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Das Material als grösster Gegner

Vor der Heim-WM lassen Nino Schurter und Jolanda Neff keine Fragen über die Favoritenrolle im Cross-Country offen. Der Samstag soll ein goldener Tag werden.
Jolanda Neff brennt auf die Titelverteidigung
Jolanda Neff brennt auf die Titelverteidigung (Bild: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER)

Die Vorzeichen sind glänzend. Mit Jolanda Neff als grosse Favoritin bei den Frauen, mit Rekordmann Nino Schurter, Mont-Sainte-Anne-Sieger Mathias Flückiger und Europameister Lars Forster bei den Männern, hält Swiss Cycling diverse Trümpfe in den Händen. Es müssten zwei ganz verrückte Rennen sein, sollte das Gastgeberland am Samstag in den Hauptrennen des Cross-Country leer ausgehen, zumal sich zu den Schweizer Leadern auch noch Routinier Florian Vogel und vier weitere starke Teamkollegen gesellen und Linda Indergand mehr draufhat, als die jüngsten Resultate vermuten lassen.

Sowohl Nino Schurter als auch Jolanda Neff, die beiden Nummern 1 im Cross-Country, steuern in bester Verfassung auf das Saisonhighlight in den Bündner Bergen zu. "Ich bin optimal vorbereitet und fühle mich sehr gut", liess Schurter zwei Tage vor dem Rennen verlauten. Mit dem Sieg beim Weltcup-Finale in La Bresse vor zwei Wochen und einer dominanten Kurzvorstellung im Team-Wettkampf vom Mittwoch unterstrich der sechsfache Weltmeister, dass die Bronchitis, die ihn vor einem Monat kurzzeitig geschwächt hatte, kein Faktor mehr ist und der Sieg unter normalen Umständen über ihn führen wird. Seit fast zwei Wochen hält sich der Churer fast permanent in der Heidner Höhenluft auf.

Neff hatte dagegen bei der Ouvertüre am Mittwoch einige Probleme. Weil sie am Anfang zu sehr aufs Tempo drückte, litt sie in der Folge und büsste auf die schnellsten Frauen Zeit ein. Doch als Alarmzeichen müsse dies nicht gedeutet werden, beruhigte die 25-jährige Ostschweizerin: "Ich kenne die Strecke bis ins letzte Detail und bin bereit. Die letzten drei Rennen waren fantastisch." Mit den letzten drei Rennen meinte sie: die EM in Glasgow und die beiden Weltcup-Stationen in Mont-Sainte-Anne und La Bresse. Alle drei entschied Neff für sich, dazu zum dritten Mal den Gesamtweltcup.

So gut die Form der beiden Aushängeschilder ist, so unverrückbar bleiben die Unwägbarkeiten dieses Geschäfts. Die Gefahr eines Defekts ist immer da, und ein solcher - nicht selten unverschuldet - könnte den beiden am ehesten einen Strich durch die Rechnung machen. Beide hoffen, dass sie unversehrt bleiben - auch deshalb, weil sie in den letzten Wochen diesbezüglich vorgeholt haben. Schurter wurde heuer primär wegen Materialschäden und einem vielleicht nicht mehr ganz funktionstüchtigen Klickpedal im Zielsprint von Stellenbosch einige Male geschlagen, Neff musste in La Bresse gleich zweimal die Werkstatt ansteuern, gewann aber trotzdem. "Das Thema 'Platten' habe ich hoffentlich durch", sagte Neff. Und Schurter gestand: "Das Material ist für mich ein steter Unsicherheitsfaktor. Ich fahre deshalb mit eher schweren und dafür stabileren Teilen."

Damit sie ihre technischen Fähigkeiten ideal ausspielen können, hoffen beide auf etwas Regen - vor, aber nicht während dem Rennen. "Regen im Rennen würde alles etwas unberechenbarer machen", so Schurter, der sich faire Bedingungen wünscht. Die Gefahr eines Sturzes oder Defektes wäre bei einem Regenrennen in der Tat um ein Vielfaches grösser.

Sollten Neff und Schurter doch aus den Medaillen-Entscheidungen fallen, wäre das aus Schweizer Sicht längst nicht aller Tage Abend. Vor allem bei den Männern lauern mehrere Athleten von Swiss-Cycling hinter dem Dominatoren. Mathias Flückiger und Lars Forster haben ihr Siegpotenzial schon bewiesen in dieser Saison. Der hoch veranlagte, aber oft vom Pech verfolgte Oberaargauer Flückiger triumphierte nach dem EM-Verzicht in Kanada, der auch im Radquer versierte St. Galler Forster holte sich mit einem entfesselten Auftritt den EM-Titel in Glasgow.

Bei den Frauen verzeichnete Linda Indergand bislang eine unglückliche Saison. Umso motivierter ist die 25-Jährige vor Heimpublikum. Alessandra Keller, die sich dem Podest immer mehr annäherte, muss dagegen aus reglementarischen Gründen am Freitag in der U23-Kategorie antreten. Dort dürfte sich die 23-Jährige mit Sina Frei ein Schweizer Duell um Gold liefern. (sda)

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