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«Es gibt noch so viel zu tun»: Feminismus-Ikone Gloria Steinem ist gestorben

Sie wurde zum Gesicht des Feminismus in den USA: Gloria Steinem war eine der einflussreichsten Stimmen der amerikanischen Frauenbewegung.
In den 70er-Jahren brachte Gloria Steinem das Thema Feminismus in den Mainstream und wurde zur international anerkannten Aktivistin im Kampf für die Gleichstellung der Frau. (Bild: Jeon Heon-Kyun)
1979 warnt Gloria Steinem Präsidentschaftskandidaten in Washington, dass Versprechen zu Frauenrechten nicht ausreichen werden, um sich bei der nächsten Wahl die Unterstützung der Frauen zu sichern. (Bild: Harvey Georges)
Gloria Steinem 1981 bei einer Demonstration vor dem Weissen Haus. (Bild: Scott Applewhite)
Gloria Steinem 2017 an der «Women's March on Washington»-Kundgebung. (Bild: John Minchillo)

Am 2. September 2026 schloss Gloria Steinem zu Hause in New York für immer die Augen. Mit ihr verliert die Welt eine Aktivistin, die ein Leben lang für die Rechte von Frauen kämpfte. Und das seit einer Zeit, in der Frauen in den USA weder uneingeschränkt eigene Kreditkarten besitzen, noch ein eigenes Konto eröffnen oder die Anti-Baby-Pille nehmen durften.

Steinem setzte sich unter anderem gegen häusliche Gewalt ein, gegen die Genitalverstümmelung bei Frauen und Mädchen, für die Legalisierung von Abtreibungen, für die Rechte der LGBTQ+-Community und für gleiche Bezahlung von Frauen.

Doch ihr Engagement stiess nicht immer auf Begeisterung – im Gegenteil: Sie wurde sowohl von Männern und Frauen beschimpft, belästigt und eingeschüchtert und von der Polizei verhaftet.

1979 warnt Gloria Steinem Präsidentschaftskandidaten in Washington, dass Versprechen zu Frauenrechten nicht ausreichen werden, um sich bei der nächsten Wahl die Unterstützung der Frauen zu sichern. (Bild: Harvey Georges)

Vom Vater verlassen, von Männern belächelt

1934 im US-Staat Ohio geboren, hatte sie eine harte Kindheit. Die Familie lebte in einem Wohnwagen. Der Vater verliess sie, als sie erst zehn Jahre alt war, und sie musste sich um ihre psychisch kranke Mutter kümmern. Erst mit 12 Jahren konnte sie regelmässig die Schule besuchen.

Dennoch schaffte sie es an die Uni und arbeitete danach als freie Journalistin. 1963 gelang ihr in dem von Männern dominierten Business der Durchbruch: Nachdem sie undercover im «Playboy-Bunny»-Kostüm als Cocktail-Kellnerin gearbeitet hatte, veröffentlichte sie einen Enthüllungsbericht über das zwielichtige und sexistische Imperium von Hugh Hefner.

Ernst genommen wurde sie als Frau dennoch nicht. Trotzdem wagte sie sich an weitere schwierige Themen zu Frauenrechten. 1972 gründete sie mit anderen feministischen Aktivistinnen das Magazin «Ms.» – die erste Zeitschrift, die ausschliesslich von Frauen betrieben wurde. Das Magazin erscheint bis heute.

Gloria Steinem 1981 bei einer Demonstration vor dem Weissen Haus. (Bild: Scott Applewhite)

Kritik kam auch aus den eigenen Reihen

Steinem schrieb zahlreiche Essays und Bücher, hielt Reden und machte sich für jene stark, die ignoriert wurden. Doch sie polarisierte auch. Sogar innerhalb der feministischen Bewegung.

Manche warfen ihr vor, dass sie nicht durch Leistung bekannt wurde, sondern weil sie jung und weiss sei. Sie sei «zu glamourös» für eine Feministin und schlage Profit aus ihrer Rolle. Sie sei zwar ein «Star», aber keine Anführerin.

Auch Kritik an ihren Äusserungen gab es immer wieder. Wegen eines Artikels von 1977 galt sie als Gegnerin von Transgender-Frauen. Und als Bill Clinton 1998 sexuelle Belästigung vorgeworfen wurde, schrieb Steinem, das sei nur ein «grober, dummer und leichtsinniger Annäherungsversuch» gegenüber einer Anhängerin gewesen.

Beides bereute sie später und stellte klar, dass das Leben von Transgender-Personen «gefeiert und nicht infrage gestellt werden.» Und: «Wir müssen Frauen Glauben schenken.»

Gloria Steinem 2017 an der «Women's March on Washington»-Kundgebung. (Bild: John Minchillo)

Nun ist Steinem friedlich eingeschlafen. «Umgeben von einigen der vielen Menschen, die sie liebten», teilten ihre Angehörigen auf Instagram mit. Eine Todesursache wurde zunächst nicht genannt.

In einem Interview mit «The Observer» sagte sie 2011: «Ich hoffe, 100 Jahre alt zu werden. Es gibt so viel zu tun.» Und gegenüber der «BBC» äusserte sie 2024 die Hoffnung, ihr Vermächtnis «könnte einzelnen Menschen helfen, mehr zu der einzigartigen, wertvollen, geliebten und liebenswerten Person zu werden, die sie sein wollen.»

 
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