Dan Sullivan gegen Dan Sullivan – und die kuriosesten Wahlzettel der Welt
Beide sind Republikaner, beide wollen ihren Heimatstaat Alaska im US-Senat vertreten – und sie haben beide denselben Namen. Senator Dan S. Sullivan wird bei den kommenden Zwischenwahlen (Midterms) vom pensionierten Lehrer Dan J. Sullivan herausgefordert.
Nach dessen Einstieg ins Rennen Anfang Jahr, nannte ihn der amtierende Senator einen «Schein-Kandidaten», der im Auftrag der Demokraten versuche, ihm Stimmen abzuluchsen. Alaskas Wahlbehörden schlossen den herausfordernden Sullivan im Juni gar von der Wahl aus. Erst das Oberste Gericht im Bundesstaat ordnete an, ihn doch zuzulassen.
Die Namensvetter sind aber nicht die einzigen zwei Kandidaten auf dem Wahlzettel. Bei den Vorwahlen traten insgesamt 16 Personen an. Die Vorwahlen sind in Alaska parteiunabhängig. Die vier Kandidaten mit den meisten Stimmen treten schliesslich bei den Hauptwahlen am 5. November gegeneinander an. In diese enge Auswahl hat es Dan J. Sullivan nun geschafft, wie die Wahlbehörden in dieser Woche bestätigten.
Wirklich gefährlich dürfte der ehemalige Mitarbeiter des US Forest Service Dan J. Sullivan dem Senator allerdings kaum werden. Er kam auf rund 2,5 Prozent der Stimmen, der Amtsinhaber auf knapp 42 Prozent. Zittern muss Sullivan vielmehr wegen einer Demokratin: Mary Peltola liegt derzeit bei mehr als 49 Prozent. Gewinnt sie im November, würde Alaska erstmals seit 2008 wieder einen Demokraten oder eine Demokratin in den US-Senat schicken.
Kuriose Wahlzettel sind jedoch keine Eigenheit von Alaska – auch nicht der USA. Ein Blick in andere Länder zeigt, wie bizarr Wahlen mitunter werden können.
Russland
Ähnlich wie in Alaska war auf dem Wahlzettel einer Lokalwahl in Russland ein Name mehrfach vertreten. Anders als im amerikanischen Bundesstaat waren Boris Wischnewski Nummer zwei und drei aber die Reaktion der Regierung auf einen liberalen Herausforderer mit ebendiesem Namen. Die beiden «Ablenkungs-Wischnewskis» der Putin-Partei ähnelten dem «Originalen» auch äusserlich. Sie hiessen ursprünglich anders, änderten jedoch ihre Namen offiziell für die Wahlen.
Grossbritannien
Ebenfalls mit einem falschen Namen trat der Gegner von Nigel Farage in der britischen Küstenstadt Clacton um den Wiedereinzug ins Parlament an. Der Comedian namens «Count Binface» trägt einen Eimer-Helm und ein schwarzes Cape. Er versprach im Wahlkampf 99-Cent-Glace, billigere Bustickets und ein Referendum darüber, ob Pluto wieder als Planet anerkannt werden soll. Count Binface kam überraschend auf knapp 27 Prozent der Stimmen. Dennoch verlor er gegen den als «Mr. Brexit» bekannten rechten Politiker am Ende deutlich.

Papua-Neuguinea
Besonders herausfordernd sind die Wahlen in Papua-Neuguinea. Immer wieder werden Unregelmässigkeiten und Gewalt berichtet. Der Inselstaat ist seit 1975 unabhängig und die Heimat Tausender ethnischer Gruppen sowie 800 Sprachen. Demokratie und die traditionellen Clanstrukturen kommen nicht immer reibungslos aneinander vorbei. Im Jahr 2002 wurden in einer Provinz Tausende Wahlzettel verbrannt – dennoch gab es am Ende rund 200'000 Stimmen mehr als registrierte Wählerinnen und Wähler. Regelmässig werden Kleinkinder, Tiere und Pflanzen auf Wahlzettel geschrieben.
Brasilien
Ein spezifisches Tier schaffte es im Jahr 1958 in São Paolo auf den Wahlzettel. Rund 100'000 Menschen stimmten während der Stadtratswahl für Cacareco, ein fünf Jahre altes Nashorn, das im lokalen Zoo zu Hause war. Cacareco gewann die Wahl. Sein Amts durfte der Lokalmatador jedoch nicht ausführen, dagegen wehrte sich die brasilianische Wahlbehörde. Die Wahl wurde zu einem Symbol für den Frust der Bevölkerung über die Politik in Brasilien. Noch heute landen regelmässig Namen von Verstorbenen, fiktive Figuren oder «keine der Genannten» auf dem Wahlzettel. Selbst Cacarecos Name bedeutet übersetzt so viel wie «alter Krempel» oder «Schrott». An seiner Beliebtheit in der Bevölkerung änderte der despektierliche Name nichts.
Weltweit sind immer wieder Katzen, Hunde oder andere Tiere auf Wahlzetteln zu finden. In der kleinen kalifornischen Ortschaft Sunol amtete der schwarze Labrador-Rottweiler-Mischling Bosco von 1981 bis zu seinem Tod im Jahr 1994 als gewählter Ehrenbürgermeister. Heute steht eine Bronzestatue in Sunol, die den vierbeinigen Politiker ehrt. Er bleibe in Erinnerung als «Inbegriff dessen, was ein Kleinstadtpolitiker sein sollte» heisst es dazu.

Mit Bosco's glänzendem Fell kann Dan S. Sullivan aus Alaska wohl nicht mithalten. Dennoch steht immerhin ein prominenter Lokalpolitiker hinter ihm. Der frühere Bürgermeister von Anchorage, jener Stadt, in der sich Donald Trump und Wladimir Putin vor einem Jahr trafen, hat sich öffentlich hinter ihn gestellt. Sein Name? Dan Sullivan.
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