden sei in vollem Gange.
Während die Pragmatiker und Technokraten um Präsident Masoud Pezeshkian, Parlaments-Sprecher Mohammad Bagher Ghalibaf und Aussenminister Abbas Araghchi mit einem Deal den Iran aus der wirtschaftlich schwierigen Lage befreien wollen, streben die Hardliner die vollständige Demütigung und den Rückzug der USA an.
Jeder weitere US-Militärschlag sei Wasser auf die Mühlen der Revolutionsgarden, schreibt CNN in seiner Analyse.
Wie lange können die USA den Militäreinsatz durchhalten?
Genau darüber wächst offenbar innerhalb des Pentagons die Sorge. Wie die «Washington Post» unter Berufung auf eine geheime Einschätzung berichtet, haben mehrere hochrangige Offiziere Kriegsminister Pete Hegseth gewarnt, eine Fortsetzung des grossen Kräfteeinsatzes im Nahen Osten sei auf Dauer nicht tragbar.
Besonders bemerkenswert: Die für Europa, den Pazifik und Lateinamerika zuständigen US-Kommandeure widersprachen laut dem Bericht ausdrücklich der weiteren Abstellung von Kräften für den Iran-Krieg – selbst wenn sie alle Befehle ausführen würden. Schiffe, Flugzeuge und anderes Material fehlten dadurch in anderen Weltregionen. Besonders angespannt sei die Lage bei der Marine.
Die Einschätzung innerhalb der Militärführung fällt ungewöhnlich deutlich aus. Eine mit dem geheimen Bericht vertraute Person beschrieb die Iran-Operation gegenüber der «Washington Post» als «too much for too long» («zu viel, zu lange»). Selbst Aufgaben der amerikanischen Heimatverteidigung würden durch die Verlegung von Schiffen und Aufklärungsflugzeugen beeinträchtigt.
Was bedeutet die neue Eskalation für den Rest der Welt?
Die unmittelbare Folge zeigt sich wie üblich am Ölpreis. Ein Fass der Nordseesorte Brent verteuerte sich am Montag zeitweise auf knapp 91 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit einer Woche. Im Frühjahr hatte der Iran-Krieg den Preis zeitweise auf mehr als 120 Dollar getrieben. Mit der Aussicht auf ein Kriegsende war er danach bis auf rund 70 Dollar gefallen.
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