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Warum Trump plötzlich wieder auf die Schweiz losgeht

Der amerikanische Präsident droht der Schweiz mit einem Handelsstopp. Und er nimmt einen neuen Anlauf, um das iranische Regime in die Knie zu zwingen.
Der amerikanische Präsident hat in den vergangenen Wochen mehrmals die Schweiz kritisiert. (Bild: Al Drago/EPA)

Der amerikanische Präsident hat die Schweiz wiederentdeckt. Zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit behauptete Donald Trump am Mittwoch, die Schweiz verdanke ihren Reichtum den USA. Auch stiess der Republikaner erneut eine wilde Drohung in Richtung Bern aus: «Ich habe das absolute Recht, sämtlichen Handel mit einem Land wie der Schweiz zu stoppen.» Diese Massnahme, sagte Trump, würde zum wirtschaftlichen Zusammenbruch des angeblichen «Elite-Staates» führen.

Immerhin verkündete der Präsident im gleichen Atemzug auch, dass er die Schweiz nicht an den Pranger stellen wolle. Andere Staaten profitierten ebenfalls von der grössten Volkswirtschaft der Welt, sagte er. In einem früheren Interview, in dem sich Trump ebenfalls ausführlich über die Schweiz beschwerte, hatte er gesagt: «Glücklicherweise bin ich eine nette Person», als wolle er betonen, dass es sich bei seinen Aussagen über einen vollständigen Handelsstopp um eine leere Drohung handle.

Trump operiert mit falschen Zahlen

Was also steckt hinter den neuerlichen Attacken des Republikaners gegen die Schweiz? Der Präsident ist überzeugt, dass die Amerikaner zu hohe Zinsen zahlen, besonders im Vergleich mit anderen Ländern. Das hängt mit seinem Werdegang zusammen: Der ehemalige Baumeister aus New York war stets ein Anhänger von tiefen Zinsen, weil er oft auf Pump lebte und davon profitierte, wenn die Wirtschaft anzog.

In seinen Tiraden gegen die Schweiz allerdings operiert Trump mit falschen Zahlen. Er scheint der Meinung zu sein, dass die Schweizerische Nationalbank den Leitzins auf 0,5 Prozent festgelegt hat. Wahr ist: Seit Juni 2025 liegt der offizielle Zinssatz in der Schweiz bei 0 Prozent. Aber der Unterschied zum Zinsniveau in den USA ist dennoch frappant, zum grossen Ärger des Präsidenten.

Die wiederholten Attacken Trumps sorgen in Bern für eine gewisse Unruhe. Der Zollstreit zeigte, dass es nie gut ist, wenn der amerikanische Präsident wütend auf die Schweiz ist. So beschwerte sich Trump 2025 und 2026 monatelang über die damalige Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter, die ihn telefonisch gebeten hatte, die Strafzölle auf Schweizer Importe zu senken.

Offiziell will das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) aber keine Stellung nehmen. Sowohl das Wirtschaftsdepartement von Bundesrat Guy Parmelin als auch das Seco hätten «die Aussagen des amerikanischen Präsidenten» zur Kenntnis genommen, sagt Seco-Sprecher Fabian Maienfisch auf Anfrage von «Schweiz heute». «Wir kommentieren diese nicht weiter.» Im Übrigen strebt die Schweiz weiterhin den Abschluss eines rechtsverbindlichen Abkommens mit den USA an. Ein solcher Handelspakt müsste von Trump genehmigt werden. Der scheint derzeit kein Interesse daran zu haben, eine Verständigung mit dem «Elite-Staat» zu finden.

Trump kündigt Wirtschaftskrieg gegen den Iran an

Oder vielleicht fehlt dem Präsidenten schlicht die Zeit, sich eingehend mit den bilateralen Handelsbeziehungen zu beschäftigen. Denn zweieinhalb Monate vor dem nächsten Urnengang in den USA hat Trump alle Hände voll zu tun, um die aufgebrachten Wählerinnen und Wähler zu besänftigen. Die sind wütend über die stotternde Konjunktur und den immer noch andauernden Konflikt mit dem Iran.

Trump nimmt aktuell einen neuen Anlauf, den Krieg in Nahost zu beenden. In der Nacht auf Donnerstag kündigte er auf seinem Online-Dienst Truth Social neue ökonomische Zwangsmassnahmen gegen diejenigen Staaten an, die immer noch Handel mit dem Iran treiben würden. Er sprach in diesem Zusammenhang von einem «Wirtschaftskrieg» und einem «wirtschaftlichen D-Day», der nun dem Iran drohe.

Der Hauptabnehmer von iranischem Erdöl ist China. Trump schwieg sich darüber aus, wie genau er Peking davon abhalten will, Rohstoff aus dem Iran zu kaufen – nachdem die amerikanischen Streitkräfte grosse Anstrengungen unternommen haben, die Strasse von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr wieder zu öffnen.

Das Regime in Teheran reagierte ungerührt auf die Ankündigung Trumps. Aussenminister Abbas Araghchi sagte auf X, der US-Präsident wolle von seinen wirtschaftspolitischen Problemen ablenken, den hohen Staatsschulden und den steigenden Zinskosten.

Diese Bemerkung wird Trump, langjähriger Anhänger tiefer Zinsen, besonders ärgern.

 
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