Sieg von Abdul El-Sayed verschärft Streit in der Demokraten-Partei
Er kann es einfach nicht lassen: Abdul El-Sayed, Linksaussen-Kandidat der Demokraten in Michigan, zündelte auch im Moment seines grossen Erfolges weiter. «Geniess deine Pension!», rief er seinem geschlagenen republikanischen Gegner Mike Rogers am Wahlabend bei seiner Siegesrede zu. «Mögen wir Leute wie dich nie wieder in diesem Bundesstaat sehen». Auch in Richtung des US-Vizepräsidenten schoss El-Sayed munter weiter: «JD, Habibi, es gibt eine süsse Ironie darin, dass du mich im Januar gemäss Verfassung persönlich vereidigen musst.»
Der 42-jährige Demokrat fährt damit seine Strategie der unbegrenzten Provokation wie im Wahlkampf fort, selbst dann, wenn sie nicht mehr nötig wäre. Den ersehnten Wahlsieg und damit das Senatorenamt für den umkämpften Staat Michigan hat El-Sayed am Dienstag überraschend deutlich gewonnen. Dies, obwohl lange Zweifel bestanden, ob ein so weit links stehender Kandidat wirklich die ganze demokratische Wählerschaft hinter sich versammeln kann, welche die Demokraten in einem Swing State für einen Sieg brauchen.
Siegreich trotz mehrerer Ohrfeigen von Parteifreunden
Konkret ging es um die Fragen, ob Abdul die Stimmen der schwarzen Wählerschaft gewinnen kann, obwohl deren Verhältnis zur arabisch-amerikanischen Bevölkerung von Spannungen geprägt ist. Und ob auch die rund 100'000 jüdischen Stimmberechtigten in Michigan trotz El-Sayeds israelkritischen Positionen für ihn stimmen würden.
Am Wahlabend wurde dann schnell klar: Ja, El-Sayed hat eine Mehrheit der Wählerinnen und Wähler trotz aller Kontroversen hinter sich.
Damit entschied er nicht nur einen äusserst gehässigen Wahlkampf für sich. Sein Triumph ist auch ein Sieg für den linken Parteiflügel der Demokraten im Machtkampf mit der moderaten Parteispitze. Diese hatte im Sommer versucht, El-Sayeds Kandidatur mit Unterstützung für seine parteiinternen Konkurrentinnen zu verhindern. Nun hat sich mit El-Sayed aber der Kandidat durchgesetzt, vor dem die eigenen Leute ursprünglich warnten und den sie für nicht mehrheitsfähig hielten.
Der Wahlerfolg El-Sayeds stellt die demokratische Parteiführung nun vor wuchtige Probleme. Denn die mächtigsten Demokraten im Kongress vertreten bei weitem nicht so radikale Positionen wie ihr neuer Amtskollege. Sie wollen die Migrationsbehörde ICE nicht komplett abschaffen und auch keine komplett kostenlose Gesundheitsversorgung. Erst am Wochenende handelte sich der Mediziner auch eine Ohrfeige von Demokraten-Eminenz Nancy Pelosi ein, die seine Haltung zu Israel als «falsch» bezeichnete und fand, er vertrete in dieser Frage nicht die Meinung der Partei.
Sein Sieg ist für die Partei doppeldeutig
All das kümmert den 42-jährigen Michigander, wie sich die Bewohner des Bundesstaats selbst bezeichnen, nach seinem Wahlsieg nun aber noch weniger als zuvor. Wie El-Sayed schon mehrfach bewies, vertritt er seine Positionen kompromisslos und scheut sich nicht, Parteifreunde und selbst Wähler scharf anzugehen, wenn sie sich ihm in den Weg stellen. Das musste etwa seine parteiinterne Konkurrentin Haley Stevens erfahren, die wenige Tage vor der Wahl von einer Veranstaltung El-Sayeds ausgeladen wurde.

Geschadet hat dieser aggressive Kurs El-Sayed kaum. Zumindest ist das die Lesart von El-Sayeds Verbündeten, die in seinem Triumph den Beweis sehen, dass sich auch mit radikal linker Politik und populistischer Rhetorik auch in Swing States gewinnen lässt. Im bevorstehenden Machtkampf um die politische Ausrichtung der Demokraten und die Präsidentschaftskandidatur 2028 liefert ihnen El-Sayeds Sieg damit ein gewichtiges Argument.
Allerdings können auch die moderaten Demokraten, die mit El-Sayeds Positionen nichts anfangen können, aus den Wahlergebnissen Argumente für ihren Kurs ableiten. Denn sie können darauf verweisen, dass gemässigtere Kandidaten in Michigan und anderswo deutlich besser abschnitten als El-Sayed, der lediglich mit etwas mehr als 52 Prozent der Stimmen gewann.
Auf lange Sicht ist El-Sayed für die zentristischen Demokraten aber womöglich eine grössere Gefahr als radikale Republikaner vom Schlage Trumps. Denn gegen politische Gegner lässt sich leichter mobilisieren als gegen die eigenen Parteifreunde.
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