Selenski schreibt offenen Brief an Putin und erwähnt die Schweiz – so reagiert der Kreml
Der Text, der auf der Seite des ukrainischen Präsidialbüros und auf Selenskis X-Account veröffentlicht wurde, thematisiert den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine.
Als Putin vor über 26 Jahren an die Macht in Russland gekommen sei, hätten viele Ukrainer ein positives Bild von ihm gehabt. Nun sei es aber so, dass sie ein positives Bild der ukrainischen Langstreckendrohnen hätten, die diese Woche nahe St.Petersburg eingeschlagen sind, schreibt Selenski.
Putin habe fast die Hälfte dieser 26 Jahre im Amt damit verbracht, Krieg gegen die Ukraine zu führen, schreibt er weiter. Er spielt damit auf die russische Invasion und Annexion der Halbinsel Krim im Jahre 2014 an, die seither de facto Russland gehört. Putin habe diesen Krieg, der keinen wirklichen Grund habe, persönlich gewollt, und so werde die Geschichte ihn auch in Erinnerung behalten.

Warnende Worte
Man höre oft, dass Putin zufrieden mit dem Verlauf des Kriegs sei, doch sei auch zu sehen, dass das russische Volk zunehmend unzufrieden sei – mit den Drohnenschlägen, mit den hohen Benzinpreisen, mit den konstanten Repressionen. Putin verliere nicht nur den Rückhalt der Bevölkerung, sondern auch zunehmend die Ressourcen – insbesondere die Manneskraft aufgrund der hohen Verluste an der Front – um den Krieg zu führen.
Alleine im Mai sollen über 30'000 russische Soldaten getötet oder schwer verwundet worden sein. 63 Prozent aller Verluste gingen auf Tode zurück, während nur 37 Prozent verwundet würden – keine moderne Armee könne sich ein solches Verhältnis leisten.
Auch aussenpolitisch stehe es nicht gut für Russland, so Selenski. Moskau sei zum ersten Mal in der Geschichte vollständig vom Ausland abhängig – nämlich von China. Und Putin sei der erste russische Herrscher, der Nordkorea um Hilfe bitten musste.
Treffen – möglicherweise in der Schweiz
Selenski schlage ihm deshalb ein Treffen vor, um den Krieg zu beenden. Dieses solle weder in Moskau noch in Kiew stattfinden; stattdessen in der Schweiz, der Türkei oder einem arabischen Land. Es gebe genug Länder, die solch ein Treffen gerne ausrichten würden.
Die europäischen Länder und die USA sollen in die Besprechungen mit einbezogen werden, zumal sie die von beiden Seiten gewünschten Garantien bieten können. Die Ukraine sei bereit, für die Dauer der Gespräche einen umfassenden Waffenstillstand zu akzeptieren und einen All-for-all-Gefangenenaustausch durchzuführen.
Und zum Schluss ermahnt Selenski Putin: «Sie können ihren Krieg beenden.» Sollte er dies nicht tun, würde die Ukraine weiter kämpfen, und Putin müsse dann noch härter um sein Überleben kämpfen – nicht wegen der Ukrainer, sondern wegen Russland. Denn es sei historischer Fakt, dass der Wandel komme, wenn die Russen müde werden.
Trump gefällt Idee – Kreml geht nicht auf Brief ein
In den USA stiess Selenskis Vorschlag auf Anklang. US-Präsident Donald Trump sagte vor Journalisten im Weissen Haus auf den Brief angesprochen, dass er es gut fände, wenn es zu einem Treffen zwischen Putin und Selenski käme.
Aus Russland hingegen gab es kaum Interesse an den von Selenski geäusserten Plänen. Kremlsprecher Dmitri Peskow ging vor Journalisten in St. Petersburg nicht auf den Inhalt des Briefes ein. «Präsident Putin hat gesagt, dass Selenski nach Moskau kommen könne, wenn er reden möchte», sagte Peskow. Selenski hatte Moskau als Gesprächsort bereits mehrfach abgelehnt.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben






Kleines Vademecum für Kommentarschreiber
Wie ein Kommentar veröffentlicht wird – und warum nicht.
Wir halten dafür: Wer sich an den gedeckten Tisch setzt, hat sich zu benehmen. Selbstverständlich darf an der gebotenen Kost gemäkelt und rumgestochert werden. Aber keinesfalls gerülpst oder gefurzt.
Der Gastgeber bestimmt, was für ihn die Anstandsregeln sind, und ab wo sie überschritten werden. Das hat überhaupt nichts mit Zensur zu tun; jedem Kommentarschreiber ist es freigestellt, seine Meinung auf seinem eigenen Blog zu veröffentlichen.
Jeder Artikel, der auf vaterland.li erscheint, ist namentlich gezeichnet. Deshalb werden wir zukünftig die Verwendung von Pseudonymen – ausser, es liegen triftige Gründe vor – nicht mehr dulden.
Kommentare, die sich nicht an diese Regeln halten, werden gelöscht. Darüber wird keine Korrespondenz geführt. Wiederholungstäter werden auf die Blacklist gesetzt; weitere Kommentare von ihnen wandern direkt in den Papierkorb.
Es ist vor allem im Internet so, dass zu grosse Freiheit und der Schutz durch Anonymität leider nicht allen guttut. Deshalb müssen Massnahmen ergriffen werden, um diejenigen zu schützen, die an einem Austausch von Argumenten oder Meinungen ernsthaft interessiert sind.
Bei der Veröffentlichung hilft ungemein, wenn sich der Kommentar auf den Inhalt des Artikels bezieht, im besten Fall sogar Argumente anführt. Unqualifizierte und allgemeine Pöbeleien werden nicht geduldet. Infights zwischen Kommentarschreibern nur sehr begrenzt.
Damit verhindern wir, dass sich seriöse Kommentatoren abwenden, weil sie nicht im Umfeld einer lautstarken Stammtischrauferei auftauchen möchten.
Wir teilen manchmal hart aus, wir stecken auch problemlos ein. Aber unser Austeilen ist immer argumentativ abgestützt. Das ist auch bei Repliken zu beachten.
Wenn Sie dieses Vademecum nicht beachten, ist das die letzte Warnung. Sollte auch Ihr nächster Kommentar nicht diesen Regeln entsprechen, kommen Sie auf die Blacklist.
Redaktion Vaterland.li
Diese Regeln haben wir mit freundlicher Genehmigung von www.zackbum.ch übernommen.