Saddam Hussein lässt grüssen: Womit die Iraner Trump jetzt drohen
Die Iraner hätten «noch nicht genug Schmerz erhalten». Er erwäge daher einen Angriff, der «grösser als je zuvor» sein könnte, hatte Donald Trump in dieser Woche dem Magazin «Axios» gesagt. Eine Entscheidung darüber stehe kurz bevor, man sei «vollständig darauf vorbereitet».
Es war die bislang deutlichste einer Serie von Eskalationsdrohungen, seitdem die USA vor rund zwei Wochen ihre Luftangriffe auf den Iran wieder verschärft haben – mittlerweile die 13. Nacht in Folge. Die Angriffe in der Nacht zum Freitag hätten iranischen Kommandozentralen, Drohnenlagern und maritimen Fähigkeiten gegolten, verkündete das amerikanische Oberkommando.
Unter Analysten überwiegt indes Skepsis, ob weitere US-Drohungen gegen den Iran etwas bewirken. Jonathan Panikoff, ehemals stellvertretender US-Geheimdienstoffizier für den Nahen Osten und heute am Atlantic Council, sieht keinen Grund zur Annahme, dass eine neue Angriffswelle die iranischen Machthaber zum Umdenken bewegen könnte. Sie könnte Teherans Position eher verhärten.
Laut CNN kam die CIA in internen Einschätzungen bereits zum Schluss, die laufende Bombenkampagne werde Irans Verhandlungsposition kaum verändern. Danny Citrinowicz vom israelischen Institute for National Security Studies erwartet, Iran werde auf wachsenden Druck mit Gegenschlägen reagieren statt einzulenken.

Auch Bodenoperationen sind für die Amerikaner kein Tabuthema mehr. Laut NBC-Recherchen soll Trump gegenüber Beratern und republikanischen Vertretern ein Interesse an der Entsendung von Bodentruppen gezeigt haben – nicht als vollständige Invasion, sondern als begrenzter Einsatz, etwa zur Sicherung von Irans hochangereichertem Uran. Das Weisse Haus dementierte offizielle Pläne. Zuvor war bereits über eine mögliche Besetzung der Ölverladeinsel Kharg sowie von Inseln an der Strasse von Hormus spekuliert worden.
Teherans neue Eskalationsstufe
Auf iranischer Seite werden die Drohungen unterdessen ebenfalls schärfer. Sie richten sich explizit gegen die Nachbarstaaten Kuwait und Bahrain. Der Abgeordnete Ahmad Bakhshayesh Ardestani, bis vor kurzem auch Mitglied der parlamentarischen Sicherheitskommission, erklärte, Teheran könne Bodenangriffe auf beide Länder starten, sollten die USA iranisches Territorium besetzen.
Verschärft wurde die Drohung durch Berichte, wonach der einflussreiche Analyst Mahdi Khanalizadeh und der frühere Aussenminister Manouchehr Mottaki offen über eine iranische Bodenoffensive zur Einnahme US-amerikanischer Stützpunkte in Kuwait gesprochen hätten.
Konkret genannt wurden Camp Buehring, Camp Arifjan und die Ali-Al-Salem-Airbase, wo US-Soldaten als Geiseln genommen werden sollten. Iranische Vergeltungsoperationen könnten auch im Königreich Bahrain durchgeführt werden, dessen Bevölkerung mehrheitlich schiitisch ist. Fast jede Nacht kommt es dort zu Demonstrationen gegen das sunnitische Herrscherhaus. Auf Intervideos sieht man lokale Schiiten, die den Einschlag iranischer Drohnen lautstark bejubeln.
Erinnerungen an «Operation Desert Storm»
Der letzte Überfall eines Nachbarlandes auf Kuwait liegt fast genau 36 Jahre zurück: Im August 1990 hatte der irakische Diktator Saddam Hussein Kuwait besetzt, um das Emirat als «19. Provinz des Irak» zu annektieren – eine Invasion, die die USA unter Präsident George H. W. Bush mit der grössten Truppenverlegung seit dem Vietnamkrieg beantworteten. Bis zum Beginn der «Operation Desert Storm» im Januar 1991 zur Befreiung des Emirates waren über 500'000 US-Soldaten in die Golfregion verlegt worden.
Heute sind es gerade einmal ein Zehntel: Nach aktuellenAngaben waren Mitte Juli gut 50'000 US-Militärangehörige aller Truppengattungen im gesamten Nahen Osten im Einsatz. Wie viele davon Bodentruppen sind, wurde nicht gesagt.
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