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Der Vatikan fand es nicht lustig: Meloni-Engel verliert sein Gesicht

Die italienische Regierungschefin ist kein Engel mehr: Der Himmelsbote, der in einer römischen Kirche plötzlich ihre Gesichtszüge trug, ist übermalt worden.
In der Basilica di San Lorenzo in Lucina war für kurze Zeit ein Engel mit dem Gesicht von Giorgia Meloni zu sehen. (Bild: Gregorio Borgia/AP)

Lange, sehr lange hatte die 1500 Jahre alte römische Kirche San Lorenzo in Lucina nicht mehr einen solchen Ansturm mehr erlebt wie in den letzten Tagen: Kunsthistoriker, Restauratoren, Ikonographen, Beamte, Experten des Kulturministeriums, in- und ausländische Journalisten und nicht zuletzt auch unzählige Gläubige, Touristen und Schaulustige.

Sie alle wollten den Engel in einer Seitenkapelle der Kirche sehen, der nach einer Restaurierung plötzlich auf frappante Weise der italienischen Ministerpräsidentin ähnlich sah. Doch der Rummel ist nun ebenso jäh beendet worden, wie er am Wochenende begonnen hatte: Das Gesicht des Engels ist - vom Urheber der ganzen Aufregung - wieder übermalt worden.

Bruno Valentinetti, der 83-jährige Kirchendiener und Dekorationsmaler, der den Engel restauriert hatte, erklärte gestern gegenüber den Medien, dass ihn die Kurie angewiesen habe, das Gesichts des Engels - der laut Experten kein Engel, sondern eine Siegesgöttin ist, weil es nur männliche Engel gebe - wieder zu überstreichen.

Restaurator erzählt verschiedene Versionen

Tatsächlich war Kardinal Baldo Reina, immerhin Stellvertreter des Papstes als Bischof von Rom, gar nicht amüsiet über das Resultat der Restaurierung Valentinettis. «Bilder der sakralen Kunst und der christlichen Tradition dürfen nicht für andere Zwecke missbraucht werden», betonte Kardinal Reina in einer offiziellen Note. Und: Von geplanten Änderungen und Ergänzungen sei das Bistum nie in Kenntnis gesetzt worden.

Valentinetti wiederum beharrte darauf, dass er nichts anderes getan habe, als den Originalzustand des durch Feuchtigkeit beschädigte Engels wieder herzustellen. Er verneinte entschieden, dass ihn das Antlitz der Regierungschefin bei der Restaurierung inspiriert habe.

Allerdings: Der Restaurator genoss die Tage seiner internationalen Berühmtheit sichtlich und machte sich ein Spiel daraus, jedem Journalisten eine andere Deutung aufzutischen. «Jeder sieht in dem Gesicht des Engels, was er will. Wenn Sie darin Meloni erkennen, dann ist das eben so. Aber es ist nicht Meloni», erklärte er der «Stampa». In einem Podcast versuchte er dem Publikum folgende Version weiszumachen: «Meloni erschien mir im Traum, in Weiss gekleidet. Sie sagte zu mir: Bruno, male den Engel nach meinem Bild. Gib ihm mein Gesicht! Daraufhin bewegte sich meine Hand wie von selbst.»

Der Papst soll entscheiden

Bevor Valentinetti wieder Hand an den Engel legt, will das Kulturministerium zusammen mit der Denkmalbehörde der Stadt Rom anhand von alten Fotografien herausfinden, wie der Engel in seiner Originalversion ausgesehen hat. Und nach dieser Vorlage soll das Gesicht dann rekonstruiert werden. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte schon am Sonntag in einem selbstironischen Post auf Instagram festgehalten, dass sie «definitiv keinem Engel ähnele».

Das Bistum Rom liess verkünden, dass die Entscheidung über die Zukunft des Engels «auf höchster Ebene» getroffen werde. Rom hat insgesamt mehr als 700 Kirchen. Sie unterstehen alle dem Papst.

Übrigens: Irgendwann hat Valentinetti gestern dann doch noch eingeräumt, dass er das Gesicht des Engels vielleicht ein wenig, sagen wir mal, künstlerisch neu interpretiert habe. «Va be', era Meloni», sagte er im Römer Dialekt zur Zeitung «La Repubblica». Zu deutsch: «Ok, es war Meloni.»

 
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