«El Mencho» ist tot – 4 Punkte zum Drogenboss und der Eskalation im Land
Darum geht es
Autos, Banken, Tankstellen und Läden in Brand, blockierte Strassen durch schwerbewaffnete Kartell-Mitglieder: In Teilen Mexikos kommt es nach dem Tod von Drogenboss «El Mencho», bürgerlich Nemesio Rubén Oseguera Cervantes, zu grossen Unruhen. Gemäss Angaben der Behörden kamen 26 Personen ums Leben, darunter diverse Polizisten.

Der Drogenboss wurde am Sonntag von mexikanischen Spezialeinheiten getötet. Er war Mitgründer und Anführer des Jalisco-Kartells Nueva Generación (CJNG). Obwohl dieses international weniger bekannt ist als das ebenfalls berüchtigte Sinaloa-Kartell und dessen mittlerweile in US-Haft sitzender Boss Joaquín «El Chapo» Guzmán, gilt CJNG mittlerweile als mächtigstes Kartell Mexikos.
Was ist über CJNG bekannt?
CJNG entstand um das Jahr 2008, indem sich eine Gruppe um Nemesio Oseguera vom Sinaloa-Kartell abspaltete. Das Jalisco-Kartell setzte auf Bündnisse mit kleinen, lokalen Banden und entwickelte sich so über die Jahre zum Hauptkonkurrenten des Sinaloa-Kartells. Zu den «Betätigungsfeldern» gehörten neben dem Kokain-, Fentanyl- und Methamphetamin-Handel auch Erpressung, Diebstahl und Verkauf von Treibstoff, Entführung, illegale Holzfällerei und Bergbau sowie Menschenhandel, wie die New York Times schreibt.
Neben der hohen Gewaltbereitschaft der Jalisco-Mitglieder ist das Kartell vor allem für sein unterdessen gigantisches Waffenarsenal gefürchtet. Der mexikanische Sicherheitsexperte Eduardo Guerrero erklärte gegenüber dem Guardian:
«Sie verfügen über enorme Geldmittel, Waffen der neuesten Generation, paramilitärische Gruppen und Fahrzeuge in Militärqualität … und stellen eine sehr ernste Herausforderung für die mexikanische Regierung dar – vor allem in kleinen und mittelgrossen Städten, wo ein 50-köpfiges Kartellkommando jede örtliche Polizeieinheit problemlos besiegen kann.»
Das Jalisco-Kartell ist in sämtlichen 50 US-Bundesstaaten aktiv und wurde von der US-Regierung vergangenes Jahr als Terrorgruppe eingestuft. Nach Schätzungen der US-Antidrogenbehörde DEA gehören der Bande zwischen 15'000 und 20'000 Mitglieder an. Für Angst und Schrecken in der Bevölkerung sorgte diese unter anderem mit öffentlichen Hinrichtungen und dem Ausstellen von Leichen, wobei die Gewalttaten oft via Social Media dokumentiert wurden.
Wer war «El Mencho»?
Nemesio Rubén Oseguera Cervantes wurde 1966 in Aguililla im mexikanischen Bundesstaat Michoacán als Sohn von armen Avocado-Bauern geboren. Noch als Teenager zog er nach Kalifornien in die USA, wo er später zweimal wegen Drogenhandels angeklagt wurde. 1994 wurde «El Mencho», dessen Übername von seinem Vornamen Nemesio abgeleitet ist, verurteilt und musste für drei Jahre ins Gefängnis.

Danach kehrte er nach Mexiko zurück und arbeitete laut Medienberichten kurzzeitig als Polizist. Doch schnell verschlug es ihn wieder auf die andere Seite des Gesetzes. Über die Heirat mit der Nichte eines Bandenchefs einer regionalen Verbrecherorganisation fand er Anschluss im Sinaloa-Kartell von Joaquín «El Chapo» Guzmán.
Nach der Abspaltung gewann das neue Jalisco-Kartell schnell Einfluss, insbesondere dreiste und brutale Angriffe auf Staatsangestellte wie Polizisten, Politiker oder Richter wurden zum Markenzeichen von Osegueras Organisation.
Mittlerweile gilt das Jalisco-Kartell als mächtigste kriminelle Organisation, auch weil die mexikanische Regierung stärker gegen den Sinaloa-Rivalen vorging und Erfolge erzielen konnte. Nach der Inhaftierung von «El Chapo» und dem zweiten starken Mann Ismael «El Mayo» Zambada konnte CJNG den eigenen Einfluss weiter ausbauen.
Verglichen mit anderen Drogenbossen, lebte Oseguera ein wenig schillerndes Leben. Er war sehr auf Anonymität bedacht, weswegen auch nur wenige Fotos von ihm existieren. Zuletzt setzten die USA 15 Millionen US-Dollar auf Oseguera aus. Am Sonntag wurde der 59-Jährige durch mexikanische Spezialeinheiten so schwer verletzt, dass er auf dem Weg ins Spital starb.
Wie geht es in Mexiko weiter?
Für die mexikanische Regierung um Präsidentin Claudia Sheinbaum ist der Tod von «El Mencho» ein grosser Erfolg. Seit Sheinbaums Amtsantritt fährt die mexikanische Regierung die grösste Kampagne gegen die organisierte Gewalt im Land seit mehr als zehn Jahren – dies auch unter dem Druck der USA.

Nach dem Tod des Drogenbosses kam es zu Unruhen, vor allem in und um die Millionenstadt Guadalajara, einem Austragungsort der Fussball-WM im kommenden Sommer, aber auch im ganzen Land. Bewaffnete Jalisco-Mitglieder blockierten Strassen und griffen Supermärkte und Banken an. Dutzende Fahrzeuge wurden in Brand gesetzt.

Ob die Tötung Osegueras eine nachhaltige Schwächung der organisierten Kriminalität zur Folge hat, ist indes fraglich. Wenn frühere mexikanische Regierungen Erfolge im Kampf gegen die Kartelle feiern konnten, dauerte es zumeist nicht lange, bis neue Gruppen an ihre Stelle traten – so wie das Jalisco-Kartell von der Sinaloa-Schwächung profitierte.
Laut Experten könnte es auch zu blutigen Machtkämpfen innerhalb von CJNG kommen, sollte Oseguera seine Nachfolge nicht geregelt haben – nur Monate vor der Fussball-WM eine heikle Situation für das Land.
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