«Blauer Tsunami»: So kommentieren Medien die Midterms
Bei den Zwischenwahlen in den USA haben die Demokraten die Mehrheiten im Repräsentantenhaus und auch im Senat gewonnen. Internationale Medien kommentieren das wie folgt:

Wall Street Journal:
«Während für die Demokraten ein Dominostein nach dem anderen fällt, wird (...) viel über das Ende von Präsident Trumps politischem Projekt gesprochen – sofern man überhaupt von einem solchen, in sich schlüssigen Projekt sprechen kann – was nachvollziehbar ist. Die Republikaner werden abgestraft, weil sich Trump in Wirtschaftsfragen immer wieder selbst ein Bein stellt (...) und selbst dann, wenn er tatsächlich einmal recht hat (im Fall vom Iran), damit kämpft, sich verständlich zu machen.»
Washington Post:

«Weder Trump noch die demokratischen Parteiführer werden geneigt sein, Kompromisse einzugehen. Doch genau das ist es, was Amerika braucht. (...) Es stimmt, dass es innerhalb beider Parteien starken, vielleicht sogar überwältigenden Druck geben wird, den politischen Machtkampf fortzusetzen. Doch politische Blockade ist eine bewusste Entscheidung. (...) Das amerikanische Volk hat sich für eine geteilte Regierung entschieden. Das bedeutet jedoch nicht, dass es angesichts einer drohenden Haushaltskrise politische Handlungsunfähigkeit gewählt hat.»
Politico:

New York Times:

«Präsident Trump hat in den vergangenen zwei Jahren versucht, die amerikanische Demokratie zu untergraben. Am Dienstag stellten sich die Wähler ihm entgegen. (...) In den kommenden zwei Jahren, in denen Trump noch Präsident ist, müssen der Kongress und die Richter darauf vorbereitet sein, weiteren Versuchen seinerseits entgegenzutreten, die verfassungsmässige Ordnung zu untergraben. Dennoch ist dies ein Tag, an dem man stolz sein kann. Aufstrebende Autoritäre nutzen Parlamentswahlen oft dazu, ihre Macht zu zementieren und die Demokratie weiter zu untergraben. 2026 hat das amerikanische Volk Trump dies verwehrt. Das System hat standgehalten.»
El País:

«Für die Republikaner war es ein regelrechtes Gemetzel, eine herbe Abstrafung des US-Präsidenten und ein historischer Abend. (...) Angetrieben vom Überdruss der Wähler angesichts einer chaotischen Präsidentschaft voller gebrochener Versprechen, schlug die Opposition mit Wucht gegen Trump zurück – wie ein Kämpfer, der sich nach einer Niederlage wieder aufgerappelt hat. Die Umfragen sagten eine «blaue Welle» voraus, doch (...) ein regelrechter Tsunami fegte schliesslich über die republikanischen Küsten hinweg.»
La Repubblica:

«Trump steuerte tatsächlich auf ein epochales Debakel zu, das ihm voll und ganz selbst zuzuschreiben ist. Das Thema, das die Wähler am meisten beschäftigte, war nämlich die Inflation – ausgelöst und befeuert durch den Krieg im Iran – weshalb die Verantwortung für die Unzufriedenheit direkt beim Chef des Weissen Hauses und seinen Entscheidungen liegt.»
Spiegel:

«Dies war ein Referendum über die ersten zwei Jahre seiner Amtszeit - und das Urteil ist vernichtend: Es ist ein Aufstand der Wählerinnen und Wähler. Alles, was sich bei ihnen in den vergangenen zwei Jahren an Wut und Frust über Trumps Amtsführung aufgestaut hat, hat sich am Dienstag entladen. (...) Ich, ich, ich: Das ist das einzige Motto dieses US-Präsidenten. Das haben nun auch viele seiner Wähler verstanden. (...) Diese Wahl ist ein Grund zur Zuversicht: Eine klare Mehrheit der Amerikaner hat gezeigt, dass sie einen Präsidenten abstraft, der sich wie ein Autokrat gebärdet. Die USA sind und bleiben eine starke, lebendige Demokratie.»
(mit Material der dpa)
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