­
­
­
­

Proteste in Italien: Blockierte Autobahnen und leere Regale

Lkw-Fahrer und Landwirte machen gegen die Regierung in Rom mobil. In Supermärkten fehlt es an Obst und Gemüse. Ministerpräsidentin Meloni gerät durch das «caro vita» zunehmend unter Druck.
Lastwagen bleiben beim Protest gegen die hohen Treibstoffpreise entlang einer Strasse in Neapel stehen. (Bild: AP)
Leere Regale in einem Supermarkt in Neapel: Ein Hinweis entschuldigt sich bei der Kundschaft für die fehlenden Produkte. Grund dafür ist ein anhaltender Streik der Lastwagenchauffeure. (Bild: AP)

Im Süden Italiens weiten sich die Proteste gegen die hohe Inflation aus. Wegen Strassenblockaden durch Lkw-Fahrer können inzwischen in zahlreichen Supermärkten die Regale nicht mehr gefüllt werden. In Regionen wie Apulien oder Kalabrien hat dies bereits zu Versorgungsengpässen geführt. Die Proteste richten sich insbesondere gegen drastisch gestiegene Dieselpreise, aber auch gegen hohe Mautkosten sowie die verzögerte Auszahlung von staatlichen Hilfen.

Auf wichtigen Verkehrsachsen des Landes wie den Autobahnen A1 und A30 kam es durch die Blockaden zu langen Staus. Auch Raffinerien sowie Zufahrten von Häfen wurden blockiert. Den Protesten haben sich auch Landwirte und Spediteure angeschlossen. Verlangt werden sofortige Steuererleichterungen wie die vollständige Befreiung von Agrardiesel und konkrete Zusagen der Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Die rechte Regierungschefin hat Gespräche zugesagt.

Kein Benzin mehr an Tankstellen, kein Obst in Supermärkten

Betroffen sind hauptsächlich die Regionen Apulien und Kalabrien sowie Italiens grösste Mittelmeerinsel Sizilien. An manchen Tankstellen dort sind Benzin und Diesel ausgegangen. Aus Supermärkten gibt es Berichte über komplett leergeräumte Regale. Vor allem frische Produkte wie Obst und Gemüse sind Mangelware, aber auch andere Lebensmittel waren teils nicht mehr zu bekommen.

Leere Regale in einem Supermarkt in Neapel: Ein Hinweis entschuldigt sich bei der Kundschaft für die fehlenden Produkte. Grund dafür ist ein anhaltender Streik der Lastwagenchauffeure. (Bild: AP)

Die gestiegenen Lebenshaltungskosten – das «caro vita», das teure Leben – sind in Italien bereits seit Monaten ein landesweites Dauerthema. Im September lag die Inflationsrate bei 4,2 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland waren es 3,3 Prozent. Demgegenüber sind die Löhne, die im Durchschnitt ohnehin niedriger liegen als in vielen anderen europäischen Ländern, seit Jahren real nicht gestiegen. Auch bei Schülerdemonstrationen am Freitag vergangener Woche, aus denen in einigen Städten schwere Krawalle wurden, ging es um die hohen Preise.

Regierung verweist auf Milliardenhilfe

Melonis Regierung aus drei rechten und konservativen Parteien gerät durch die Protestbewegung zunehmend unter Druck. Verkehrsminister Matteo Salvini sagte am Mittwoch im Radio, dass der Staat seit März mehr als eine Milliarde Euro an Hilfen für Lkw-Fahrer freigegeben habe. Ministerpräsidentin Meloni hatte im vergangenen Monat bereits angekündigt, dass der Staat im nächsten Jahr auf die Kfz-Steuer teilweise verzichtet. 2027 wird in Italien gewählt. (dpa)

 
Lädt

Schlagwort zu Meine Themen

Zum Hinzufügen bitte einloggen:

Anmelden

Schlagwort zu Meine Themen

Hinzufügen

Sie haben bereits 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

Entfernen

Um «Meine Themen» nutzen zu können, stimmen Sie der Datenspeicherung hierfür zu.

Kommentare
Keine Kommentare

    Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben

Kommentare hinzufügen

Ähnliche Artikel

Abo

Die italienische Angela Merkel: Giorgia Melonis Rekord für die Geschichtsbücher

Am Freitag erreicht die Ministerpräsidentin aus Rom eine besondere Wegmarke: Mit 1413 Tagen ununterbrochener Amtszeit wird sie zu der am längsten amtierenden Regierungschefin der italienischen Nachkriegszeit. Das ist kein Zufall.
02.09.2026

Melonis Regierung beschliesst ein Burkaverbot und eine Sprachquote in Schulklassen

Italiens rechte Regierung ordnet ein Verschleierungsverbot an Schulen an. Was die neuen Regeln für Eltern und Schüler mit geringen Italienischkenntnissen bedeuten.
25.09.2026

Meloni äussert sich zu Schüssen – internationale Medien berichten von «Manhunt»

Ein Todesopfer, fünf Verletzte und die Täterschaft auf der Flucht: Internationale Medien berichten prominent über die Schüsse im Schachen – und Italien trauert um eine junge Frau.
30.08.2026

Wettbewerb

«Auto + Mobilität» Magazin
Autowinter

Umfrage der Woche

Sollen Schülerinnen und Schüler in Liechtenstein «Erste Hilfe» als Teil des Unterrichts regelmässig wiederholen?
vor 23 Stunden
­
­