Dutzende Tote bei Angriffen Pakistans an afghanischer Grenze
Der Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan ist wieder aufgeflammt. Pakistanische Sicherheitskräfte hätten bei Bodeneinsätzen entlang der Grenze zu Afghanistan Extremisten attackiert und anschliessend Angriffe auf Verstecke und Rückzugsorte von Extremisten geflogen, erklärte Informationsminister Attaullah Tarar im Kurznachrichtendienst X. Afghanistan sprach am Montag von mindestens 36 getöteten Zivilisten und mehr als 160 Verletzten und kündigte Vergeltung an.

Tarar erklärte, bei den nächtlichen Angriffen seien Terroristen getötet und Waffen- sowie Munitionsvorräte zerstört worden. Pakistan werde seinen unerbittlichen Kampf gegen den Terrorismus «mit voller Kraft fortsetzen, um die Bedrohung durch den von ausländischen Mächten geförderten und unterstützten Terrorismus aus dem Land zu tilgen». Der Minister veröffentlichte drei Videos, die nach seinen Angaben zeigen, wie Geschosse weitläufige Lager in den afghanischen Provinzen Paktia, Paktika und Kunar treffen.
Afghanistan bestätigte Angriffe in den drei Provinzen. Die Attacken Pakistans hätten Dutzende Zivilisten getötet oder verletzt, darunter Frauen und Kinder, sagte der Sprecher der Taliban-Regierung, Sabiullah Mudschahid. «Wir verurteilen diesen feigen Akt der Aggression aufs Schärfste und betrachten ihn als Verbrechen und als Akt der Grausamkeit», sagte er.

Mudschahids Stellvertreter Hamdullah Fitrat erklärte, pakistanische Streitkräfte hätten ein Haus im Bezirk Chamkani in der Provinz Paktia angegriffen, wobei ein älterer Mann und ein Kind getötet und weitere Familienmitglieder verletzt worden seien. Als Anwohner zu Hilfe eilten, sei die Gegend erneut angegriffen worden. Dabei habe es 28 Tote und 158 Verletzte gegeben. Weitere sechs Menschen seien in der Provinz Paktia getötet worden.
Vize-Informationsminister Hajatullah Mohadscher Farahi kündigte an, Afghanistan werde zu «gegebener Zeit» reagieren.
Der Konflikt schwelt schon seit Monaten
Die Angriffe erfolgten einen Tag nach einem Anschlag bewaffneter Extremisten auf das Provinzhauptquartier der paramilitärischen Pakistan Rangers in der südlichen Hafenstadt Karachi. Dabei wurden drei Soldaten getötet. Sicherheitskräfte erschossen drei Angreifer und nahmen einen weiteren Verletzten fest, den das Militär als afghanischen Staatsangehörigen bezeichnete. Die Gruppierung Jamaat-ul-Ahrar (JuA), eine Abspaltung der pakistanischen Taliban, bekannte sich am Samstagabend zu dem Anschlag in Karachi.

Pakistan wirft Afghanistan vor, extremistische Gruppen zu beherbergen, die tödliche Anschläge in Pakistan verüben. Dazu gehört insbesondere die pakistanische Taliban-Miliz Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP). Die Gruppe ist von den afghanischen Taliban organisatorisch getrennt, jedoch mit ihnen verbündet.
Beide Länder sind seit Monaten in schwere Grenzkämpfe verwickelt, bei denen seit Ende Februar Hunderte Menschen ums Leben gekommen sind. Auslöser war ein grenzüberschreitender Angriff Afghanistans auf Pakistan als Reaktion auf pakistanische Luftangriffe innerhalb Afghanistans. (dpa)
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