Widerstand gegen die «Woke-Brigade»: Bizarrer Streit um Titanic-Kinderrutsche
Auf einer Familienfarm in England sorgt ausgerechnet die «Titanic» für reichlich Wellengang – oder besser: für einen Sturm im Wasserglas. Eine seit Jahren betriebene Kinderrutsche, die dem 1912 gesunkenen Passagierschiff nachempfunden ist, hat unter Eltern einen Streit über die Grenzen der Pietät ausgelöst. Was eine dankbare Steilvorlage für britische Boulevardblätter darstellt.
Die Attraktion steht auf der Graveley Farm in Hitchin in der Grafschaft Hertfordshire. Für zwei Pfund können Kinder an Bord einer Titanic-Nachbildung gehen. Dann hebt sich der Bug des Schiffes mechanisch in die Höhe – und die kleinen Passagiere sausen über vier Rutschen hinunter in die Auffangmatten.
Selbst die Tickets greifen das Thema auf: Sie werden als «Boarding Passes» ausgegeben, eine Fahrt wird als «wreck», also als Schiffsunglück, bezeichnet.

Die Rutsche ist keineswegs neu. Seit mehreren Jahren gehört sie zum Angebot des Bauernhofs, der im Sommer auch Früchte zum Selberpflücken sowie einen Spielplatz und Minigolf anbietet. Sie ist nicht einmal die einzige Titanic-Rutsche in Grossbritannien.
So steht beispielsweise eine weitere im Freizeitpark Crocky Trail in Cheshire. Nun aber entdeckten Eltern die Attraktion offenbar neu – und machten ihrem Ärger auf Facebook Luft.
Ein Vater bezeichnete die Rutsche als eine der «geschmacklosesten und respektlosesten» Kinderattraktionen, die er kenne. Das berichtete die «Sun» am Wochenende. Er könne nicht verstehen, wie man aus einer Katastrophe, bei der rund 1500 Menschen starben, ein Spiel machen könne.
Eine weitere Kritikerin zog gar einen Vergleich mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York: Eine Attraktion rund um die Twin Towers würde schliesslich ebenso wenig jemand akzeptieren.
Die Betreiber reagierten zunächst auf die Kritik. Man mache sich keineswegs über die Katastrophe lustig, versicherte die Farm und kündigte an, den Namen der Attraktion zu ändern.
Doch dann kam die Kehrtwende.
Fans forderten, am Namen festzuhalten
Farmmanager Will zufolge meldeten sich deutlich mehr Besucher, die ihn aufforderten, sich nicht der «woke brigade» zu beugen. Also erhielt die Rutsche ihren alten Namen zurück. Rund 500 Menschen würden die Attraktion täglich benutzen, sagte er der «Daily Mail». Beschwert hätten sich bisher lediglich eine Handvoll Personen.
Auch den Vorwurf der Pietätlosigkeit weist der Manager zurück. Die Titanic-Katastrophe liege mehr als 110 Jahre zurück, Überlebende gebe es keine mehr. Der Name «Titanic» sei längst zu einem festen Begriff geworden. Zudem verweist er darauf, dass auch andere Ausstellungen und immersive Erlebnisse die Geschichte des Unglücksschiffs kommerziell aufbereiten.
Will geht sogar noch einen Schritt weiter: Könnte man mit den Geistern der Menschen sprechen, die damals ums Leben kamen, würden diese seiner Ansicht nach womöglich freundlich darauf reagieren, dass eine Kinderrutsche in Erinnerung an das Schiff so vielen Menschen Freude bereite.

Die echte RMS Titanic sank am 15. April 1912 auf ihrer Jungfernfahrt von Southampton nach New York, nachdem sie im Nordatlantik mit einem Eisberg kollidiert war. Rund 1500 der etwa 2200 Menschen an Bord kamen ums Leben. Über den Untergang sind zahllose Bücher und mehrere Verfilmungen erschienen; am erfolgreichsten 1997 in der Fassung von James Cameron mit Kate Winslet und Leonardo DiCaprio in den Hauptrollen.
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