Sie lächelt nicht für Trump: Darum reizt Kaitlan Collins den Präsidenten so
«Kaitlan, du solltest mehr lächeln.» Mit diesem Satz wandte sich Donald Trump am Freitag vor einer Woche an eine der bekanntesten politischen Journalistinnen der USA. Kaitlan Collins sass nur wenige Meter von ihm entfernt – in einem Saal voller Minister, Regierungsmitarbeiter und Medienschaffender. Doch statt grossem Gelächter folgte auffällige Stille.
In der Schweiz ist Collins bislang kaum bekannt. In den USA hingegen gehört die 34-Jährige zu den prominentesten Journalistinnen ihrer Generation. Sie berichtet seit Jahren direkt über Trump, ist CNN-Chefkorrespondentin im Weissen Haus und moderiert auf dem Sender eine abendliche Nachrichtensendung.
Kein lustiger Abend
Die Szene spielte sich beim White House Correspondents' Dinner ab, einem traditionsreichen Anlass in Washington, bei dem der US-Präsident und die Medien normalerweise auch über sich selbst und einander lachen. Das Dinner soll die Bedeutung der freien Presse feiern und Präsidenten die Gelegenheit geben, sich für einen Abend selbstironisch zu zeigen.
Trump hatte den Anlass während seiner ersten Amtszeit gemieden. Nun stand er erstmals als Präsident selbst auf der Bühne. Zu Beginn schlug er versöhnliche Töne an und erklärte, er respektiere die meisten Anwesenden. Wenig später griff er politische Gegner, Prominente und Medienschaffende an.
Besonders persönlich wurde es bei Collins. Kurz zuvor hatte ihr der frühere CNN-Moderator Wolf Blitzer den Preis der Korrespondentenvereinigung für herausragende Berichterstattung unter Zeitdruck überreicht. Ausgezeichnet wurde Collins für ihre Live-Berichte über das eskalierte Treffen zwischen Trump und Selenski im Oval Office.
Trump erklärte den Preis für ungerechtfertigt. Dann sagte er, Collins lächle nie, und forderte sie erneut auf, dies häufiger zu tun. Bei einem Anlass, an dem selbst über scharfe Witze gelacht wird, blieb es ausgerechnet nach diesem Angriff auffällig still.
Immer zurück zur Frage
Der Vorwurf ist nicht neu. Bereits im Februar hatte Collins Trump zu den Epstein-Akten befragt. Er bezeichnete sie daraufhin als «schlechteste Reporterin» und sagte ebenfalls, sie lächle nie. Warum der Präsident so fixiert auf ihr Lächeln ist, weiss Collins selbst nicht. Sie macht es seit Jahren gleich: Sie stellt eine Frage, Trump weicht aus oder greift sie persönlich an – und sie kehrt zur Frage zurück. Kein Hin und Her, keine persönliche Retourkutsche. Sie bleibt professionell.
Einige Tage nach dem Dinner sprach Collins in der «Daily Show», einer satirischen US-Nachrichtensendung, mit Moderator Jon Stewart über den Vorfall. Sie sagte, Trump umgebe sich mit Menschen, die ihn lobten oder über seine Witze lachten. Werde er mit einer kritischen oder herausfordernden Frage konfrontiert, gefalle ihm das nicht und er greife persönlich an.
Sie erzählte von Momenten, in denen sie als Teil des Fernseh-Pools das Oval Office betrat und Trump sie bereits kritisierte, bevor sie überhaupt eine Frage stellen konnte. Es ist also nicht immer nur die Frage, die ihn stört. Manchmal scheint bereits ihre Präsenz im Raum zu genügen. Trotz der persönlichen Angriffe halte sie an ihren Fragen fest und kehre immer wieder zu ihnen zurück. Dadurch werde oft sichtbar, welche Antwort Trump nicht geben wolle.
Collins selbst macht daraus dennoch keine persönliche Geschichte. «Es geht wirklich nicht um mich», sagte sie. Ihre Kolleginnen und Kollegen versuchten, gute Arbeit zu leisten, schwierige Fragen zu stellen und gründlich zu berichten. «Das ist wichtig und dabei muss man nicht lächeln.»

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