Mit Putin und Trump? Selenski schlägt neue Friedensgespräche in der Schweiz vor
Die Schweiz könnte erneut zum Schauplatz von Friedensgesprächen über den Ukraine-Krieg werden. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat die Eidgenossenschaft am Dienstag neben der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten als möglichen Austragungsort vorgeschlagen.
Das Treffen könnte schon diesen Herbst im Rahmen eines neuen trilateralen Verhandlungsformats zwischen der Ukraine, Russland und den USA stattfinden. Genauere Angaben dazu machte Selenski vorerst nicht. Die letzte trilaterale Verhandlungsrunde auf Stufe Unterhändler endete im Februar in Genf ohne konkrete Ergebnisse.
Allerdings folgten Spekulationen, dass sogar ein Gipfeltreffen mit Trump und Putin angedacht sein könnte. Kiew reagierte später am Dienstagabend auf ein vorgängig stattgefundenes Telefonat zwischen Donald Trump und Wladimir Putin: Man habe von diesem Telefonat Kenntnis genommen, hiess es aus Selenskis Präsidialbüro, ohne näher ins Detail zu gehen.
Im Interview mit dem TV-Sender RBC Ukraine zeigte sich Selenski vorsichtig optimistisch, dass die Friedensbemühungen diesmal neue Fahrt aufnehmen könnten. Die beiden US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner hätten nach ihrem jüngsten Besuch in Moskau und Kiew mehrere «gute und vernünftige» Ideen für ein mögliches Friedenspaket präsentiert.
Ob daraus tatsächlich ein tragfähiger Kompromiss entstehen kann, sei allerdings noch offen. Die Vorschläge würden nun gemeinsam mit den USA und den europäischen Partnern geprüft.
Der ukrainische Präsident hofft zudem auf ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump am Rande der UNO-Generalversammlung in der zweiten Septemberhälfte. Dort will er erneut auf zusätzliche amerikanische Patriot-Raketen drängen, um die Flugabwehr gegen russische ballistische Raketen zu stärken. Gleichzeitig wirbt Kiew um Unterstützung für sein neues Raketenprogramm «Freya».
Inhaltlich zeichnen sich erste mögliche Schwerpunkte für neue Verhandlungen ab. Nach Angaben von Selenski könnten insbesondere die gegenseitige Schonung der Energieversorgung und der unbehinderte Getreideexport Ansatzpunkte für Vereinbarungen bieten.
Beide Themen seien nicht nur für die Kriegsparteien von zentraler Bedeutung, sondern auch für zahlreiche Staaten im Nahen Osten, in Asien und Afrika, die von ukrainischen Getreidelieferungen abhängig sind. Kiew signalisiert dabei grundsätzlich Kompromissbereitschaft, sofern daraus konkrete Ergebnisse entstehen.
Wieder russische Luftangriffe auf Kiew
Die neue diplomatische Initiative folgt auf eine intensive Pendelmission der beiden US‑Unterhändler. Witkoff sprach nach seinen Gesprächen mit Kremlchef Wladimir Putin von «substanziellen Fortschritten».
Auch Moskau schliesst eine Wiederaufnahme trilateraler Gespräche nicht aus. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, Russland begrüsse die Vermittlungsbemühungen der USA. Dies soll auch Putin am Telefon mit Trump bekräftigt haben.
Gleichzeitig macht der Kreml deutlich, dass sich seine grundsätzliche Haltung nicht geändert hat. Peskow zeigte sich am Dienstag in Moskau demonstrativ siegessicher und erklärte, Russland sei überzeugt, dass «der Sieg sehr nah ist».
Der Kreml verweist auf angebliche militärische Erfolge und hält weiterhin an seinen Maximalforderungen fest. Dazu gehören die Anerkennung der russischen Gebietsgewinne, ein Regimewechsel, die Halbierung der Armee sowie ein Verzicht der Ukraine auf einen Nato-Beitritt.
Auch spricht die militärische Realität bisher gegen eine rasche Einigung. Kaum waren die amerikanischen Unterhändler aus Kiew abgereist, griff Russland die ukrainische Hauptstadt erneut mit Raketen und Drohnen an. Nach ukrainischen Angaben wurden dabei mindestens drei Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt.
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