Putin, Modi, Trump: Chinas Präsident baut an einer neuen Weltordnung
Es war ein Treffen mit weltpolitischer Signalwirkung: Im kirgisischen Bischkek haben sich die Staatschefs der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) versammelt, um das 25-jährige Bestehen des de facto-Bündnisses zu feiern. Bei der Show stand vor allem eine Person im Mittelpunkt: Chinas Parteichef Xi Jinping.
Diesen Eindruck mussten zumindest all jene Chinesen gewinnen, die das Staatsfernsehen eingeschaltet haben. Denn die Berichte des Senders CCTV waren mit Lobeshymnen auf den 73-Jährigen gespickt.
Der usbekische Präsident Schawkat Mirsijojew sagte demnach zu Xi: «Alle herausragenden Errungenschaften des heutigen China sind von Ihrer persönlichen Weisheit geprägt».
Im Westen bleibt der Gipfel der SOZ weitgehend unbeachtet. Dabei steht das Treffen exemplarisch für eine Verschiebung der globalen Machtverhältnisse: Die Organisation, die 2001 mit China, Russland und vier zentralasiatischen Staaten gegründet wurde und der inzwischen unter anderem Iran, Indien, Pakistan und Weissrussland angehören, ist zu einem Baustein einer alternativen Weltordnung geworden.

Hinter der Propaganda-Fassade wird allerdings deutlich, dass es sich um einen eher losen Staatenbund mit teils widersprüchlichen Interessen handelt. So gibt es nicht nur zwischen Pakistan und Indien offene Konflikte. Beide Staaten haben zudem ungelöste Grenzfragen mit China.
Deutliche Worte an den Kreml-Chef
Auch die Charakterisierung der SOZ als antiwestliches Bündnis greift deutlich zu kurz. Unter den Mitgliedern herrscht keineswegs Konsens darüber, inwieweit die von den USA geprägte internationale Ordnung tatsächlich herausgefordert werden soll. Selbst beim Ukraine-Krieg unterscheiden sich die offiziellen Positionen erheblich.

Der indische Premier Narendra Modi wählte etwa – im Angesicht zu Putin – relativ deutliche Worte: «Wir müssen vom endlosen Krieg zu einem Ende des Krieges und zur Beendigung der Kampfhandlungen gelangen. Und genau in diese Richtung müssen wir uns bewegen». Xi Jinping hingegen kehrte das Thema erneut unter den Teppich. Laut der Aussendung von Xinhua haben er und Putin lediglich über «internationale und regionale Fragen von gemeinsamem Interesse» gesprochen.
Für Xi bildete Bischkek nur den Auftakt für einen bemerkenswerten Reise-Marathon. So wird der chinesische Staatschef anschliessend weiter nach Ägypten reisen, einem der zentralen Vermittler im Iran-Konflikt, gefolgt vom Gipfeltreffen der sogenannten BRICS-Staaten in Neu-Delhi.

Wenig später wird Xi erstmals seit einer Dekade wieder Washington besuchen, wo er auf US-Präsident Donald Trump treffen wird. Möglicherweise könnte er sogar noch eine Rede bei der in New York stattfindenden UNO-Generalversammlung halten.
Die Botschaft hinter Xis Weltreise
Ein solch strammes Reiseprogramm wäre bereits für einen gewöhnlichen Staatschef anstrengend. Doch der 73-jährige Xi ist bekannt dafür, seit der Corona-Pandemie nur mehr selten die hohen Mauern des Pekinger Regierungsviertels zu verlassen. Stattdessen lässt er die Präsidenten dieser Welt lieber zur Grossen Halle des Volkes zitieren, wo er als Gastgeber Audienz gibt.
Wieso also holt Xi ausgerechnet jetzt zu einer solch umfangreichen diplomatischen Charme-Offensive aus?
«Xis Reiseplan vermittelt eine unmissverständliche Botschaft», argumentiert der Sinologe Julian Gewirtz, der unter der Biden-Regierung für China-Angelegenheiten im Nationalen Sicherheitsrat des Weissen Hauses tätig war. «China kann ein internationales Ökosystem aufbauen, das weniger stark auf Washington ausgerichtet ist», schreibt der Experte in seinem aktuellen Newsletter. Während Trump also seine Verbündeten verschreckt, weitet Xi seinen Einfluss aus – von Eurasien bis zum Globalen Süden.
Ryan Hass von der Washingtoner Denkfabrik Brookings sieht darin ein erkennbares Muster: «Peking hat schon Trumps Staatsbesuch im Mai mit Besuchen anderer Staats- und Regierungschefs flankiert, wobei Putin unmittelbar auf Trump folgte», kommentiert der Sicherheitsexperte. Nun wiederholt sich ein ganz ähnliches Szenario. Ehe die zwei mächtigsten Männer der Welt zum Handschlag ansetzen, hat Xi den Kontext für das Treffen bereits gesetzt.
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